Keine Ausreden mehr für Männerüberhang

screenshotEs gibt sie endlich: die Speakerinnen-Liste. Eine Website mit Datenbank, über die Expertinnen für Konferenzen, Podien, Talkshows gefunden werden können.

Dickes DANKE! an die Berliner Rails Girls Gruppe, die das Projekt ganz in Ruhe und ohne Wirbel als Lernprojekt geplant und umgesetzt hat.

Viele zählen die Verteilung von Männern und Frauen auf Bühnen und ärgern sich über die häufig langweilig mit ähnlichen weißen deutschen Akademikern besetzen Veranstaltungen. Wenn Veranstalter_innen darauf hingewiesen werden, dass sie 60, 80, 100 Prozent Männer eingeladen haben, erklären viele, dass sie eben keine Frauen kennen oder gefunden haben, die zum Thema etwas hätte sagen können. Oder fordern auf, doch welche zu benennen, die so gut und kompetent über Thema XY reden können. Kann ich meistens nicht beantworten, weil ich mit den meisten Themen nicht gut genug auskenne.

Dass eine Datenbank nötig ist, ist seit langem klar.

Im IT-Bereich gab es vor Jahren mal ein ähnliches Projekt: Geekspeakr.com. Das wurde leider nicht weiter betrieben und ist inzwischen offline. Als der Netzfeminismus entstand, entstand provisorisch eine Liste mit Frauen, die zunächst über netzfeministische Themen sprechen können: Speakerinnen, vor allem von Kathrin Roenicke gepflegt.

Vor etwa anderthalb Jahren, nachdem sich bei Twitter mal wieder viele über die Besetzung einer Konferenz geärgert hatten, gab es einige Treffen und ziemlich konkrete Pläne. Die Pläne gingen baden, zuwenig Zeit, und dann gab es auch schon einige ähnliche Projekte. Da war auch schon ein Mitglied der Rails Girls dabei, und in aller Stille haben die dann einfach weitergearbeitet und mich etwa ein Jahr später kontaktiert und erklärt, sie seien jetzt fertig. Ich war ziemlich baff und habe mich enorm gefreut. Ich hatte selber in der Zwischenzeit mein Zählblog 50 Prozent gestartet, weil das weniger aufwändig ist und die reinen Zahlen als Argument auch wichtig sind.

Die neue Speakerinnen-Liste ist ungeheuer schick geworden und ist die beste Ergänzug zu meinen Zahlen. Vor zwei Tagen haben wir einige Frauen eingeladen, sich schonmal einzutragen und fast 50 haben das sofort gemacht. Heute, am 8. März, geht es los. Speakerinnen.org soll Veranstalter_innen, die oft wenig Zeit haben, erleichtern andere als die immer gleichen bekannten Namen einzuladen, sie soll Frauen ermuntern, bei einer Anfrage auch mal Ja zu sagen, auch wenn sie das Thema nicht im Schlaf herbeten können, und sie soll Mädchen und Jungen zeigen, dass Fachkompetenz nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

Ich freue mich sehr, und hoffe, dass ich nie mehr die Frage beantworten muss, welche Frau es zum Urheberecht, zu Kryptographie oder zu Verfassungsrecht denn wirklich drauf hat.

Und ich hoffe, dass sich sehr viele Frauen eintragen.
(Dort zu stehen, verpflichtet übrigens zu gar nichts)

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(Ach ja, und es ist natürlich noch nicht alles fix und fertig, wie immer, wenn was zu einem bestimmten Datum raus soll.)

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Kleine Philosophie der digitalen Sicherheit

butter-sWährend ich eben den Sonntagmorgen-Kaffee kochte und dabei nachsah, was sich über Nacht im Netz tat, stolperte ich über einen Link, den Antje Schrupp bei Facebook weitergereicht hat: “Wir sind zu faul, um nicht überwacht zu werden“, von @dasnuf. Der Impuls, SOFORT dazu bloggen zu müssen, sprang mich an noch bevor ich sah, dass ich selber drin vorkomme.

“Wir sind zu faul,..” um Tools und Methoden kennenzulernen oder zu benutzen, die das digitale Leben besser vor Überwachung schützen, bzw. der Möglichkeit, überwacht zu werden. Oder erstmal davor, dass unsere Daten eingesammelt und verkauft und ausgewertet und gerastert werden. Jeweils von Unternehmen und von Behörden. Möglicherweise. Wenn nicht jetzt, dann später.

Mir zieht sich immer alles zusammen, wenn ich mit dem Argument konfrontiert bin. Nicht, weil ich empörend fände, dass mein Gegenüber faul ist. Eine andere Variante ist, dass es so bequem ist, weil Googlemail eben irre gut funktioniert, die Google Suche genauso, weil es viel schneller geht, eine kurze Nachricht per Facebook-Chat zu schreiben oder als Twitter-DM, statt ‘richtigen Chat’. Allein die Einrichtung von Chatprogrammen – und was nehme ich da überhaupt?

Ich glaube, das erste Mal ist mir das Argument begegnet, als die Post Telefonkarten eingeführt hat, mit denen in Telefonzellen anstelle von Münzen bezahlt werden konnte. Dann die EC-Karten. Die PayBack-Karten. In meinem Leben war von Computern weit und breit noch nichts zu sehen, aber das Problem war das gleiche: es ist viel bequemer, immer die Telefonkarte dabei zu haben, weil im Zweifelsfall nicht genug Groschen im Portemonnaie stecken. (Wir befinden uns Ende der 80er Jahre). Manche fanden das schlimm. Manche fanden das total bequem.

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30C3 zum Nachgucken

cch30c3In Hamburg hat über das Wochenende der 30. Chaos Communication Congress stattgefunden, auch einfach ‘der Kongress’ genannt. Ein Kongress der Superlative, größer, großartiger, auch einfach schöner. Mich hat vor allem beeindruckt, wieviele Leute in ihrer Freizeit Dinge für den Kongress ausdenken, vorbereiten, bauen. Schöne Sachen, nur damit alle anderen einen möglichst schönen Kongress haben. Ein eigener Techno-Club für nur vier Tage, mit einer extra gezimmerten Bar, einem alten Wasserwerfer, Palmen, Polstern und irren Lichtinstallationen. Eine selbst gebauten Rohrpost, Kinder-Hack-Programm, Massagezelt und Kaffee-Nerds, die einen Kaffee herstellen, für den ich in Berlin eine Stunde fahren würde, Open-Source-Röstprofile inklusive. An jeder Ecke des riesigen Kongresszentrums was anderes zum Angucken und Freuen. Effekt: durchweg freundliche und gutgelaunte Leute. Und zwar ca. 8.500.

30c3-4chanNebenbei gab es auch noch ein Vortragsprogramm, von dem ich ein paar Sachen empfehlen wollte. Eine rein subjektive Auswahl schon deswegen, weil ich kaum Talks gesehen habe, denn schließlich können die ja auch alle hinterher als Video gesehen werden. Live ist natürlich trotzdem schöner. Hier sind:

Bullshit made in Germany, von Linus Neumann.
De-Mail, Deutschland-Net und die angebliche Sicherheit deutscher Mail- und Cloud-Services gut und witzig erklärt, samt Erläuterung, warum das auf keinen Fall benutzt werden sollte und wer damit Geld verdient.
==> Das Video

Der tiefe Staat, von Andreas Lehner
Politik und Geschichte zur Überwachung in der Bundesrepublik.
==> Das Video (habe ich nur teilweise gesehen, weil ich noch im Zug nach Hamburg saß)

THE DATABASE NATION, a.k.a THE STATE OF SURVEILLANCE, von houndbee
Mein Kollege bei Tactical Tech, Kaustubh Srikanth, beschreibt, wie die größte Demokratie der Erde, Indien, zu einem Überwachungsstaat wird – u.a., weil es wenig Widerstand dagegen gibt.
23rd of December 2008 was a sad day in India for civil liberties. On this day, The Indian Parliament passed the “The Information Technology (Amendment) Act” with no debate in the House, which effectively means is that the government of India now has the power to monitor all digital communications in the country without a court order or a warrant.
==> Das Video

Backdoors, Government Hacking and The Next Crypto Wars, von Christopher Soghoian
Law enforcement agencies claim they are “going dark”. Encryption technologies have finally been deployed by software companies, and critically, enabled by default, such that emails are flowing over HTTPS, and disk encryption is now frequently used. Friendly telcos, who were once a one-stop-shop for surveillance can no longer meet the needs of our government. What are the FBI and other law enforcement agencies doing to preserve their spying capabilities?
==> Das Video

Fnord News Show, von Frank Rieger und Fefe
Eine Einführung in Hacker-Humor, Kongress-Klassiker, sehr unterhaltsam.
==> Das Video

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Logbuch Netzpolitik zu OHM, Noisy Square, NSA, Snowden und dem Wahlkampf

Es ist NSA, und bei annalist steht .. nichts. Eigentlich müsste ich wohl täglich zweimal bloggen, wenn doch Überwachung eins der zentralen Themen dieses Blogs ist und ein Leak nach dem anderen Geschichte macht.

Ich war im Urlaub, in zwei Camps und dann.. hatte ich erstmal das Gefühl, dass die Neuigkeiten ja auf den relevanten Newswebsites standen. Es liegt mir nicht, überall meinen Senf dazu zu geben nur um auch was zu sagen. Oder jedenfalls nicht in dem Ausmaß, wie  es rundrum schon reichlich zu beobachten war. Und präsent ist es ja wirklich ausreichend.

Und da setzt jetzt, nach dem Ende meines persönlichen Sommerlochs, allmählich das Bedürfnis ein, doch was dazu zu sagen. Schalten Sie also wieder ein, hier gibt’s demnächst wieder mehr zu sehen.

Ich war gestern Gast im ‘Logbuch Netzpolitik’, einem Podcast von Linus Neumann und Tim Pritlove’ und weil der über zwei Stunden lang ist, hatte ich Gelegenheit, alles zu besprechen, was mich in den letzten zwei Wochen beschäftigt hat. Es ging um

  • das Hackercamp OHM in den Niederlanden und die Konflikte, die sich daraus ergaben, dass einer der Hauptsponsoren Überwachungstechnologie produziert und exportiert,
  • ein sehr sympathisches neues Netzwerk aus vielen Organisationen, die ein Camp im Camp gebildet haben (das Noisy Square) und die verbindet, auf unterschiedliche Weise Technologie für ‘den guten Zweck’ zu entwickeln oder bekannt zu machen. U.a. waren das EFF, IMMI, Torservers, Riseup, Fairphone, Bits of Freedom, Tactical Tech und viele andere.
  • das Neueste vom NSA, Snowden und Lavabit und das Glas eigentlich halbleer oder halbvoll ist, wenn sich in Deutschland kaum wer aufregt, aber in den anderen Ländern überhaupt nicht darüber geredet wird
  • und wie die Parteien im Wahlkampf um das Thema herumtänzeln

Hören könnt Ihr das hier Politische Reise nach Jerusalem,

Als Download gibt es das in 5 Formaten (u.a. m4a, mp3, ogg)

 

Überhaupt nicht geht es darin übrigens um Feminismus und so. Das freut auch einen Kommentator sehr

Okay, bei den Themen kann Anne ja hoffentlich nicht von Quoten, Gender und Patriarchat anfangen. :)

und damit haben wir sogar was gemeinsam. Ich rede nämlich auch viel lieber über andere Sachen, bloß leider ist die Lage ja meistens so, dass es nicht anders geht.

——————

Wer gern noch mehr von mir hören will, kann Interview mit dem WDR hören, dass ich letzte Woche zu unserer Überwachung und XKeyScore hatte:

WDR 2: Beobachtet und belauscht

 

Nächste Woche geht’s dann weiter mit dem ‘Marktplatz’ im Deutschlandfunk zum Thema “Das digitale Zuhause schützen“, und vielleicht noch einem Podcast.

 

 

 

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Autistici in Berlin – 27.1. um 20 Uhr in der c-base

ai-book-cover-webNächsten Sonntag, dem 27.1. gibt es eine besondere Veranstaltung. Autistici/Inventati stellen um 20 Uhr in der c-base ihr Buch +Kaos. 10 anni di hacking e mediattivismo (+Kaos. 10 Jahre Hacken und Medienaktivismus) vor.

Ich habe das Buch hier schon beworben, als es letzen Sommer erschien. Autistici/Inventati ist das italienische Technik-Kollektiv, das u.a. noblogs.org hostet, also die Blog-Plattform, auf der auch annalist läuft.

Im Buch wird die Geschichte des italienischen Hacktivismus erzählt, die Verbindung zu Indymedia, zum G8-Gipfel in Genua 2001, es geht um die jählichen Hack-Meetings und warum es nötig ist, eigene Technik-Infrastrukturen für E-Mail, Chat, Websites, Mailinglisten und und und zu haben, die nicht käuflich sind. Und wie sich das alles über 10 Jahre entwickelt hat, ohne Chefs und ohne Bezahlung.

Trotzdem, eigentlich gerade deswegen, kostet das alles natürlich viel Geld: bitte spendet für Autistici und damit noblogs.org und damit annalist!

Leider gibt es +kaos nur auf italienisch, es wird aber gerade ins Englische übersetzt und ein englisches Probe-Kapitel wird es nächsten Sonntag auch in der c-base geben. (Die Veranstaltungssprachen sind englisch und deutsch.)

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3sat: Freiheit fürs Internet – Vernetzt gegen die Zensur

Donnerstag zur besten Sendezeit:

Der Arabische Frühling zeigt, dass die Möglichkeiten von Bürgern, sich im Kampf gegen ihre Regierung zu verbünden, im Zeitalter des Internets besser denn je sind. Doch auch die Zensoren rüsten längst technisch auf.

http://www.youtube.com/watch?v=sB5pg2P6oFU

(Mediathek)

Mit:

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10 Jahre KAOS – 10 Jahre Medienaktivismus und Hacking

Ein Buch, das ich gern lesen würde, aber leider nicht kann, weil es italienisch geschrieben und die Aussicht auf Übersetzung eher gering ist: +kaos – 10 anni di mediattivismo e hacking.

Das Technik-Kollektiv hinter noblogs.org und damit annalist hat ein Buch über die 10 Jahre seit seiner Gründung geschrieben (und annalist ist sogar darin erwähnt, hach).

“L’esperienza collettiva di un gruppo di ragazze e ragazzi appassionati di tecnologia e comunicazione che hanno fatto proprio il motto di Primo Moroni “Condividere saperi, senza fondare poteri”.”

(Die gemeinsame Erfahrung einer Gruppe von Männern und Frauen, die sich für Technik und Kommunikation begeistern und sich das Motto von Primo Moroni zu eigen gemacht haben “Wissen teilen, ohne die Grundlage für Macht zu schaffen”)

Ihr könnt es vollständig runterladen als PDF, mobi oder ePub.

Für alle, die italienisch können und auch nur den kleinsten Faible für Hacker-Bewegungen und/oder Medienaktivismus seit 2001 haben, lohnt es sich bestimmt.

Beschrieben werden in eigenen Kapiteln der Vorlauf, also die Jahre 1990 – 2001. (2001 war mit dem G8-Gipfel in Genua eine Zäsur, die wahrscheinlich ihre Spuren bei allen Bewegunen in Italien hinterlassen hat). Hacktivismus gab es aber auch schon vorher. Dann die Jahre 2001 – 2006 mit dem bewussten G8-Gipfel, aber auch dem Europäischen Sozialforum, Problemen mit der Justiz und schließlich dem Start der Blog-Plattform Noblogs. Im dritten Teil geht es um die Jahre 2006 – 2011, wie die vorigen eingeteilt in die politische Einordnung und die Beschreibung der hacktivistischen Aktivitäten.

Im Unterschied zur eher engen Definition des Hacking in Deutschland gibt es in Italien eine breitere Interpretation. Was hier inzwischen langsam als ‘Politik-’ bzw. ‘Gesellschafts-Hacking’ akzeptiert wird, gehört dort schon immer selbstverständlich dazu. Hacken ist die intensive Beschäftigung mit allem Möglichen mit dem Ziel, es zu verstehen, auseinanderzunehmen und anders wieder zusammenzusetzen. Oder sich zumindest dazu in die Lage zu versetzen. Das hat eine ziemlich stabile Grundlage für Kooperation zwischen Techies und politischen und sozialen Bewegungen geschaffen, mit einem sehr stabilen queer-feministischen Standbein. Ein bisschen mehr davon würde ich mir hier auch wünschen.

Vielleicht gibt es ja doch mal eine Übersetzung.

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Update – FBI bringt heimlich Riseup-Server zurück (Video)

Neues vom vom FBI beschlagnahmten Riseup/May First/ECN-Server:

Erst wurde er ohne weitere Benachrichtigung mitgenommen, jetzt hat das FBI ihn heimlich zurückgestellt. Allerdings gab es inzwischen eine Kamera, die das Geschehen in der Server-Farm beobachtete. Die Aufnahme hat May First letzte Woche veröffentlicht:

Bei archive.org oder YouTube (mit adäquater Musik)

May First hat den Server inzwischen natürlich wieder aus dem Betrieb genommen und untersucht ihn aktuell.

Der EFF hat ebenfalls verschiedene neue Informationen:

Inzwischen ist klar, dass die Beschlagnahmung des Servers, auf dem ein anonymer Remailing-Service lief, m angeblichen Grund für die Beschlagnahmung nichts geändert hat. Die Uni Pittsburgh bekommt weiterhin Bombendrohungen.

Dass auf dem Server lediglich der Remailer installiert war, der keinerlei Aufschluss über die Nutzer zulässt, wusste das FBI auch schon vor der Beschlagnahmung, erklärt der EFF. Inzwischen gibt es auch den richterlichen Beschluss (PDF).

Unbegründete Beschlagnahmungen von Hardware durch das FBI und andere US-Behörden beschäftigen den EFF auch in anderen Fällen. Im März wurde das FBI verurteilt, $100.000 an den Long Haul Infoshops in Berkeley zu zahlen.

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FBI beschlagnahmt ECN-Server

Riseup hat eben bekanntgegeben, dass am Mittwoch nachmittag einer seiner Server in New York vom FBI beschlagnahmt wurde. Es handelt sich um einen Server von Europas ältestem unabhängigen Provider ECN (Italien), der in einer gemeinsamen Colocation von Riseup und May First/People Link untergebracht war. Auf dem Server lag ein anonymer Mixmaster-Remailing-Service, über den anonyme Bombendrohungen verschickt worden sein sollen. Bruce Schneier dazu: Bomb Threats As a Denial-of-Service Attack.

Riseup erklärt, dass die Beschlagnahmung eines Remailers, der per Design keinerlei Daten über seine NutzerInnen speichert, bei der Ermittlung der Bombendrohungen wenig Erfolg haben kann. Stattdessen werden viele politische und soziale Bewegungen beeinträchtigt. Auf dem Server lag u.a. die älteste italienische netzpolitischen Mailingliste (“Cyberrights”), 300 E-Mail-Accounts, 50-80 Mailinglisten und Websites von Gruppen aus Lateinamerika, der Karibik und Afrika.

Devin Theriot-Orr, Sprecher von Riseup:

“Das FBI nimmt den Vorschlaghammer und schaltet Internet-Dienstleistungen von Hunderten von Menschen ab, um einen Unbekannten zu finden. Das macht vor allem deswegen keinen Sinn, weil es  unwahrscheinlich ist, dass auf dem Server Informationen über die Quelle der Droh-Mails zu finden sind.

Wir bedauern die betroffenen Menschen an der Uni Pittsburgh, die seit Wochen mit der beängstigenden Bedrohung leben müssen. Wir lehnen diese Bombendrohungen ab. Die Beschlagnahmung des Servers wird die Bombendrohungen aber nicht verhindern. Die einzige Folge ist die Störung von E-Mails und Websites von tausenden Unbeteiligten. Das Netzwerk anonymer Remailer wird durch diese Beschlagnahmung nicht eingeschränkt.”

Reaktionen: Slashdot | Gulli | The Register | Alan Greenberg, Forbes | Pittsburgh Post-Gazette | c’t | taz | Wired | ars technica

 

Die ganze Pressemitteilung im Original:

FBI seizes server providing anonymous remailer and many other services from colocation facility.

Contacts:

  • Riseup Networks, Devin Theriot-Orr, 206-708-8740, sunbird@riseup.net
  • May First/People Link, Jamie McClelland, 917-509-5734, jm@mayfirst.org
  • ECN: Isole Nella Rete, inr@riseup.net

Attack on Anonymous Speech

On Wednesday, April 18, at approximately 16:00 Eastern Time, U.S. Federal authorities removed a server from a colocation facility shared by Riseup Networks and May First/People Link in New York City. The seized server was operated by the European Counter Network (“ECN”), the oldest independent internet service provider in Europe, who, among many other things, provided an anonymous remailer service, Mixmaster, that was the target of an FBI investigation into the bomb threats against the University of Pittsburgh.

“The company running the facility has confirmed that the server was removed in conjunction with a search warrant issued by the FBI,” said May First/People Link director Jamie McClelland. “The server seizure is not only an attack against us, but an attack against all users of the Internet who depend on anonymous communication.”

Disrupted in this seizure were academics, artists, historians, feminist groups, gay rights groups, community centers, documentation and software archives and free speech groups. The server included the mailing list “cyber rights” (the oldest discussion list in Italy to discuss this topic), a Mexican migrant solidarity group, and other groups working to support indigenous groups and workers in Latin America, the Caribbean and Africa. In total, over 300 email accounts, between 50-80 email lists, and several other websites have been taken off the Internet by this action. None are alleged to be involved in the anonymous bomb threats.

“The FBI is using a sledgehammer approach, shutting down service to hundreds of users due to the actions of one anonymous person,” said Devin Theriot-Orr, a spokesperson for Riseup. “This is particularly misguided because there is unlikely to be any information on the server regarding the source of the threatening emails.”

“We sympathize with the University of Pittsburgh community who have had to deal with this frightening disruption for weeks. We oppose such threatening actions. However, taking this server won’t stop these bomb threats. The only effect it has is to also disrupt e-mail and websites for thousands of unrelated people,” continues Mr. Theriot-Orr. “Furthermore, the network of anonymous remailers that exists is not harmed by taking this machine. So we cannot help but wonder why such drastic action was taken when authorities knew that the server contained no useful information that would help in their investigation.”

The FBI purportedly seized the server because it was hosting an anonymous remailer called Mixmaster. Anonymous remailers are used to send email anonymously, or pseudonymously. Like other anonymizing services such as the Tor network, these remailers are widely used to protect the identity of human rights activists who place themselves and their families in grave danger by reporting information about abuses. Remailers are also important for corporate whistle blowers, democracy activists working under repressive regimes, and others to communicate vital information that would otherwise go un-reported.

The Mixmaster software is specifically designed to make it impossible for anyone to trace the emails. The system does not record logs of connections, details of who sent messages, or how they were routed. This is because the Mixmaster network is specifically designed to resist censorship, and support privacy and anonymity. Unfortunately, some people misuse the network. However, compared to the rate of legitimate use, the abuse rate is very low. There is therefore no legitimate purpose for the FBI to seize this server because they will not be able to obtain any information about the sender. This is plainly extra-judicial punishment and an attack on free speech and anonymity on the internet and serves as a chilling effect on others providers of anonymous remailers or other anonymous services.

In absence of any other leads, the FBI needs to show that they are making progress in this case, and this has meant seizing a server so they can proudly demonstrate they are taking some action. But what this incident shows is they are grasping at straws and are willing to destroy innocent bystanders for the sake of protecting their careers.

About the organizations involved

MayFirst/People Link (mayfirst.org) is a politically-progressive member-run and controlled organization that redefines the concept of “Internet Service Provider” in a collective and collaborative way. May First/People Link’s members are organizers and activists who elect a Leadership Committee to direct the organization. Like a coop, members pay dues, buy equipment and then share that equipment for websites, email, email lists, and other Internet purposes.

Riseup Networks (riseup.net) provides online communication tools for people and groups working on liberatory social change. Riseup creates democratic alternatives and practices self-determination by controlling our own secure means of communications.

ECN (European Counter Network – ecn.org) is the oldest independent service provider in Europe providing free email accounts, mailing lists, and websites to organizations, activists, and movements that are involved in human rights, freedom of speech and information in Italy and Europe. ECN is anti-fascist and works towards a just and equal society. Years ago, before sites like Youtube and Vimeo existed, ECN created a platform called NGV where people could upload and share independent video of human rights violations. Nowadays ECN works primarily with anti-fascist and anti-Nazi movements in all of Europe, providing space and resources to political and social centers.

Questions / further reading

Q: Doesn’t Mixmaster/anonymous remailers enable criminals to do bad things?

A: Criminals can already do bad things. Since they’re willing to break laws, they already have lots of options available that provide better privacy than mixmaster provides. They can steal cell phones, use them, and throw them in a ditch; they can crack into computers in Korea or Brazil and use them to launch abusive activities; they can use spyware, viruses, and other techniques to take control of literally millions of Windows machines around the world.

Mixmaster aims to provide protection for ordinary people who want to follow the law. Only criminals have privacy right now, and we need to fix that.

Some advocates of anonymity explain that it’s just a tradeoff — accepting the bad uses for the good ones — but there’s more to it than that. Criminals and other bad people have the motivation to learn how to get good anonymity, and many have the motivation to pay well to achieve it. Being able to steal and reuse the identities of innocent victims (identify theft) makes it even easier. Normal people, on the other hand, don’t have the time or money to spend figuring out how to get privacy online. This is the worst of all possible worlds.

So yes, criminals could in theory use mixmaster, but they already have better options, and it seems unlikely that taking mixmaster away from the world will stop them from doing bad things. At the same time, mixmaster and other privacy measures can fight identity theft, physical crimes like stalking, and so on. (www.torproject.org/docs/faq-abuse.html)

Q: How does Mixmaster / Anonymous remailers work?

A: Anonymous remailers work by connecting to other anonymous remailers in a chain, and every one in that chain removes the mail header information making it impossible to find the real sender. The Tor project maintains a list of typical users of this and other anonymity systems, and the Mixmaster home page

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