Sicher ist: nichts hilft nicht

“wenn er sich so in die nische setzte und vorsichtig im hintergrund hielt, konnte winston, wenigstens visuell, ausser reichweite des televisors bleiben.”

1984, george orwell

Genug davon, immer nur über Überwachung zu reden und beim ‚Man
müsste mal…‘ stecken zu bleiben? Genug gelesen, genug offene Briefe geklickt? Ich habe mit unzähligen Menschen Gespräche darüber geführt, dass es nicht reicht. Dass endlich was passieren müsste. Warum denn niemand was auf die Beine stellt. Dass es fast zu spät ist. Dass dagegen nichts hilft. Sicher ist: nichts hilft nicht.

Was tun? Was tun!

Das Thema ist durch, es findet noch in den Netz- und Medienrubriken statt, aber ansonsten ist wieder Business as usual.

Ich habe mir vor ein paar Wochen mit einigen Leuten überlegt, dass wir nicht gut damit weiterleben, das einfach so hingenommen zu haben. Es wird auch schwierig werden, es unseren Kindern zu erklären.

Wir wollen uns gemeinsam mit vielen anderen überlegen, was wir tun können. Das kann viel sein: Demonstrationen, direkte Aktionen, mehr Briefe (naja), ein Bündnis der Gruppen und Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen und das gemeinsam lauter ist. Eine Plakatserie, ein Slogan, eine Kampagne für den nächsten Wahlkampf. Und das sind bloß die Sachen, die mir in ein paar Minuten einfallen. Um gemeinsam zu überlegen und dann gemeinsam zu planen, gibt es am 5. April ein Barcamp in Berlin. Kein Gezeter, kein Bullshit, keine Flügelkämpfe. Was tun.

Und wir wollen, dass Ihr kommt.

Wir, das sind Julia Kloiber, Moritz Tremmel, Benjamin Bergemann, neuerdings auch Thorsten Schröder, und ich.

Wir haben es satt, und wir haben Lust, was zu machen.

Hier steht noch mehr: ausserreichweite.org

Hinter dieser Idee steht außer uns niemand und auch keine Geldgeber_innen. Es wird nicht luxuriös, aber es wird genug sein. Wenn Ihr kommt, meldet Euch bitte so verbindlich wie möglich an, damit wir wissen, wieviel Platz, wieviel Essen und Getränke wir brauchen. Und bringt dafür ein bisschen Geld mit.

Kontakt: info-at-ausserreichweite-org
PGP: pgp-at-ausserreichweite-org  (Public Key: 0xE3EE4182277E0A6F)
#wastun 
Twitter: @AusserRW

Zum Weiterverteilen:
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Keine Ausreden mehr für Männerüberhang

screenshotEs gibt sie endlich: die Speakerinnen-Liste. Eine Website mit Datenbank, über die Expertinnen für Konferenzen, Podien, Talkshows gefunden werden können.

Dickes DANKE! an die Berliner Rails Girls Gruppe, die das Projekt ganz in Ruhe und ohne Wirbel als Lernprojekt geplant und umgesetzt hat.

Viele zählen die Verteilung von Männern und Frauen auf Bühnen und ärgern sich über die häufig langweilig mit ähnlichen weißen deutschen Akademikern besetzen Veranstaltungen. Wenn Veranstalter_innen darauf hingewiesen werden, dass sie 60, 80, 100 Prozent Männer eingeladen haben, erklären viele, dass sie eben keine Frauen kennen oder gefunden haben, die zum Thema etwas hätte sagen können. Oder fordern auf, doch welche zu benennen, die so gut und kompetent über Thema XY reden können. Kann ich meistens nicht beantworten, weil ich mit den meisten Themen nicht gut genug auskenne.

Dass eine Datenbank nötig ist, ist seit langem klar.

Im IT-Bereich gab es vor Jahren mal ein ähnliches Projekt: Geekspeakr.com. Das wurde leider nicht weiter betrieben und ist inzwischen offline. Als der Netzfeminismus entstand, entstand provisorisch eine Liste mit Frauen, die zunächst über netzfeministische Themen sprechen können: Speakerinnen, vor allem von Kathrin Roenicke gepflegt.

Vor etwa anderthalb Jahren, nachdem sich bei Twitter mal wieder viele über die Besetzung einer Konferenz geärgert hatten, gab es einige Treffen und ziemlich konkrete Pläne. Die Pläne gingen baden, zuwenig Zeit, und dann gab es auch schon einige ähnliche Projekte. Da war auch schon ein Mitglied der Rails Girls dabei, und in aller Stille haben die dann einfach weitergearbeitet und mich etwa ein Jahr später kontaktiert und erklärt, sie seien jetzt fertig. Ich war ziemlich baff und habe mich enorm gefreut. Ich hatte selber in der Zwischenzeit mein Zählblog 50 Prozent gestartet, weil das weniger aufwändig ist und die reinen Zahlen als Argument auch wichtig sind.

Die neue Speakerinnen-Liste ist ungeheuer schick geworden und ist die beste Ergänzug zu meinen Zahlen. Vor zwei Tagen haben wir einige Frauen eingeladen, sich schonmal einzutragen und fast 50 haben das sofort gemacht. Heute, am 8. März, geht es los. Speakerinnen.org soll Veranstalter_innen, die oft wenig Zeit haben, erleichtern andere als die immer gleichen bekannten Namen einzuladen, sie soll Frauen ermuntern, bei einer Anfrage auch mal Ja zu sagen, auch wenn sie das Thema nicht im Schlaf herbeten können, und sie soll Mädchen und Jungen zeigen, dass Fachkompetenz nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

Ich freue mich sehr, und hoffe, dass ich nie mehr die Frage beantworten muss, welche Frau es zum Urheberecht, zu Kryptographie oder zu Verfassungsrecht denn wirklich drauf hat.

Und ich hoffe, dass sich sehr viele Frauen eintragen.
(Dort zu stehen, verpflichtet übrigens zu gar nichts)

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(Ach ja, und es ist natürlich noch nicht alles fix und fertig, wie immer, wenn was zu einem bestimmten Datum raus soll.)

Klick doch mal für die Hebammen

Ein Text woanders, nämlich im FAZ-Blog „10 vor 8“, der unter anderem von Annett Gröschner betrieben wird, die ich hiermit wärmstens empfehle, weil sie ganz wunderbare Texte schreibt. Und mich ob der Einladung sehr geschmeichelt fühlte.

Es geht um Hebammen, und um Petitionen, und warum sich nichts daran ändert, dass den Hebammen ihr Beruf und den Schwangeren das Kinderkriegen nach eigenen Vorstellungen und mit eigener Hebamme unmöglich gemacht wird. Obwohl soviele unterschreiben:

Letzte Woche wurde bekannt, dass es ab 2015 keine freien Hebammen mehr  geben wird. Der Deutsche Hebammenverband teilte mit, dass die letzten beiden Haftpflichtversicherungen für Hebammen zum 1. Juli 2015 aus dem Geschäft aussteigen.

Die Aufregung hält sich in Grenzen. Manche interessiert das Thema überhaupt nicht, für manche hat der Gewöhnungseffekt eingesetzt. Die Hebammen schon wieder. Protestieren die nicht ständig?

Die einen fragen sich entsetzt und ungläubig, ob es wirklich soweit kommen wird, dass es in Deutschland keine freien Hebammen mehr gibt. Die anderen fragen, wozu die denn nötig seien, immerhin könnten die Kinder doch genauso gut im Krankenhaus geboren werden.

Weiter bei „10 vor 8“.

Aus dem feministischen Bilderbuch: Medien und Frauen

lemon-medium_6893264486Mir ist vor einigen Monaten etwas passiert, dass in sovielen Aspekten direkt aus dem Bilderbuch kommen könnte, dass ich mich entschieden habe, es exemplarisch aufzuschreiben. Eine Geschichte über den Umgang mit Frauen in den Medien.

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob es richtig und klug ist, das öffentlich zu dokumentieren: in diesem Fall hatte ich mit einer Autorin und einer Redakteurin zu tun, und möchte ich die öffentlich in die Pfanne hauen? Eigentlich nicht. Möchte ich denjenigen Futter liefern, die jedes feministische Argument damit wegwischen, dass Frauen ja auch nicht besser seien? (In meiner Variante von Feminismus ist eh die Grundannahme, dass weder Männer noch Frauen besser als die jeweils anderen sind). Möchte ich nicht, aber ich möchte andererseits auch, dass Frauen im Fernsehen genauso oft und selbstverständlich als Expertinnen vorkommen wie Männer. Um das zu erreichen, scheint mir nötig, Erlebnisse wie dieses zu dokumentieren.

Irgendwann letzten Herbst erreichte mich eine E-Mail einer Journalistin, die Andrej Holm angeschrieben hatte, weil sie ihn für eine Sendung über Datenschutz einladen wollte. Er hatte nicht reagiert und so bat sie mich, den Kontakt herzustellen. Es kommt in unregelmäßigen Abständen vor, dass Journalist_innen von Andrej keine Rückmeldung bekommen oder erst gar nicht versuchen, ihn im Netz zu finden und es dann über mich versuchen. Das begeistert mich mäßig, mir reicht eigentlich mein eigenes Mail-Aufkommen. Es ist auch nicht schwierig, seine Kontaktdaten zu finden. Ich habe ihm diese Anfrage – wie immer – weitergeleitet, und er antwortete ihr wie immer in solchen Fällen: er ist der Meinung, dass sein Fall ausreichend medial dokumentiert ist, er hat mehr als genug mit Anfragen zu seinem eigentlichen Thema zu tun (Gentrifizierung) und verweist darauf, dass ich mich mit dem Thema inhaltlich viel mehr beschäftige, gleichermaßen von Überwachung betroffen war und deswegen die bessere Alternative sei.

Reaktion der Journalistin: ich hätte auf die Anfrage ja nicht reagiert, aber ob ich denn bereit wäre, seinen Part zu übernehmen? Bei mir war nur die Bitte angekommen, ob ich Kontakt zu Andrej herstellen könne. Selbstverständlich reagiere ich nur auf Anfragen, die mich betreffen.

In derselben Mail stand auch, dass der erste eingeladene Gast mich auch schon für die Sendung empfohlen hatte. Und so, nach der Empfehlung von zwei Männern, wurde ich also eingeladen.

Wir haben dann zur Vorbereitung der Sendung telefoniert. Während des Telefonats war mir wichtig zu klären, dass ich nicht lediglich als Betroffenene von Überwachung vorkommen möchte, sondern gleichberechtigt zum ersten Gast als Expertin zum Thema Datenschutz und Überwachung. Ich hatte den Eindruck, dass die Journalistin nicht völlig von der Idee überzeugt war. Nicht überraschend, wenn sie mich bis dahin überhaupt nicht kannte – soweit konnte ich das gut verstehen. Nachdem ich aber ja von Gast 1 empfohlen worden war, seit vielen Jahren zum Thema der Sendung schreibe und in dem Bereich auch arbeite, hat sie zugestimmt und mir garantiert, dass auch ich als Expertin eingeladen sei.

Dazu muss ich sagen, dass ich es ausgesprochen unangenehm finde, mich derart anzubiedern und explizit etwa den Status ‚Expertin‘ einzufordern. Mir hätte gereicht, wenn wir uns darauf geeinigt hätten, dass ich nicht nur über meine individuelle Erfahrung spreche, sondern auch allgemeiner zu den aktuellen Fragen rund um die Themen Datenschutz und Überwachung.

Unter dieser Voraussetzung habe ich zähneknirschend zugestimmt, für ein Honorar von 150 Euro quer durch die Republik zu reisen und mir dafür auch einen (besser bezahlten) Arbeitstag ans Bein zu binden. Ich fand (finde) das Thema wichtig und die Aussicht, eine einstündige Sendung zum Thema für’s öffentlich-rechtliche Fernsehen zu produzieren, sinnvoll.

Die Vorbereitung der Sendung wurde einigermaßen umfangreich: es wurde gefragt, ob ich aus Verfahrensakten vorlesen könne, was ich sicherheitshalber mit Anwält_innen klären musste. Es ist in Deutschland u.U. strafbar, aus solchen Akten zu zitieren, auch den eigenen. Ich habe mehrere Anwält_innen gefragt und dazu auch unterschiedliche Antworten bekommen. Ich habe zur Vorbereitung mehrere Stunden lang Akten gelesen, um die gewünschte Authentizität herstellen zu können. Ich bekam eine DVD mit Einspielern, die während der Sendung gezeigt werden sollten, und wurde gebeten, sie zur Vorbereitung anzusehen, außerdem den geplanten Ablauf der Sendung mit den Fragen, die mir gestellt werden sollten.

Die Sendung selbst wurde dann in einem Studio in einem Durchlauf aufgezeichnet. Gast Nr. 1 war bis Minute 44 der einstündigen Sendung alleiniger Gesprächspartner der beiden Moderator_innen, hatte Raum, sich selbst, seine Arbeit und seine Expertise vorzustellen. Mein Part begann nach einem Einspieler ab Minute 46, gemeinsam mit Gast 1, der mit mir die restliche Sendezeit bestritt.

In den Fragen an mich ging es um mein Erleben von Überwachung. Von den ‚Fach-Fragen‘ blieb eine übrig.

Ich war nach dem Ende der Aufzeichnung ziemlich perplex. Es war genau das eingetreten, was ich vermeiden wollte und weswegen ich das auch extra im Vorgespräch besprochen hatte: ich kam, mit Ausnahme einer Frage, ausschließlich als Opfer vor.

Ich habe diese Rolle oft gehabt, es gehört zu meinem Leben, dass ich die Geschichte erlebt habe und ich habe an sich auch nichts dagegen, sie zu erzählen, im Gegenteil. Ich halte es für wichtig, dass solche Geschichten im öffentlichen Bewusstsein bleiben und ich wünschte, es gäbe mehr Betroffene, die mit ähnlichen Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen. Nur: ich bin nicht nur Opfer, ich bin nicht nur die Partnerin von Andrej Holm. Ich habe zum Thema mehr zu sagen als das. Es ist nicht akzeptabel, neben einem als solchen präsentierten männlichen Experten auf die Opferrolle reduziert zu werden und (fast) nur dazu etwas sagen zu dürfen, in einer Sendung, die eine Stunde dauert.

Ich habe das der Autorin und der Redakteurin hinterher auch gesagt. Beide waren ziemlich überrascht, dass ich mit der Sendung überhaupt nicht zufrieden war und mein Eindruck war, dass es ihnen durchaus leid tat, dass mich das geärgert hat.

Ich frage mich, was ich noch hätte tun können, um zu vermeiden, dass es so abläuft. Ich fand schon nicht einfach, das Problem im Vorfeld überhaupt anzusprechen und so darauf zu drängen, dass ich auch inhaltlich etwas betragen könnte. Faktisch ging es mir während der laufenden Sendung so, dass ich mich bei einzelnen Punkten besser auskannte als der Experte, oder zumindest als das, was er in dem Moment gesagt hatte.

Ich habe mir den geplanten Sendeablauf hinterher nochmal angesehen und erkannt, dass sich das Problem auch in den Planung schon abzeichnete: Geplant war, dass ich ab Minute 40 auftauche. Nun bin ich keine geübte Sendeplan-Leserin und habe manchmal auch noch anderes zu tun. Selbst wenn es mir aufgefallen wäre: die Fahrkarten und das Hotel waren gebucht, und ich bekam den Plan sechs Tage vor der Sendung. Hätte ich nach anderthalb Monaten Planung absagen sollen, weil ich nur 20 Minuten statt 30 eingeplant war? Kaum. Aber ich hatte das eben auch gar nicht gesehen, sondern mich auf den Inhalt und die Fragen konzentriert.

Mir wurde dann, nachdem ich allen Beteiligten hinterher beim Essen meinen Ärger mitgeteilt hatte, noch ein Interview für die Sendungsseite angeboten. Der Experte kokettierte: „Oh! Habe ich wieder zuviel geredet?“ Das Interview wurde später telefonisch geführt, und war auch eine eher ernüchternde Erfahrung: aus einem längeren Telefonat, das offenbar nicht aufgezeichnet und (teilweise) transkribiert wurde, schrieb die Autorin ein Interview, das jede Menge Fehler enthielt. Mir wurden Sätze in den Mund gelegt, die ich nie sagen würde. Ich bin mit Interviews an sich nicht pingelig, würde ich sagen, aber „Nicht chatten, sondern stattdessen seine E-Mails verschlüsseln“ würde mir aus verschiedenen Gründen nicht über die Lippen kommen, und das ist nur ein Beispiel von vielen. Für eine ausführliche Überarbeitung war kaum Zeit, es musste am nächsten Tag fertig sein. Zurückziehen oder zähneknirschend zustimmen? Ich habe die hastig überarbeite Fassung dann abgenickt. Wie gesagt, ich bin keine Freundin des Zwangs der Autorisierung, aber in dem Fall war sie nötig.

Die zugesagten Links zu meiner Arbeit auf der Sendungs-Homepage fehlen; das „Interview“ ist auch erst nach zwei Klicks zu erreichen.

Für mich ist das Ganze eine Erfahrung wie aus dem feministischen Bilderbuch: ein Mann als Experte, eine Frau als Opfer und Illustration des bisher Gesagten. Trotz ausführlicher Absprache im Vorfeld ändert sich an diesem stereotypen Ablauf nichts.

Mir geht es, wie gesagt, nicht darum, die Verantwortlichen zu denunzieren. Aber um am offenbar fest einzementierten Frauenbild der ‚alten‘ Medien etwas zu ändern, ist der erste Schritt, über solche Erfahrungen zu reden.

Bild: ‚Ajnagraphy‘ via photopin, CC-BY-ND-Lizenz

Zweimal Digitale Sicherheit für Journalist_innen

Ich war in den letzten Monaten zweimal auf Podien der Deutschen Welle Akademie zum Thema „Digitale Sicherheit für Journalist_innen“ eingeladen, mit jeweils ziemlich interessanten Ko-Panelist_innen. Wer möchte, kann sich das hier angucken.

Beim ersten waren Christian Stöcker (Spiegel Online), Hauke Gierow (Reporter ohne Grenzen) und Ala’a Shehabi (Bahrainwatch.org) dabei, moderiert von Jaafar Abdul-Karim. Insbesondere Ala’s Shehabi, die selber Ziel von Angriffen war, war beeindruckend:

Beim zweiten, in Kooperation mit dem ARD Hauptstadtstudio, mit John Goetz (NDR), Zahi Alawi, (Deutsche Welle), Malte Spitz (Bündnis 90/Die Grünen), William Echikson (Google External Relations), moderiert von Holger Hank (DW Akademie Digital).

(Irgend wann schreibe ich ein Extra-Blogpost zur Neigung der Leute in der Maske, lange Haare zu toupieren.)

Laura Poitras redet über ihre Arbeit

In Berlin findet gerade die Transmediale statt, das jährliche Festival zu Kunst, Kultur und Technologie. Von Berlin ziemlich ignoriert zieht die Transmediale eher internationales Publikum an. Ich verstehe das ein bisschen: eine andere (Sub-)Kultur, allein das Setting im Haus der Kulturen der Welt strahlt für viele etwas Elitär-Bürgerliches aus. Was dem HdKdW unrecht tut, denn es ist nicht nur ein angenehmer Ort im Tiergarten, direkt an der Spree, sondern es gibt dort regelmäßig gute, interessante, politische Veranstaltungen. Auch bei der Transmediale ist das so. Es gibt jedes Mal sehr politische Inhalte und Referent_innen, die nicht gefühlt immer überall schon sind. Sollte sich das politische und das Netz-Berlin nicht so entgehen lassen.

Zu teuer? Ich habe mich zigmal als Bloggerin akkreditiert und keinen Cent gezahlt. Zugegeben wirkt es selbst für mich, die ich keine große Nähe zu Kunst und Kultur habe, manchmal so, als ob das Geklüngel groß wäre, aber das Ergebnis lohnt sich trotzdem. Ein paar Bilder aus der Ausstellung Art Hack Day sind unten zu sehen.

Empfehlen möchte ich heute Laura Poitras, die gemeinsam mit Trevor Paglen und Jake Applebaum eine Keynote gefüllt hat. Trevor Paglen war auch interessant, dessen Talk beim 30C3 hatte ich schon empfohlen.

Laura Poitras erklärte als Erstes, dass sie keine Neuigkeiten enthüllen werde, dass darauf wartenden Journalist_innen also auch gut etwas trinken gehen könnten. Was sie dann erzählt und gezeigt hat, was trotzdem spannend und bewegend. Sie ist sehr unaufgeregt und keine emphatische Selbstdarstellerin, was ich sehr angenehm finde. Sie erklärte, wie sie arbeit und was ihre Motivation ist. Ihr Thema sind die USA. Das brachte sie dazu, sich mit 9/11 zu beschäftigen, mit dem Irak-Krieg, mit Guantanamo, dem Krieg gegen den Terror und schließlich mit den Enthüllungen von Edward Snowden. Sie ist wahnsinnig mutig. Sie zeigt einige Clips, die sämtlich ziemlich beeindruckend sind:

Der Auftritt konterkariert sehr schön etwas, was ich in den letzten Wochen in Berlin beobachte: einen ansteigenden Hype um die so genannte „Whistleblower-Community“ in Berlin. Das reicht bis hin zu einem boulevardesken Beitrag des ARD-Morgenmagazins, in dem sich eine Reporterin auf die Suche nach den sich in Berlin versteckenden Whistleblowern und ihrem Unterstützer_innen-Netzwerk macht, sie aber nicht findet. Sehr skurril, denn offensichtlich ist es ja nicht schwierig. Manchmal sitzen sie sogar ganz öffentlich auf Bühnen.

Last but not least ein paar Eindrücke aus Art Hack Day. Es ist ziemlich dunkel da drin, daher fast nur Text. Guckt es Euch an. Mir gefiel die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen NSA und Überwachung.

™-bitAbmahnungen für Pastebin-Inhalte?

™-honeypotHoneypot, in dem Fall für Smartphones.

™-data-retentionDazu ist ein Monitor zu sehen, auf dem die Inhalte, die auf dem Rechner gefunden wurden, in schnellem Wechsel zu sehen sind.

™-imsi

 

DSC_1362Keine ganz neue Idee und nicht unumstritten.

Die Gedanken sind frei

Dieser Text ist zuerst im Buch “Überwachtes Netz” erschienen, das als eBook für 7,99 Euro und als gedrucktes Buch für 14,90 Euro zu kaufen ist, außerdem bei netzpolitik.org.

Hast du eigentlich irgendwas an deinem Verhalten geändert nach den Snowden-Leaks?

Meine erste Reaktion auf die Frage war anfangs „Nein“. Ich habe vorher schon E-Mails verschlüsselt, benutze Browser-Add-Ons gegen Tracking durch Unternehmen; ich weiß, dass Überwachung stattfindet. Seit Jahren nerve ich meine Umgebung mit Erklärungen, warum ich keine Post von Gmail-Accounts kriegen will: Weil bekannt ist, dass Google seine Services nicht verschenkt, sondern eine Gegenleistung erwartet, nämlich Informationen über die Nutzer/innen, und dazu auch in den Mails nach interessanten Details sucht. Inklusive der Informationen über die, mit denen korrespondiert wird, auch wenn die keine Mail-Accounts bei Gmail haben.

Wenn ich darüber nachdenke, merke ich, dass nicht ganz stimmt, dass sich nichts geändert hat. Ich verschlüssele wieder mehr. Nicht nur E-Mails, in denen Telefonnummern, Adressen oder andere persönliche oder politische Informationen stehen, von denen ich denke, dass sie niemanden etwas angehen, sondern auch E-Mails mit vollkommen banalem Inhalt. Auf mehreren meiner Mailinglisten wurde darum gebeten, dass Mail-Adressen bei den Providern, bei denen durch die Snowden-Leaks bekannt wurde, dass sie Daten an die NSA weitergeben, bitte durch andere ersetzt werden mögen. Gefolgt von der obligatorischen Debatte, welche Anbieter denn besser wären: lokale kommerzielle Anbieter, weil die Daten dann vielleicht nicht durch Unterseekabel sofort bei GCHQ und NSA landen? Lieber keine kommerziellen Anbieter, weil die im Zweifelsfall nicht mitteilen würden, dass eine Strafverfolgungsbehörde vor der Tür stand und wissen wollte, wer wem wann was geschickt hat, oder womöglich dem BND die Daten direkt weiterleiten, genauso wie es in den USA passiert? Nur welche mit Servern in Island? Oder doch in den USA, weil es da keine Vorratsdatenspeicherung gibt? Ein derzeit nicht aufzulösendes Dilemma, weil wir nicht alles wissen und weil es keine gute Alternative gibt.

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Warum protestiert eigentlich niemand?

schildgemachtBeim Jahresrückblick des Chaos Computer Clubs (CCC) während des 30C3-Kongresses Ende Dezember in Hamburg berichtete Constanze Kurz: »Es gibt eigentlich kein Interview, was wir seit diesen Monaten geführt haben, das nicht auch die Frage enthält: ›Wie erklären Sie sich denn, dass sich niemand empört?‹. Und nach dem Wahlergebnis: ›Wie erklären Sie sich denn dieses hohe Wahlergebnis für Merkel?‹«.

Constanze Kurz gehört zum Presseteam des CCC. Die Frage, die sie wieder und wieder beantworten soll ist, warum es keine größeren Proteste gegen die Durchleuchtung aller Kommunikation durch die Geheimdienste gibt, die die Leaks von Edward Snowden seit Juni vergangenen Jahres ans Licht bringen.

Es hat wenig Protest gegeben

Es hat wenig Protest gegeben, das stimmt. Was nicht stimmt ist, dass sich die meisten nichts daraus machen, dass die Regierungen, die sich gern selbst als gutes Beispiel für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit präsentieren, offensichtlich lügen. Und zwar nicht nur andere Regierungen belügen, sondern die jeweils eigene Bevölkerung.

Genauso wenig stimmt, das sich die meisten nichts daraus machen, dass ihre vermeintlich private Kommunikation gerastert und gespeichert wird. Ich habe jahrelang wie Don Quijote gegen die Windmühlen gekämpft bei dem Versuch, Menschen dazu zu bewegen, kein Googlemail zu benutzen oder ihre Mails sogar zu verschlüsseln.

Textbausteine, die ich im Schlaf aufsagen konnte, sind plötzlich überflüssig geworden. Weiterlesen

Kleine Philosophie der digitalen Sicherheit

butter-sWährend ich eben den Sonntagmorgen-Kaffee kochte und dabei nachsah, was sich über Nacht im Netz tat, stolperte ich über einen Link, den Antje Schrupp bei Facebook weitergereicht hat: „Wir sind zu faul, um nicht überwacht zu werden„, von @dasnuf. Der Impuls, SOFORT dazu bloggen zu müssen, sprang mich an noch bevor ich sah, dass ich selber drin vorkomme.

„Wir sind zu faul,..“ um Tools und Methoden kennenzulernen oder zu benutzen, die das digitale Leben besser vor Überwachung schützen, bzw. der Möglichkeit, überwacht zu werden. Oder erstmal davor, dass unsere Daten eingesammelt und verkauft und ausgewertet und gerastert werden. Jeweils von Unternehmen und von Behörden. Möglicherweise. Wenn nicht jetzt, dann später.

Mir zieht sich immer alles zusammen, wenn ich mit dem Argument konfrontiert bin. Nicht, weil ich empörend fände, dass mein Gegenüber faul ist. Eine andere Variante ist, dass es so bequem ist, weil Googlemail eben irre gut funktioniert, die Google Suche genauso, weil es viel schneller geht, eine kurze Nachricht per Facebook-Chat zu schreiben oder als Twitter-DM, statt ‚richtigen Chat‘. Allein die Einrichtung von Chatprogrammen – und was nehme ich da überhaupt?

Ich glaube, das erste Mal ist mir das Argument begegnet, als die Post Telefonkarten eingeführt hat, mit denen in Telefonzellen anstelle von Münzen bezahlt werden konnte. Dann die EC-Karten. Die PayBack-Karten. In meinem Leben war von Computern weit und breit noch nichts zu sehen, aber das Problem war das gleiche: es ist viel bequemer, immer die Telefonkarte dabei zu haben, weil im Zweifelsfall nicht genug Groschen im Portemonnaie stecken. (Wir befinden uns Ende der 80er Jahre). Manche fanden das schlimm. Manche fanden das total bequem.

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Die Schnittmenge zwischen Journalismus und Aktivismus

camera-medium_4773079216Gestern gab es bei DRadioWissen ein einstündiges Gespräch dazu, was den Unterschied zwischen Journalist_innen und Aktivist_innen ausmacht: Das Ende der Unterschiede?. Wenig überraschend sind die Beteiligten zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen, ich fand vor ein paar Tagen schon, dass vor allem gut ist, dass die Debatte über Journalismus stattfindet.

Bei DRadioWissen ging es Juliane Leopold (Zeit Online), Falk Steiner (D-Radio), Daniel Bröckerhoff (Blogger und Freier) und Vera Linß (DRadioWissen) vor allem um die Definition von Journalismus in Abgrenzung zu Aktivismus. Die Diskussion drehte sich um die journalistische Gretchenfrage: Dürfen Journalist_innen eine Meinung haben? Soll bzw. muss die erkennbar sein und wie?

Die klassische Antwort ist, dass sie eine haben dürfen, aber dass sie nicht erkennbar sein soll, es sei denn, sie schreiben einen Meinungsbeitrag, oder Kommentar. Tatsächlich wissen wir natürlich, dass es keinen Text gibt, der rein objektiv, neutral, ‚wahr‘ ist. Die eine Wahrheit gibt es nicht – keine besonders revolutionäre Erkenntnis. Bei Naturwissenschaften unterscheidet sich das vielleicht in Nuancen, aber aber auch da beeinflusst die (interessengeleitete) Fragestellung das Ergebnis. Ich bin keine Medienwissenschaftlerin und weiß nicht, ob und wie das sonst diskutiert wird, aber es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass diese Überlegung in Debatten über Journalismus noch nicht eingeflossen sei.

Dazu kommt, dass nicht erst seit gestern bekannt ist, dass Journalist_innen nicht im luftleeren Raum agieren. Im Unterschied zu (den meisten) Blogger_innen verdienen sie mit Journalismus Geld, sind also abhängig von ihren Auftrag- oder Arbeitgeber_innen. Es ist ja kein Zufall, dass die Artikel in der FAZ konservativer sind als die in der Frankfurter Rundschau (waren). Da in der Regel alle über dieselben Themen schreiben (ein anderes, trauriges, Kapitel), müsste nach den in der aktuellen Debatten hochgehängten journalistischen Qualitätsstandards in etwa überall dasselbe stehen. Wenn wir mal davon ausgehen, dass jeweils auf die Einhaltung des Pressekodex geachtet wird, dann dürften die sich eigentlich gar nicht unterscheiden, schon gar nicht zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Weil die Journalist_innen aber Geld verdienen müssen, geht es in den Beiträgen nicht (nur) um ihre eigene Fragestellung, sondern (auch) um die derer, die sie bezahlen. Das ist an und für sich auch nicht schlecht: ich lese (sehe, höre) gern verschiedene Sichtweisen auf ein Thema. Gut wäre eben, wenn das auch Einklang in die Definition von Journalismus fände: dass Journalist_innen Menschen sind, die eine Meinung haben und sich dazu in der Regel in einem Abhängigkeitsverhältnis befinden, und sich beides in ihren Beiträgen wiederfindet.

Als vor knapp 15 Jahren Ende 1999 das unabhängige Medien-Netzwerk Indymedia gegründet wurde, war genau dies eine seiner Wurzeln: Kritik an den bestehenden Medien. Die beiden anderen waren Technik (die Möglichkeit, im Web ein CMS zu betreiben, mit dem alle, die wollten, im Netz veröffentlichen konnten: 1999 revolutionär neu) und Politik (Indymedia verstand sich als mediale Plattform der globalisierungskritischen Bewegung, die sich vor allem in Gipfelprotesten ausdrückte). Indymedia wurde irgendwann vom Web 2.0 überholt und konnte, unfinanziert und von Freiwilligen betrieben, mit den kommerziellen Plattformen nicht mehr mithalten. Viele Indymedia-Aktive haben diese Plattformen mitentwickelt – Twitter beispielsweise hat seine Ursprünge in den Gipfelprotesten um den Jahrtausendwechsel.

Das ‚unabhängig‘ im Namen stand und steht für die Medienkritik: kommerzieller, also bezahlter Journalismus ist zwangsläufig abhängig und wird damit auch inhaltlich beeinflusst. Das heißt nicht, dass Journalismus in seiner klassischen Definition zwingend schlecht ist. Es war aber auch die Aufforderung, die Journalismus-Definition endlich vom hohen Ross zu holen und der Realität gegenüberzustellen. Ich amüsiere mich regelmäßig darüber, dass der Begriff „Qualitätsjournalismus“ ernst gemeint ist und bspw. im Bundestag immer mal wieder Anhörungen des Kulturausschusses zum Qualitätsjournalismus stattfinden. Irgendwann wurde der Begriff Bürgerjournalismus, auch Citizen Journalism, erfunden für die Leute, die einfach so ihre Beobachtungen, Meinung, Fotos oder Videos in bestimmten Medien veröffentlichen und qua Definition an die hohe Qualität des ‚richtigen‘ Journalismus nicht ranreichten. Mir rollen sich die Zehennägel hoch, wenn sich Menschen selbst so bezeichnen. Kurz darauf began die Diskussion darüber, ob Blogger_innen so gut wie Journalist_innen sein können. Die wurde schon erheblich erbitterter geführt, sicherlich auch, weil Blogger_innen in der Regel ein größeres Ego mit sich herumtragen und es ihnen (ok: uns) öfter um Selbstdarstellung geht.

Aus dieser Auseinandersetzung mit Medien und dem alten Begriff des Journalismus rund um Indymedia entstand der Begriff ‚Medienaktivismus‘. Und hier schließt sich der Kreis zur aktuellen Debatte darum, ob Glenn Greenwald Journalist oder Aktivist ist. Können Journalist_innen, die sich kritisch mit Medien und der politischen Auseinandersetzung über Medien beschäftigen, überhaupt Journalist_innen sein, oder sind sie zwangsläufig Aktivist_innen, weil es um sie selbst und ihre Rolle geht? Bei DRadioWissen ist diese Diskussion gestern teilweise in Haarspalterei ausgeartet: Wenn ich zu einer Demo aufrufe, bin ich dann Aktivist_in, nicht Journalist_in? Eher Aktivist_in. Was aber, wenn ich als Journalist_in eine_n Politiker_in zum Rücktritt auffordere? Journalismus sei das nur, wenn es gut begründet sei, während Aktivist_innen ihre Überzeugungen nicht begründen müssten, wurde gesagt. An dem Punkt hatte ich den Eindruck, dass die Diskussion erheblich ins Schwimmen geriet. Natürlich müssen Aktivist_nnen ihre Meinung und Forderungen begründen, sonst hört wirklich niemand zu, und mehr als Preaching to the Converted kommt dabei nicht raus. Auf der anderen Seite wäre nicht schwer, zig Beispiele von Journalismus zu finden, bei denen die (belegte) Begründung für Behauptungen fehlt.

Irgendwie wird von der Annahme ausgegangen, dass Journalist_innen in der Lage seien, genügend Distanz zum Thema ihrer jeweiligen Arbeit zu bewahren, während Aktivist_innen das nicht könnten, oder wollten. Die Distanz werde erkennbar in eingefügten Sätzen, die die eigene Position erläutern: „Der Autor hat die Demonstration angemeldet“ wurde gestern als Beispiel genannt. In der Form halte ich das für ziemlichen Quatsch, muss ich sagen. Es ist natürlich nicht schlecht, sogar wünschenswert, dass erkennbar ist, in welchem Verhältnis Autor_innen zu ihrem Thema stehen. Aber das ein paar Sätze die entscheidende Trennlinie zwischen Journalismus oder kein Journalismus ziehen, löst das Problem nicht.

Und wenn Journalist_innen über Medien, über Journalist_innen und ihre Situation in den Medien schreiben jenseits von der puren Faktenauflistung, dann sind sie eher Medienaktivist_innen. Medienjournalismus könnten es eigentlich, der Idee des reinen Journalismus folgend, gar nicht geben. Ich denke, dass es ihn schon gibt, aber ich denke ja auch, dass die Definition von Journalismus gründlich erneuert werden müsste.

Es gibt beim unabhängigen, oder Bürgerjournalismus, genauso wie bei Blogger_innen wie eben auch im klassischen Journalismus Beiträge mit journalistischer Qualität. Bei allen drei geht nicht im die Form, sondern um den Inhalt: erkenne ich, wann es sich um möglichst sachliche Beschreibungen handelt und wann um Kommentar? Werden mir unterschiedliche Meinungen zum Thema präsentiert? Werden Quellen belegt?

Und damit ist Journalismus nicht durch den Ort der Veröffentlichung definiert, sondern durch die Qualität des Textes (Beitrags). Wie ich vor zwei Tagen schon schrieb: mir ist bewusst, dass das problematisch ist, weil die Funktion von Journalismus als Kontrolle von Regierungen und Parlamenten aktuell überhaupt nicht unterschätzt werden kann. Aber genauso, wie sich Medien in den letzten Jahrzehnten weiter rasant verändert haben, muss sich die auch die Definition von Journalismus ändern.

Und zu Glenn Greenwald: der ist in (in der Regel) Journalist, wenn er die Leaks von Edward beschreibt und einordnet. Beim 30C3 war er Aktivist. Es ist ja nicht mal kontrovers, dass er auch früher schon Aktivist war und dann erst Journalist wurde. Warum ist das jetzt plötzlich ein Problem?

 

Update: Ich vergaß den Disclaimer, dass ich, gemeinsam mit vielen anderen, 2001 an der Gründung von Indymedia in Deutschland beteiligt und dort bis 2007 teilweise aktiv war.
Und wurde darauf hingewiesen, dass aus dem Text herausgelesen werden könne, ich sei der Meinung, Blogger_innen seien eitler als Journalist_innen. So war das natürlich nicht gemeint!

Foto: svxx via photopin CC-BY-NC-ND-Lizenz