Aus dem feministischen Bilderbuch: Medien und Frauen

lemon-medium_6893264486Mir ist vor einigen Monaten etwas passiert, dass in sovielen Aspekten direkt aus dem Bilderbuch kommen könnte, dass ich mich entschieden habe, es exemplarisch aufzuschreiben. Eine Geschichte über den Umgang mit Frauen in den Medien.

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob es richtig und klug ist, das öffentlich zu dokumentieren: in diesem Fall hatte ich mit einer Autorin und einer Redakteurin zu tun, und möchte ich die öffentlich in die Pfanne hauen? Eigentlich nicht. Möchte ich denjenigen Futter liefern, die jedes feministische Argument damit wegwischen, dass Frauen ja auch nicht besser seien? (In meiner Variante von Feminismus ist eh die Grundannahme, dass weder Männer noch Frauen besser als die jeweils anderen sind). Möchte ich nicht, aber ich möchte andererseits auch, dass Frauen im Fernsehen genauso oft und selbstverständlich als Expertinnen vorkommen wie Männer. Um das zu erreichen, scheint mir nötig, Erlebnisse wie dieses zu dokumentieren.

Irgendwann letzten Herbst erreichte mich eine E-Mail einer Journalistin, die Andrej Holm angeschrieben hatte, weil sie ihn für eine Sendung über Datenschutz einladen wollte. Er hatte nicht reagiert und so bat sie mich, den Kontakt herzustellen. Es kommt in unregelmäßigen Abständen vor, dass Journalist_innen von Andrej keine Rückmeldung bekommen oder erst gar nicht versuchen, ihn im Netz zu finden und es dann über mich versuchen. Das begeistert mich mäßig, mir reicht eigentlich mein eigenes Mail-Aufkommen. Es ist auch nicht schwierig, seine Kontaktdaten zu finden. Ich habe ihm diese Anfrage – wie immer – weitergeleitet, und er antwortete ihr wie immer in solchen Fällen: er ist der Meinung, dass sein Fall ausreichend medial dokumentiert ist, er hat mehr als genug mit Anfragen zu seinem eigentlichen Thema zu tun (Gentrifizierung) und verweist darauf, dass ich mich mit dem Thema inhaltlich viel mehr beschäftige, gleichermaßen von Überwachung betroffen war und deswegen die bessere Alternative sei.

Reaktion der Journalistin: ich hätte auf die Anfrage ja nicht reagiert, aber ob ich denn bereit wäre, seinen Part zu übernehmen? Bei mir war nur die Bitte angekommen, ob ich Kontakt zu Andrej herstellen könne. Selbstverständlich reagiere ich nur auf Anfragen, die mich betreffen.

In derselben Mail stand auch, dass der erste eingeladene Gast mich auch schon für die Sendung empfohlen hatte. Und so, nach der Empfehlung von zwei Männern, wurde ich also eingeladen.

Wir haben dann zur Vorbereitung der Sendung telefoniert. Während des Telefonats war mir wichtig zu klären, dass ich nicht lediglich als Betroffenene von Überwachung vorkommen möchte, sondern gleichberechtigt zum ersten Gast als Expertin zum Thema Datenschutz und Überwachung. Ich hatte den Eindruck, dass die Journalistin nicht völlig von der Idee überzeugt war. Nicht überraschend, wenn sie mich bis dahin überhaupt nicht kannte – soweit konnte ich das gut verstehen. Nachdem ich aber ja von Gast 1 empfohlen worden war, seit vielen Jahren zum Thema der Sendung schreibe und in dem Bereich auch arbeite, hat sie zugestimmt und mir garantiert, dass auch ich als Expertin eingeladen sei.

Dazu muss ich sagen, dass ich es ausgesprochen unangenehm finde, mich derart anzubiedern und explizit etwa den Status ‚Expertin‘ einzufordern. Mir hätte gereicht, wenn wir uns darauf geeinigt hätten, dass ich nicht nur über meine individuelle Erfahrung spreche, sondern auch allgemeiner zu den aktuellen Fragen rund um die Themen Datenschutz und Überwachung.

Unter dieser Voraussetzung habe ich zähneknirschend zugestimmt, für ein Honorar von 150 Euro quer durch die Republik zu reisen und mir dafür auch einen (besser bezahlten) Arbeitstag ans Bein zu binden. Ich fand (finde) das Thema wichtig und die Aussicht, eine einstündige Sendung zum Thema für’s öffentlich-rechtliche Fernsehen zu produzieren, sinnvoll.

Die Vorbereitung der Sendung wurde einigermaßen umfangreich: es wurde gefragt, ob ich aus Verfahrensakten vorlesen könne, was ich sicherheitshalber mit Anwält_innen klären musste. Es ist in Deutschland u.U. strafbar, aus solchen Akten zu zitieren, auch den eigenen. Ich habe mehrere Anwält_innen gefragt und dazu auch unterschiedliche Antworten bekommen. Ich habe zur Vorbereitung mehrere Stunden lang Akten gelesen, um die gewünschte Authentizität herstellen zu können. Ich bekam eine DVD mit Einspielern, die während der Sendung gezeigt werden sollten, und wurde gebeten, sie zur Vorbereitung anzusehen, außerdem den geplanten Ablauf der Sendung mit den Fragen, die mir gestellt werden sollten.

Die Sendung selbst wurde dann in einem Studio in einem Durchlauf aufgezeichnet. Gast Nr. 1 war bis Minute 44 der einstündigen Sendung alleiniger Gesprächspartner der beiden Moderator_innen, hatte Raum, sich selbst, seine Arbeit und seine Expertise vorzustellen. Mein Part begann nach einem Einspieler ab Minute 46, gemeinsam mit Gast 1, der mit mir die restliche Sendezeit bestritt.

In den Fragen an mich ging es um mein Erleben von Überwachung. Von den ‚Fach-Fragen‘ blieb eine übrig.

Ich war nach dem Ende der Aufzeichnung ziemlich perplex. Es war genau das eingetreten, was ich vermeiden wollte und weswegen ich das auch extra im Vorgespräch besprochen hatte: ich kam, mit Ausnahme einer Frage, ausschließlich als Opfer vor.

Ich habe diese Rolle oft gehabt, es gehört zu meinem Leben, dass ich die Geschichte erlebt habe und ich habe an sich auch nichts dagegen, sie zu erzählen, im Gegenteil. Ich halte es für wichtig, dass solche Geschichten im öffentlichen Bewusstsein bleiben und ich wünschte, es gäbe mehr Betroffene, die mit ähnlichen Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen. Nur: ich bin nicht nur Opfer, ich bin nicht nur die Partnerin von Andrej Holm. Ich habe zum Thema mehr zu sagen als das. Es ist nicht akzeptabel, neben einem als solchen präsentierten männlichen Experten auf die Opferrolle reduziert zu werden und (fast) nur dazu etwas sagen zu dürfen, in einer Sendung, die eine Stunde dauert.

Ich habe das der Autorin und der Redakteurin hinterher auch gesagt. Beide waren ziemlich überrascht, dass ich mit der Sendung überhaupt nicht zufrieden war und mein Eindruck war, dass es ihnen durchaus leid tat, dass mich das geärgert hat.

Ich frage mich, was ich noch hätte tun können, um zu vermeiden, dass es so abläuft. Ich fand schon nicht einfach, das Problem im Vorfeld überhaupt anzusprechen und so darauf zu drängen, dass ich auch inhaltlich etwas betragen könnte. Faktisch ging es mir während der laufenden Sendung so, dass ich mich bei einzelnen Punkten besser auskannte als der Experte, oder zumindest als das, was er in dem Moment gesagt hatte.

Ich habe mir den geplanten Sendeablauf hinterher nochmal angesehen und erkannt, dass sich das Problem auch in den Planung schon abzeichnete: Geplant war, dass ich ab Minute 40 auftauche. Nun bin ich keine geübte Sendeplan-Leserin und habe manchmal auch noch anderes zu tun. Selbst wenn es mir aufgefallen wäre: die Fahrkarten und das Hotel waren gebucht, und ich bekam den Plan sechs Tage vor der Sendung. Hätte ich nach anderthalb Monaten Planung absagen sollen, weil ich nur 20 Minuten statt 30 eingeplant war? Kaum. Aber ich hatte das eben auch gar nicht gesehen, sondern mich auf den Inhalt und die Fragen konzentriert.

Mir wurde dann, nachdem ich allen Beteiligten hinterher beim Essen meinen Ärger mitgeteilt hatte, noch ein Interview für die Sendungsseite angeboten. Der Experte kokettierte: „Oh! Habe ich wieder zuviel geredet?“ Das Interview wurde später telefonisch geführt, und war auch eine eher ernüchternde Erfahrung: aus einem längeren Telefonat, das offenbar nicht aufgezeichnet und (teilweise) transkribiert wurde, schrieb die Autorin ein Interview, das jede Menge Fehler enthielt. Mir wurden Sätze in den Mund gelegt, die ich nie sagen würde. Ich bin mit Interviews an sich nicht pingelig, würde ich sagen, aber „Nicht chatten, sondern stattdessen seine E-Mails verschlüsseln“ würde mir aus verschiedenen Gründen nicht über die Lippen kommen, und das ist nur ein Beispiel von vielen. Für eine ausführliche Überarbeitung war kaum Zeit, es musste am nächsten Tag fertig sein. Zurückziehen oder zähneknirschend zustimmen? Ich habe die hastig überarbeite Fassung dann abgenickt. Wie gesagt, ich bin keine Freundin des Zwangs der Autorisierung, aber in dem Fall war sie nötig.

Die zugesagten Links zu meiner Arbeit auf der Sendungs-Homepage fehlen; das „Interview“ ist auch erst nach zwei Klicks zu erreichen.

Für mich ist das Ganze eine Erfahrung wie aus dem feministischen Bilderbuch: ein Mann als Experte, eine Frau als Opfer und Illustration des bisher Gesagten. Trotz ausführlicher Absprache im Vorfeld ändert sich an diesem stereotypen Ablauf nichts.

Mir geht es, wie gesagt, nicht darum, die Verantwortlichen zu denunzieren. Aber um am offenbar fest einzementierten Frauenbild der ‚alten‘ Medien etwas zu ändern, ist der erste Schritt, über solche Erfahrungen zu reden.

Bild: ‚Ajnagraphy‘ via photopin, CC-BY-ND-Lizenz

32 thoughts on “Aus dem feministischen Bilderbuch: Medien und Frauen

  1. Vielen Dank für diesen erschreckenden Beitrag über die tiefen Wurzeln gesellschaftlich verankerten Sexismus!

  2. Sorry: Bullshit.
    Tendenziel alles nachvollziehbar, auch der Ärger, aber ich lese da zwischen den Zeilen viel Empörung, dass du -ausgerechnet- neben einem Mann so zu kurz gekommen bist. Es War dir ja auch wichtig klar zu stellen, dass du mehr Ahnung hast, was a) vermutlich subjektiv ist und b) in diesem Kontext für keinen nachvollziehbar. Darf ich davon ausgehen dass du dich nicht du empören würdest wenn der andere Experte eine Frau gewesen wäre? Danach klingt zumindest manches was du schreibst. Und solange die feministische Ideologie den Mann immer noch als Feindbild begreift und es Vorallem darauf ankommt, sich vor einem anderen Geschlecht und nicht vor einem anderen Menschen zu beweisen, solange wird auch Sexismus existieren. Und sei es nur unter anderem Vorzeichen. Wenn jeder, der sich irgendwann man von irgendwem übervorteilt fühlt gekränkt einen blogpost verfassen würde um seinen stolz zu reparieren kämen wir zu nichts anderem mehr.

    Sexismus überwindet man nicht mit diesem klein-klein. Stattdessen muss es um Entspannung gehen und nicht um verhärtete Fronten und Grabenkriege. Und beleidigt sein weil man sich neben jemandem vom andren Geschlecht zu kurz gekommen fühlt ist halt auch nur Sexismus.

    • Vielleicht hast du ja einen anderen Text gelesen als ich, aber was du schreibst findet sich darüber nicht wieder. Evtl. nochmal lesen. 😉
      Und deine Interpretation ist noch dazu frech und überheblich…also wäre wenn sie nicht völlig aus der Luft gegriffen wäre.

      Ist aber natürlich auch praktisch immer dann Contenance zu fordern, wenn sich eine Frau äußerst, oder?

      PS: Auf den überaus ungalanten Stil deiner schlechten Rabulistik („Sorry:“ .< lol) geh ich jetzt im weiteren nicht ein. IMO: Erspar am Besten allen Beteiligten (dir) weiteren Bezug. 😉

    • @vinter:
      Unterstellung Nr. 1: Ihre Kompetenz sei nur behauptet, nicht nachvollziehbar und deshalb nicht gegeben.
      Unterstellung Nr. 2: Empörung sei nur deshalb da, weil der Experte ein Mann war.
      Unterstellung Nr. 3: Begreifen des Mannes als Feindbild
      Unterstellung Nr. 4: Streben danach, sich vor anderem Geschlecht als etwas Besseres darstellen zu wollen.
      Unterstellung Nr. 5: Beleidigt sein wegen gekränktem Stolz.
      Unterstellung Nr. 6: Mit diesem Beleidigtsein für verhärtete Fronten und Sexismus sorgen.

      Das ist billigstes Spieß umdrehen, dümmstes Projizieren der eigenen unhinterfragten Überzeugungen auf die Menschen, die es wagen, auf genau die Missstände aufmerksam zu machen, die man(n) selbst nicht sehen will und in denen man(n) sich bequem eingerichtet hat. Leicht zu durchschauen für die, die sehen können. Diese Art von Reaktionen kommen immer und immer wieder vor bei Menschen, die noch weit davon entfernt sind, ihre eigenen Verhaltensweisen und Überzeugungen zu hinterfragen geschweige denn die verwurzelten Ursachen des Sexismus in dieser Gesellschaft zu erkennen. Weil sie selbst Teil der Ursache sind und somit zum Erhalt beitragen. Einen besseren Beweis, dass es genau so ist wie im Artikel aufgezeigt, hätte dieser Kommentar nicht liefern können.

    • Tag. Nicht ganz die feine Art, einen Text als erstes mit ‚Bullshit‘ zu kommentieren, nicht wahr? Solltest du dich also wieder mal hierher verirren: mäßige dich ein bisschen.

      Im übrigen: du kannst natürlich annehmen was du willst („Darf ich davon ausgehen dass du dich nicht du empören würdest..“), aber das wird dadurch nicht richtiger. Vom Feindbild Mann ist hier nicht die Rede. Du projizierst irgendwelche Probleme, die du hast, in meinen Text. Schreib am besten deine eigenen, anderswo, aber unterstelle mir keine Sachen, die da nicht stehen.

      Und dass du oder irgendwer sonst zu nichts kommt, weil ich diesen Text geschrieben habe: der Logik kann ich nicht recht folgen. Oder höre ich da die alten Herrschaften? „Wo kämen wir denn hin, wenn das alle machen würden!“

      Ich fände super, wenn das alle machen würden. Dann würde sich vielleicht endlich mal was ändern.

  3. So wie ich es verstehe, war für die „Opferrolle“ doch eigentlich Andrej Holm vorgesehen; der „stereotype Ablauf“ war also zumindest nicht ursprünglich vorgesehen. Dass die Rollenverteilung Experte/Opfer auf einem einzementierten Frauenbild der Verantwortlichen beruht ist daher nur eine Mutmaßung, und die Tatsache, dass ursprünglich ein Mann für die Rolle vorgesehen war, spricht eher dagegen.

    Davon unabhängig ist es natürlich sehr ärgerlich, dass die Absprachen nicht eingehalten wurde.

    • Ich hab fast das gleiche geschrieben, lustig. Das ist immer ein kleines Problem, wenn die Moderation der Freischaltung vorausgeht. Man kann nicht so gut auf andere Kommentare reagieren.

      • Ursprünglich war das so, richtig. Der Sendeplan ist allerdings erst viel später entstanden, oder jedenfalls erst sehr viel später bei mir angekommen. Die Absprachen gab es vorher. Möglicherweise hätte das eingeplante männliche Opfer ähnlich wenig Platz bekommen. Nur: wenn besprochen ist, dass der zweite Gast, also ich, nur bereit ist zu kommen, wenn nicht nur Platz für die Opferrolle ist, dann sehe ich da Geschlechterrollenstereotypen. Wir wissen ja alle nicht, was passiert wäre, wenn ein mögliches männliches Opfer entsprechendes gefordert hätte.

      • Du schreibst selbst, dass wir es nicht wissen, warum also unbedingt von Sexismus ausgehen? Mich würde es jedenfalls nicht überraschen, wenn auch Absprachen mit Männern auf diese krasse Weise missachtet werden. Dass Männern oft höhere Kompetenzen in bestimmten Sachgebieten zugetraut werden (zumindest unterbewusst), würde ich gar nicht bestreiten, aber gerade in so einem krassen Fall wie deinem würde ich vermuten, dass ein anderer Faktor mit reinspielt, einfach weil man der Redaktion ziemlich unrecht tun könnte, wenn man offenem Sexsmus annimmt. Wie (weiter unten) gesagt, könnte ich mir ganz gut vorstellen, dass die Redaktion Experten vorzieht, die „unbefangen“ sind, also gerade nicht aus der Perspektive des Betroffenen sprechen.

      • Mal davon abgesehen, dass ich die Vokabel Sexismus hier gar nicht benutze, sind das alles Hypothesen. Kann sein, kann nicht sein. Ich beschreibe das, was passiert ist und stelle Fragen.

        Wenn stimmte, was du jetzt wiederholt in den Raum stellst, also dass kein Opfer in der Sendunng sein sollte, dass gleichzeitig Expertin ist, hätten sie mich ja einfach nicht einzuladen brauchen, nicht? Zeit war noch genug.

      • Ich bin ja auch der Meinung, dass die dich – auf gut deutsch gesagt – verarscht haben. Die hätten besser kommunizieren müssen, was für ein Format denen vorschwebt. Aber im Prinzip macht die Zweiteilung Theorie & Anschauungsbeispiel (vertreten durch Experten & Opfer) schon Sinn. Mit „es soll kein Opfer in der Sendung sein“ hast du mich falsch interpretiert.

  4. Danke für diesen wichtigen und ernüchternden Artikel. Solche Erfahrungen sollten wirklich öffentlich gemacht werden, gerade weil man daran sieht, wie viel noch zu tun ist.

    Mein Vorredner hat anscheinend den Beitrag nicht wirklich gelesen oder verstanden bzw. ihm ist Problem des strukturellen Sexismus nicht geläufig.

  5. @Vinter: dann mache ich doch mit dir mal dasselbe; Sorry Bullshit! Denn du hast offensichtlich den Text nicht gelesen oder einfach nicht verstehen wollen. Wie genau würdest du dich fühlen, wenn du ständig nur als illustratives Opfer statt als Experte geladen würdest bei etwas, wovon du auch „fachlich viel verstehst“. (Was auch immer Expert*in eigentlich heißen soll, lass ich hier mal völlig undiskutiert.)

    Dieser Text ist der Prototyp einer ziemlich ruhigen Wiedergabe des Erlebnisses, den Grabenkrieg versuchst du zu produzieren, indem du dich selbst einfach mal empört angegriffen fühlst. Insofern gebe ich dir deinen eigenen Rat: Es muss um Entspannung gehen, also entspann dich! und lies den Bilderbuch-Text nochmal.

    @Annalist: Ich verstehe total, dass sich da die Frage wieder quer ins Hirn steckt von „was hätte ich dagegen tun können?“.. Aus reinem self-care-Aspekt, versuch’s vielleicht einfach nicht, sondern stell solche „wenn sie mich zu diesem Thema einladen, dann nur genau dann, wenn…“-Liste auf deine Homepage, damit du immer wieder darauf referenzieren kannst. Vielleicht mit so ein zwar handfesten Zahlen von „stellen sie mir mindestens drei Expertinnenfragen“, damit du hinterher sagen kannst, was falsch war. Den Journalist*innen (gerade im Öffentlich-Rechtlichen) das im Großen klar zu machen, halte ich mittlerweile (vorerst) für aussichtslos :((

  6. Ich kann deinen Ärger über die Situation gut verstehen. Es nervt, dass das immer wieder so abläuft. Da sind Frauen in den Medien schon zahlenmäßig unterrepräsentiert und wenn sie mal vorkommen, werden sie in Randrollen gedrängt und auf das „subjektive“ reduziert, während Männer als „objektiv“ und autoritativ dargestellt werden.
    Leider weiß ich auch nicht, was du anders hättest machen können, um das zu vermeiden. Für mich klingt es so, als ob du dir echt schon viel Mühe gemacht hast um auf eine sinnvolle, gleichwertige Einbindung deiner Expertise hinzuarbeiten. Ganz zu schweigen, von dem Aufwand, den du in die Vorbereitung gesteckt hast.
    Ich hoffe du lässt dich von dieser Erfahrung nicht allzu sehr abschrecken und versuchst bei passender Gelegenheit trotzdem wieder deine Fachkenntnisse in den traditionellen Medien einzubringen.

  7. Sorry Vinter,

    aber dein Kommentar ist großer Unsinn. Anne Roth hat hier auf einer ruhige und entspannte Art und Weise einen einige Monate zurückliegenden Vorfall geschildert, welcher Beispielhaft für die unterschiedlichen Maßstäbe steht mit denen Frauen* und Männer* im Medienbereich anscheinend immernoch behandelt werden.

    Ihr ging es eben NICHT um den persönlichen Stolz, wie sie es auch immer wieder betont und weswegen sie eben auch keine Namen nennt. Denn ihre Absicht ist es eben nicht einzelne Personen anzugreifen sondern ein strukturelles Problem zu illustrieren.

    Das Anne Roth in diesem Bereich auch ansich sehr kompetent ist, wird nach nur sehr kurzer Beschäftigung mit ihrer Arbeit sehr offensichtlich und hätte von den Redakteurinnen erkannt und genutzt werden sollen. Insbesondere nachdem diese darauf hingewiesen wurden.

    Artikel wie dieser können dazu beitragen, dass sich an diesem Zustand etwas ändert. Hoffentlich schreiben noch weitere Menschen ihre Erfahrungen auf und hoffentlich werden sie viel gelesen und beachtet.

  8. Ich würde Vinter in einer gewissen Hinsicht zustimmen: Es ist nicht gesagt, dass diese unglückliche Sendungsplanung mit den beteilgten Geschlechtern zu tun hatte. Möglich ist das natürlich, aber vielleicht hatte die Redakteurin einfach von vornherein einen festen Frame im Sinn (Experte plus Betroffener). Wer weiß, vielleicht wäre es Andrej genauso ergangen, und er hätte ebenfalls diese Opferrolle spielen müssen.

    Möglicherweise wollten sie auch keine Experten, die „befangen“ sind. Das hätte man dir gegenüber allerdings kommunizieren können.
    Und es ist natürlich arrogant und nicht zu entschuldigen, dass die dir gegebenen Versprechen nicht eingehalten wurden.

    • Möglich und „nicht gesagt“ und „wer weiß“ ist ja jederzeit fast alles. Da können wir uns endlos in Interpretationen ergehen, welche Freude!
      Wenn allerdings die gleiche Situation in Spielarten immer, immer und immer wieder auftaucht, erkennen aufmerksame BeobachterInnen ein Muster. Darum geht es hier.

      Interessanterweise ruft das Deuten auf ein solches Muster jedes Mal eine Ladung Musterleugner auf den Plan, die den unbedingten Drang verspüren, es nicht sehen zu wollen – und die Situationen mit allerlei Annahmen und Gedankenspielen auf zufällige Einzelfälle zurückzuinterpretieren. Wieso?

      • Ja, ich sehe in deinem Kommentar z.B. folgendes Muster:
        „aufmerksame BeobachterInnen“
        „Musterleugner“

        -> Positiv konnotierte Begriffe werden geschlechtsneutral gegendert, negativ konnotierte dagegen im generativen Maskulinum belassen. Kann man immer wieder beobachten.

        Leider kann man von einem Muster, das nur in einer Vielzahl von Ereignissen (stochastisch) sichtbar ist, nicht auf den Einzelfall schließen.

      • Stefan, hier gilt das gleiche: ich weigere mich, Projektionsfläche für irgendwas zu sein. Dieser Kommentar hat nichts mehr mit dem Inhalt des Artikels zu tun, und „kann man immer wieder beobachten“ bezieht sich ganz sicher nicht auf meine Texte. Mehr davon schalte ich nicht frei.

  9. Ah, Missstände die man(n) nicht sehen will. Als nächstes versuche ich meine Privilegien zu wahren, die ich als weißer, heterosexueller Mann habe, indem ich im Internet kritische Antworten auf feministische Artikel schreibe. Was aber, wenn ich transgender, schwarz und homosexuell bin? Oder eine Frau? Ist es eigentlich sexistisch, aufgrund meiner Meinung zu unterstellen, ich wäre männlich?

    Tut mir ja leid, aber einmal in einer Fernsehsendung zu sitzen und dann wenn die Redezeit nicht exakt 50:50 beträgt die Sexismuskeule zu schwingen ist halt billig. Ich Frage mich, wäre dieser Text auch entstanden wäre das Redepensum umgekehrt gewesen? Wohl kaum.
    Ebenso sicher: Hätte ein Mann diesen Text mit den selben Argumenten verfasst, der Shitstorm in der feministischen Blogosphäre wäre bereits am überkochen.

    Sexismus geht Hand in Hand mit Doppelmoral und Sexismus funktioniert in zwei Richtungen. Solange diese beiden Dinge nicht aus der Welt geschaffen sind, wird sich das Problem nicht lösen – Es sei denn natürlich, man ist damit zufrieden, das Vorzeichen einfach nur umzukehren und es dann ausgleichende Gerechtigkeit zu nennen. Das wäre MIR als Verfechter der Gleichberechtigung allerdings zu wenig….

    Und solche Nebenschauplätze (so sie denn überhaupt welche sind. Man kann sicherlich in alles Sexismus reininterpretieren wenn man nur böswillig genug ist) fördern halt nicht grade ein konstruktives Klima. Deswegen: Entspannt euch.

    • Völlig egal, was für ein Tier du bist. Deine Worte sprechen für sich und offenbaren deine Geisteshaltung. Da kannst du schreiben was du willst, du bist durchschaut.

      • Ah durchschaut bin ich? Das macht nichts, immerhin entlarvst du dich selbst ebenfalls recht deutlich. Die Konfrontation mit dem eigenen Sexismus muss unangenehm sein, wenn man sich selbst für Anti-Sexistisch hält. Was soll ich auch anders sein als ein Mann, schließlich gebe ich negatives Feedback. Ich nenne sowas zwar schlicht heuchlerisch, aber bitte, das war im Grunde auch meine Erwartungshaltung.

        Aber auch ansonsten ist der Diskussionsverlauf typisch. Der Kritiker soll bitte gehen und nicht mit seinen Ansichten stören. Wir wollen hier ungestört unsere Ideologie ausleben, da sind Gegenargumente so lästig. Mit Fundamentalisten kann man halt nicht diskutieren, schon gar nicht, wenn man die Widersprüche in der Ideologie aufzeigt.

        Viel Spaß noch beim Moralaposteln.

      • Du kritisierst nicht, du stellst hier Windmühlen in den Raum und bekämpfst die dann. Ich werde weitere entsprechende Kommentare von dir nicht freischalten: sie haben nichts mit meinem Text oder meinen sonst nachlesbaren Positionen zu tun und sind ausreichend pampig, um anderen das Kommentieren zu verleiden. Das wirst du womöglich als Zensur beschreien wollen, aber wenn dich das überkommt, bedenke bitte, dass dies hier mein Blog ist und keine Plattform, die sich zum Programm gemacht hätte, dass hier alle alles loswerden können, was sie immer schon mal sagen wollten. Dazu könntest du ein eigenes Blog starten.

  10. Ich war ja ziemlich gespannt auf die Sendung und habe mir – nachdem ich den Originalsendeplatz zunächst verpasste – extra einen konzentrieren Moment herausgesucht, um sie zu sehen. Aus den kurzen Bemerkungen von Anne im Vorfeld wusste ich ja, dass sie nicht zufrieden mit dem Ergebnis war, aber was dann kam hat mich doch sehr geschockt.
    Das Sendeformat strahlte so durch und durch eine konservativere Atmosphäre aus, dass es mir kalt über den Rücken lief. Abgesehen von der feministischen Perspektive (falls eins davon absehen kann) war der Ablauf so erschreckend laaaannnnnggggatmig. Eben dieses öde „die Unbedarften fragten die weisen Männer“-Spiel. Welche Zielgruppe soll das denn begeistern, wenn ich schon die 50+ bin?

    Mehr Anne hätte der Qualität der Sendung gutgetan.
    (und auch der Spannung bzw. dem Unterhaltungsfaktor und den mag ich auch ganz gern)

  11. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Anne im Fernsehen

  12. „Ich frage mich, was ich noch hätte tun können, um zu vermeiden, dass es so abläuft.“

    Ich weiß natürlich nicht, was ausgebuffte Medienprofis dazu sagen können, aber ich vermute mal, dass man da relativ machtlos ist. Gerade die Forderung nach angemessener Beteiligung an den Inhalten ist ja durchaus heikel. Ich könnte mir aber vorstellen, dass du mit dieser Veröffentlichung auf deinem Blog ein recht effektives Mittel nutzt, leider nur im Nachhinein, aber immerhin. Das erhöht den Druck auf die Redaktionen – sie haben nicht mehr die Deutungshoheit, sondern müssen sich auf negatives Feedback einstellen.

    „Faktisch ging es mir während der laufenden Sendung so, dass ich mich bei einzelnen Punkten besser auskannte als der Experte, oder zumindest als das, was er in dem Moment gesagt hatte.“

    Falls du es nicht schon im Interview gemacht hast: du könntest die Aussagen des Experten in einem Blogartikel kommentieren und dich damit als Sachverständige präsentieren. Ist zwar auch nur im Nachhinein, aber vielleicht erreichst du damit die Redaktionen.

    „[…] aus einem längeren Telefonat, das offenbar nicht aufgezeichnet und (teilweise) transkribiert wurde, schrieb die Autorin ein Interview, das jede Menge Fehler enthielt. Mir wurden Sätze in den Mund gelegt, die ich nie sagen würde.“

    Ich bin mal über folgende Empfehlung gestolpert: Man lässt sich zusichern, dass man das gesamte Interview selbst aufzeichnen und auf seinem Blog veröffentlichen darf.

  13. Ich hatte mich auch gefragt, wie’s abgelaufen wäre, wenn Andrej Holm tatsächlich dabei gewesen wäre. Man kann freilich nur Mutmaßungen anstellen.
    Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass er dann mehr Platz in der Sendung gehabt hätte, und einen etwas anderen: so ziemlich der, der dir vorschwebte…
    Für dich ist es sicher sehr ärgerlich, gerade da du offenbar reichlich Aufwand getrieben hast.

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