20 Jahre Indymedia – Ein anderes Internet schien möglich

(Zuerst bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht)

«The resistance is global… a trans-pacific collaboration has brought this web site into existence.»

So begann der erste Eintrag auf einer Indymedia-Website am 24. November 1999. Indymedia ging wenige Tage vor den Protesten gegen die Tagung der Welthandelsorganisation WTO in Seattle online, und sollte die alternative Plattform für Berichte über eben diese Proteste sein. Seit einigen Jahren wuchs die Anti-Globalisierungsbewegung, die sich vor allem gegen Deregulierung des Welthandels, gegen Freihandelsabkommen und den Abbau sozialer Rechte richtete, die bei Gipfeln wie den WTO-, G7, IWF- und Weltbanktreffen verhandelt wurden. In dieser Zeit wurde Attac gegründet, und es gab einen starken Bezug zum Aufstand der Zapatistas in Mexiko, die 1996 und 1997 zu «Interkontinentalen Treffen gegen Neoliberalismus und für Menschlichkeit» eingeladen hatten. Auch in Deutschland gab es 1999 heftige Proteste gegen die EU- und  G7/G8-Gipfel in Köln: Zentrale Forderung war die Entschuldung der Länder des globalen Südens.

Parallel zum Wachsen dieser Bewegung entwickelte sich in Australien etwas ganz anderes: eine Software, die es möglich machte, schnell und ohne weitere Vorkenntnisse Texte, Bilder, Videos und Audiodateien im Web zu veröffentlichen. Eine der ersten interaktiven Web-Anwendungen mit der Möglichkeit zum «Open Publishing» war entstanden – bislang gab es weder Wikipedia noch Blogs, Social Media noch lange nicht. Wer im Netz veröffentlichen wollte, musste wissen, wie HTML-Seiten «gebaut» und wie Server administriert werden, oder musste sich auf das Usenet und erste Foren beschränken. Oder die Möglichkeit haben, auf den ersten Websites von Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen.

Open Publishing, die Möglichkeit, eigene Beobachtungen, Berichte, Meinungen einfach per Formular online zu veröffentlichen, hat die Welt der Medien auf den Kopf gestellt. Heute ist nichts selbstverständlicher, als spontan Bilder, Texte, Videoclips bei Facebook, YouTube, TikTok zu posten und per Twitter weit zu verteilen. Wer Ende der 90er etwas mitzuteilen hatte, brauchte dazu gute Beziehungen zur AStA- oder Lokalzeitung, sonst blieb nur der Leserbrief. Das war mit einem Schlag anders.

Und so setzte der erste Eintrag fort:

«The web dramatically alters the balance between multinational and activist media. With just a bit of coding and some cheap equipment, we can setup a live automated website that rivals the corporates. Prepare to be swamped by the tide of activist media makers on the ground in Seattle and around the world, telling the real story behind the World Trade Agreement.»

(Das Web verändert die Balance zwischen multinationalen und aktivistischen Medien dramatisch. Mit ein bisschen Code und etwas billigem Equipment können wir eine automatisierte Live-Website aufsetzen, die den Unternehmen Konkurrenz macht. Bereitet Euch darauf vor, überschwemmt zu werden von der Welle aktivistischer Medienmachender*innen vor Ort in Seattle und überall auf der Welt, die die wirkliche Geschichte hinter der Welthandelsvereinbarung erzählen.)

Der 24. November 1999 in Seattle

In Seattle diente die gerade rechtzeitig vor dem Gipfel fertiggestellte erste Indymedia-Website zunächst dazu, den vielen Reporter*innen, Fotograf*innen und Videofilmer*innen eine Online-Plattform zu geben, die gekommen waren, um über die Proteste zu berichten. Indymedia, Kurzform für «Independent Media Center» (IMC), war eine spontan entstandene Redaktion vor Ort, in der Material und Informationen ausgetauscht, gemeinsam bearbeitet und online gestellt wurden.

Die Notwendigkeit dazu entstand, weil Berichte über Proteste und Demonstrationen von etablierten Medien in der Regel erst veröffentlicht wurden, wenn es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam – das ist heute meist nicht anders. Über friedliche Demos, kreative Aktionsformen oder einfach die Gründe, warum Menschen auf die Straßen gingen, fanden sich viel seltener Berichte. Und wenn‘s dann doch geknallt hatte, dominierten die Erklärungen der Polizeipressesprecher*innen.

Indymedia-Websites veränderten diese Situation: Plötzlich war es nicht mehr nötig, die wenigen wohlwollenden Journalist*innen zu finden, mit Infos zu füttern und zu hoffen, dass irgendwas davon tatsächlich in der Zeitung landete. Aktivist*innen wurden zu Medienaktivist*innen, trugen Bilder und Texte zusammen und veröffentlichten sie einfach selbst.

Das IMC in Seattle war ein Riesenerfolg: Die Seite hatte in einer Woche 1,5 Mio. Besucher*innen und übertraf damit selbst CNN.

Die Indymedia-Software scheint heute banal, aber vor 20 Jahren war sie eine technische Revolution: Texte und Bilder konnten mit einfachen Web-Formularen hochgeladen und mit einem Klick veröffentlicht werden, viel schneller als jede Zeitungsredaktion. Bei Gipfelprotesten hatten die Unabhängigen Medienzentren viel mehr Material zur Auswahl: Viele Aktivist*innen lieferten Informationen, eigene Texte und Bilder, die dann zu Überblicksartikeln zusammengesetzt wurden. Wie gesagt: Es gab weder Blogs noch Facebook und selbst Wikipedia musste erst noch erfunden werden. Ich habe selbst in den ersten Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten erlebt, dass die wenigen Reporter*innen etablierter Medien im Durcheinander den Überblick verloren und schließlich im Newsroom von Indymedia anriefen, um herauszufinden, was gerade wo passierte: niemand sonst hatte annähernd so viele Leute auf der Straße.

Nach dem WTO-Gipfel in Seattle 1999 entstanden temporäre IMCs samt eigener lokaler Indymedia-Website in rasender Geschwindigkeit auf allen Kontinenten. Im Jahr 2004 gab es über 150 Indymedia-Gruppen; davon mit Abstand die meisten in Nord-, Mittel-, Südamerika und Europa und jeweils ein bis zwei Handvoll in Afrika, Asien und Australien/Ozeanien.

Der Start von Indymedia in Deutschland

Mein erster Kontakt mit Indymedia fand während der Proteste gegen die IWF-/Weltbank-Tagung 2000 in Prag statt. Auch hier gab es eine eigene Website – die erste in Europa.  Selbstverständlich hatte niemand auf der Straße in Prag Mobiltelefone oder Laptops dabei, aber um nicht nur den Rest der Welt, sondern auch die Menschen vor Ort zu informieren, gab es in Prag (so wie auch sonst später üblich) sogenannte «Print-Ausgaben». Sie enthielten Zusammenfassungen der Online-Inhalte, die in verschiedenen Sprachen an Aktivist*innen und die lokale Bevölkerung verteilt wurden.

Indymedia Deutschland entstand ein Jahr später: nach ein paar Monaten der Vorbereitung und einigen überregionalen Treffen ging der deutsche Ableger des Indymedia-Netzwerks im März 2001 mit einer eigenen Website online. Anlass war ein Castor-(Atommüll-)Transport ins Wendland. Die erste deutsche Redaktion traf sich in der Scheune eines alten Bauernhofs, Kameras waren rar und die Bilder mussten per Speicherkarte zu den Rechnern in die Scheune gebracht werden: Die Versorgung mit ausreichend Bandbreite nur für die lokalen IMC-Stationen in den Camps der Aktivist*innen erforderte noch viele Jahre monatelange Planung.

Nach dem intensiven Auftakt im Wendland begann der Alltagsbetrieb der Website de.indymedia.org, die bis heute online ist. Es gab keine ständige Redaktion, stattdessen fand  Kommunikation und Organisation über Mailinglisten, IRC-Chats und gelegentliche Treffen in verschiedenen Städten statt. Dabei zeigte sich schnell, dass Indymedia auf zwei Säulen stand, die sich in einem ständigen Spannungsverhältnis befanden: Einerseits verstand sich das Indymedia-Netzwerk als Sprachrohr progressiver Bewegungen: es entstand parallel zu Gipfelprotesten und dort befanden sich temporär auch ganz reale physische Orte, an denen Medienaktivist*innen zusammenkamen, um Gegenöffentlichkeit zu realisieren. Andererseits war es ein Projekt, für das die Grundprinzipien des freien Internets zentral waren: Offenheit, Transparenz, Kollaboration, Partizipation – und damit war per se erstmal keine spezifische politische Aussage verbunden.

Ohne sich je physisch getroffen zu haben, entwickelte das internationale Netzwerk grundsätzliche Prinzipien und Kriterien für die Mitgliedschaft neuer Gruppen im Netzwerk. Es entstanden (virtuelle) Arbeitsgruppen für die Verwaltung von Servern und Debatten über Software (die in jedem Fall freie Software sein musste), für Übersetzungen, für Diskussionen über neue Mitgliedsgruppen, Grundlagen der Entscheidungsfindung und für die Finanzen. Indymedia bekam Spenden, die größte 2002 von der Rockband Chumbawamba, die die Hälfte der Einnahmen des Verkaufs eines Songs an General Motors an Indymedia spendete – immerhin 35.000 US-Dollar. Auch die Frauen der IMC-Gruppen hatten eine gemeinsame internationale AG, die früh durchgesetzt hat, dass nur die Teil des globalen Netzwerks werden konnten, die einen angemessenen Frauenanteil in den Gruppen hatten und auch sonst auf Diversität achteten.

Alle Entscheidungen wurden im Konsens getroffen, es gab für alles ein Veto-Recht und damit war alles nur möglich, wenn alle einverstanden waren. Ein gigantisches Internet-Demokratie-Projekt, das mit denselben Schwierigkeiten kämpfte, die das Netz bis heute beschäftigen.

Free Speech vs. Nazis raus

Vor allem aus den USA wurde der Fokus auf Meinungsfreiheit betont: alle können mitreden, alle haben die Gelegenheit sich zu beteiligen, niemand wird ausgeschlossen, alles wird veröffentlicht. Wer nicht einverstanden ist, kann die Kommentarfunktion nutzen, um die eigene Perspektive darzustellen.

Viele der europäischen Gruppen wollten antidemokratischen Stimmen keine Plattform bieten und zogen eine Moderationsgrenze ein: So erklärte das deutsche «Mission Statement», de.indymedia.org solle «keine Plattform für menschenverachtende, sexistische, rassistische, rechtsradikale u./o. totalitäre Beiträge jeder Art» sein. Erst nach monatelangen Diskussionen wurde entschieden, dass die deutsche Gruppe trotz dieser klaren und beabsichtigten Einschränkung des Open-Publishing-Grundsatzes Teil des Netzwerks werden durfte.

Überhaupt, die Kommentarfunktion.

Genau genommen ist sie ein einziges Missverständnis. Erfunden wurde die Kommentarfunktion, damit unter den veröffentlichten Inhalten von anderen ergänzt werden konnte, was fehlte oder anders gesehen wurde. Tatsächlich war sie auch bei Indymedia mehr oder weniger von Anfang an eine bunte Trollwiese: Beschimpfungen, Verleumdungen, rechte Hetze und persönliche Angriffe beschäftigten die (immer unbezahlt in der Freizeit aktiven) Moderationsteams weit mehr, als sich irgendwer ausgemalt hatte. Ein Versuch, das zu korrigieren, war die Umbenennung der Kommentare in «Ergänzungen», um deutlicher zu machen, dass hier zusätzliche Fakten gefragt waren, und weniger Meinung. Im nächsten Schritt wurden eingehende Kommentare unterteilt in inhaltliche Ergänzungen zum Text und andererseits – alles andere. Erstere wurden gut sichtbar zuerst dargestellt, alles andere blasser, kleiner und mit eingeklapptem Text darunter. Eine Lösung, die sich bedauerlicherweise sonst nirgends durchgesetzt hat, ich halte sie weiterhin für einen sehr sinnvollen Beitrag zu einer konstruktiven Diskussionskultur im Netz.

Spätestens seit dem Verbot des später gegründeten lokalen Projekts Indymedia Linksunten [1] assoziieren viele Menschen in Deutschland Indymedia mit Linksextremismus, Antifa oder jedenfalls einer sehr kleinen Subkultur. Das war nicht immer so: 2002 bekam Indymedia Deutschland von «Politik Digital» Indymedia als «hervorragende Initiative im Bereich eDemocracy» den Poldi-Award für Wissenschaft, Bildung und Kultur – in der Jury saß u.a. die spätere Justizministerin Zypries. (Nicht alle fanden das gut).

Die Hochzeit der IMCs war nach nicht mal zehn Jahren vorbei. Kommerzielle Plattformen waren entstanden, die das Hochladen von Fotos und Videos viel einfacher und ansprechender anboten, es gab erste Blogs, die vielen ermöglichten, sich mit wenigen Klicks eine individuelle Website einzurichten, und schließlich kamen Facebook und Twitter, alles (scheinbar) umsonst. Viele der Bewegungen, die Indymedia hervorgebracht haben, gibt es in der Form nicht mehr. Stattdessen ist die Kritik der «Mainstreammedien» Bestandteil des Instrumentenkastens der neuen und alten Rechten geworden. Ganz offensichtlich hat der Zugang zur Produktion von Medien allein nichts Emanzipatorisches, wenn das Ziel nicht gleichzeitig auch ein herrschaftskritisches ist.

Inzwischen verschwinden die umfangreiche Archive des wohl größten aktivistischen Online-Nachrichten-Projekts langsam aus dem Netz: viele Gruppen haben sich lange aufgelöst, und auch die Techies, die die Infrastrukturen gepflegt haben, hatten irgendwann besseres zu tun. Dabei gäbe es hier noch viele Schätze zu heben: Bewegungsgeschichte, Medientheorie (und -praxis), Internationalismus.

Dennoch gibt es weiterhin einige unermüdliche Indymedia-Gruppen, die eng mit sozialen Bewegungen verflochten sind und ihren Communities wichtige Dienste leisten und das ist gut so.

Weiter online sind: Argentinien | Niederlande | Mexiko | San Francisco Bay Area | Lille | Brasilien | Brüssel | Guatemala | Irland | Nantes | Boston | Barcelona | Germany | LA | Santa Cruz | Ecuador | Rosario

(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit)


[1] Das Projekt linksunten.indymedia.org entstand 2008 als lokaler Ableger, dieses Projekt wurde 2017 nach Vereinsrecht verboten und klagt zurzeit gegen dieses Verbot. Das Verfahren gegen die mutmaßlichen Betreiber*innen wurde im August 2019 eingestellt. Das Urteil wird im Frühjahr 2020 erwartet.

Die Schnittmenge zwischen Journalismus und Aktivismus

camera-medium_4773079216Gestern gab es bei DRadioWissen ein einstündiges Gespräch dazu, was den Unterschied zwischen Journalist_innen und Aktivist_innen ausmacht: Das Ende der Unterschiede?. Wenig überraschend sind die Beteiligten zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen, ich fand vor ein paar Tagen schon, dass vor allem gut ist, dass die Debatte über Journalismus stattfindet.

Bei DRadioWissen ging es Juliane Leopold (Zeit Online), Falk Steiner (D-Radio), Daniel Bröckerhoff (Blogger und Freier) und Vera Linß (DRadioWissen) vor allem um die Definition von Journalismus in Abgrenzung zu Aktivismus. Die Diskussion drehte sich um die journalistische Gretchenfrage: Dürfen Journalist_innen eine Meinung haben? Soll bzw. muss die erkennbar sein und wie?

Die klassische Antwort ist, dass sie eine haben dürfen, aber dass sie nicht erkennbar sein soll, es sei denn, sie schreiben einen Meinungsbeitrag, oder Kommentar. Tatsächlich wissen wir natürlich, dass es keinen Text gibt, der rein objektiv, neutral, ‚wahr‘ ist. Die eine Wahrheit gibt es nicht – keine besonders revolutionäre Erkenntnis. Bei Naturwissenschaften unterscheidet sich das vielleicht in Nuancen, aber aber auch da beeinflusst die (interessengeleitete) Fragestellung das Ergebnis. Ich bin keine Medienwissenschaftlerin und weiß nicht, ob und wie das sonst diskutiert wird, aber es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass diese Überlegung in Debatten über Journalismus noch nicht eingeflossen sei.

Dazu kommt, dass nicht erst seit gestern bekannt ist, dass Journalist_innen nicht im luftleeren Raum agieren. Im Unterschied zu (den meisten) Blogger_innen verdienen sie mit Journalismus Geld, sind also abhängig von ihren Auftrag- oder Arbeitgeber_innen. Es ist ja kein Zufall, dass die Artikel in der FAZ konservativer sind als die in der Frankfurter Rundschau (waren). Da in der Regel alle über dieselben Themen schreiben (ein anderes, trauriges, Kapitel), müsste nach den in der aktuellen Debatten hochgehängten journalistischen Qualitätsstandards in etwa überall dasselbe stehen. Wenn wir mal davon ausgehen, dass jeweils auf die Einhaltung des Pressekodex geachtet wird, dann dürften die sich eigentlich gar nicht unterscheiden, schon gar nicht zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Weil die Journalist_innen aber Geld verdienen müssen, geht es in den Beiträgen nicht (nur) um ihre eigene Fragestellung, sondern (auch) um die derer, die sie bezahlen. Das ist an und für sich auch nicht schlecht: ich lese (sehe, höre) gern verschiedene Sichtweisen auf ein Thema. Gut wäre eben, wenn das auch Einklang in die Definition von Journalismus fände: dass Journalist_innen Menschen sind, die eine Meinung haben und sich dazu in der Regel in einem Abhängigkeitsverhältnis befinden, und sich beides in ihren Beiträgen wiederfindet.

Als vor knapp 15 Jahren Ende 1999 das unabhängige Medien-Netzwerk Indymedia gegründet wurde, war genau dies eine seiner Wurzeln: Kritik an den bestehenden Medien. Die beiden anderen waren Technik (die Möglichkeit, im Web ein CMS zu betreiben, mit dem alle, die wollten, im Netz veröffentlichen konnten: 1999 revolutionär neu) und Politik (Indymedia verstand sich als mediale Plattform der globalisierungskritischen Bewegung, die sich vor allem in Gipfelprotesten ausdrückte). Indymedia wurde irgendwann vom Web 2.0 überholt und konnte, unfinanziert und von Freiwilligen betrieben, mit den kommerziellen Plattformen nicht mehr mithalten. Viele Indymedia-Aktive haben diese Plattformen mitentwickelt – Twitter beispielsweise hat seine Ursprünge in den Gipfelprotesten um den Jahrtausendwechsel.

Das ‚unabhängig‘ im Namen stand und steht für die Medienkritik: kommerzieller, also bezahlter Journalismus ist zwangsläufig abhängig und wird damit auch inhaltlich beeinflusst. Das heißt nicht, dass Journalismus in seiner klassischen Definition zwingend schlecht ist. Es war aber auch die Aufforderung, die Journalismus-Definition endlich vom hohen Ross zu holen und der Realität gegenüberzustellen. Ich amüsiere mich regelmäßig darüber, dass der Begriff „Qualitätsjournalismus“ ernst gemeint ist und bspw. im Bundestag immer mal wieder Anhörungen des Kulturausschusses zum Qualitätsjournalismus stattfinden. Irgendwann wurde der Begriff Bürgerjournalismus, auch Citizen Journalism, erfunden für die Leute, die einfach so ihre Beobachtungen, Meinung, Fotos oder Videos in bestimmten Medien veröffentlichen und qua Definition an die hohe Qualität des ‚richtigen‘ Journalismus nicht ranreichten. Mir rollen sich die Zehennägel hoch, wenn sich Menschen selbst so bezeichnen. Kurz darauf began die Diskussion darüber, ob Blogger_innen so gut wie Journalist_innen sein können. Die wurde schon erheblich erbitterter geführt, sicherlich auch, weil Blogger_innen in der Regel ein größeres Ego mit sich herumtragen und es ihnen (ok: uns) öfter um Selbstdarstellung geht.

Aus dieser Auseinandersetzung mit Medien und dem alten Begriff des Journalismus rund um Indymedia entstand der Begriff ‚Medienaktivismus‘. Und hier schließt sich der Kreis zur aktuellen Debatte darum, ob Glenn Greenwald Journalist oder Aktivist ist. Können Journalist_innen, die sich kritisch mit Medien und der politischen Auseinandersetzung über Medien beschäftigen, überhaupt Journalist_innen sein, oder sind sie zwangsläufig Aktivist_innen, weil es um sie selbst und ihre Rolle geht? Bei DRadioWissen ist diese Diskussion gestern teilweise in Haarspalterei ausgeartet: Wenn ich zu einer Demo aufrufe, bin ich dann Aktivist_in, nicht Journalist_in? Eher Aktivist_in. Was aber, wenn ich als Journalist_in eine_n Politiker_in zum Rücktritt auffordere? Journalismus sei das nur, wenn es gut begründet sei, während Aktivist_innen ihre Überzeugungen nicht begründen müssten, wurde gesagt. An dem Punkt hatte ich den Eindruck, dass die Diskussion erheblich ins Schwimmen geriet. Natürlich müssen Aktivist_nnen ihre Meinung und Forderungen begründen, sonst hört wirklich niemand zu, und mehr als Preaching to the Converted kommt dabei nicht raus. Auf der anderen Seite wäre nicht schwer, zig Beispiele von Journalismus zu finden, bei denen die (belegte) Begründung für Behauptungen fehlt.

Irgendwie wird von der Annahme ausgegangen, dass Journalist_innen in der Lage seien, genügend Distanz zum Thema ihrer jeweiligen Arbeit zu bewahren, während Aktivist_innen das nicht könnten, oder wollten. Die Distanz werde erkennbar in eingefügten Sätzen, die die eigene Position erläutern: „Der Autor hat die Demonstration angemeldet“ wurde gestern als Beispiel genannt. In der Form halte ich das für ziemlichen Quatsch, muss ich sagen. Es ist natürlich nicht schlecht, sogar wünschenswert, dass erkennbar ist, in welchem Verhältnis Autor_innen zu ihrem Thema stehen. Aber das ein paar Sätze die entscheidende Trennlinie zwischen Journalismus oder kein Journalismus ziehen, löst das Problem nicht.

Und wenn Journalist_innen über Medien, über Journalist_innen und ihre Situation in den Medien schreiben jenseits von der puren Faktenauflistung, dann sind sie eher Medienaktivist_innen. Medienjournalismus könnten es eigentlich, der Idee des reinen Journalismus folgend, gar nicht geben. Ich denke, dass es ihn schon gibt, aber ich denke ja auch, dass die Definition von Journalismus gründlich erneuert werden müsste.

Es gibt beim unabhängigen, oder Bürgerjournalismus, genauso wie bei Blogger_innen wie eben auch im klassischen Journalismus Beiträge mit journalistischer Qualität. Bei allen drei geht nicht im die Form, sondern um den Inhalt: erkenne ich, wann es sich um möglichst sachliche Beschreibungen handelt und wann um Kommentar? Werden mir unterschiedliche Meinungen zum Thema präsentiert? Werden Quellen belegt?

Und damit ist Journalismus nicht durch den Ort der Veröffentlichung definiert, sondern durch die Qualität des Textes (Beitrags). Wie ich vor zwei Tagen schon schrieb: mir ist bewusst, dass das problematisch ist, weil die Funktion von Journalismus als Kontrolle von Regierungen und Parlamenten aktuell überhaupt nicht unterschätzt werden kann. Aber genauso, wie sich Medien in den letzten Jahrzehnten weiter rasant verändert haben, muss sich die auch die Definition von Journalismus ändern.

Und zu Glenn Greenwald: der ist in (in der Regel) Journalist, wenn er die Leaks von Edward beschreibt und einordnet. Beim 30C3 war er Aktivist. Es ist ja nicht mal kontrovers, dass er auch früher schon Aktivist war und dann erst Journalist wurde. Warum ist das jetzt plötzlich ein Problem?

 

Update: Ich vergaß den Disclaimer, dass ich, gemeinsam mit vielen anderen, 2001 an der Gründung von Indymedia in Deutschland beteiligt und dort bis 2007 teilweise aktiv war.
Und wurde darauf hingewiesen, dass aus dem Text herausgelesen werden könne, ich sei der Meinung, Blogger_innen seien eitler als Journalist_innen. So war das natürlich nicht gemeint!

Foto: svxx via photopin CC-BY-NC-ND-Lizenz

Die etwas andere Twitter-Gründungsgeschichte

twittercageDieser Tage erscheint DAS Twitter-Buch, mit dem gebührenden Rummel: “Hatching Twitter: A True Story of Money, Power, Friendship, and Betrayal”. Alles drin: Silicon Valley, Start-Up’s, Social Media, Drama. Leider fehlen ein paar wichtige Sachen.

Die Spannung steigt, wenn es vorher schon ein bisschen grummelt und niemand (naja, kaum wer) weiß, was kommt. Bämm, die New York Times (NYT) hat ihr aktuelles Magazin dem Buch gewidmet: The savage dawn of Twitter. The birth of a hot company is rarely peaceful. (Aber es wurde ja auch vom NYT-Kolumnisten Nick Bilton geschrieben. Also, das Buch). Illustriert mit geschmackvollen Zeichnungen mit allerhand Kriegsgerät: Handgranaten mit Vögelchen drin, Panzer, Bomben, the works. Ich würde die ja auch hier zeigen, allerdings weiß ich nicht genau, ob ich mir die Abmahnsummen in dem Bereich leisten kann, deswegen müsset Ihr deswegen nebenan bei der NYT nachgucken. Dazu gibt es einen langen Auszug aus dem Buch mit nett erzählten Gründungsmythen und wie sich dann alle gestritten haben. Und viel Geld verdient.

Beim OHM-Camp letzten Sommer haben wir auch schon vom Buch gehört und von Rabble erzählt gekriegt, dass Twitter nicht auf einem Spielplatz im Valley erfunden wurde, sondern auf den Demos gegen die Parteitage von Demokraten und Republikanern: The political and hacker origins of Twitter. Einiges davon steht hier bei Netzpolitik.org, das Interview dazu gibt es auch als mp3 zum Anhören. Das Video vom Talk bei der OHM scheint zu fehlen, sehr schade.

Gründlich genervt vom Vorabdruck in der NYT war jedenfalls Tad Hirsch. Und so erschien heute TXTmob and Twitter: A Reply to Nick Bilton.

.. It’s a compelling story. Unfortunately, it isn’t true.

While Dorsey has made something of a career out of claiming to be the inventor of Twitter, the truth is that, like many other technical innovations, Twitter didn’t leap fully-formed out of the mind of a solitary genius. It built on substantial prior work.

Twitter’s roots can be traced back to the 2004 Republican National Convention, when protesters relied on custom-built software to coordinate actions, report on police movements, and share their whereabouts.

Liest sich deutlich besser als die Story von Nick Bilton und erklärt einiges darüber, wie aus Open-Source-Projekten mit Community Unternehmen werden (können), mit dem einige reich werden. Auch deswegen dreht sich mir heute der Magen um, wenn ich sehe, wie Twitter in Deutschland zu einem Yellow-Press-Vehikel wird, dessen promotete Accounts Fußball, Bundesliga, Sport, TV und Stars listen. Web 2.0 my ass.

Die New York Times hatte übrigens schon 2004 was über das, was später Twitter wurde, aber das hatten sie wohl vergessen inzwischen.

Ich bin heute noch ein bisschen stolz auf den Test-Account, den ich bei Odeo hatte, auch wenn Podcasts nie so wirklich mein Ding waren.

Bild: mkhmarketing Flickr/Photopin, CC-BY-Lizenz

„We don’t want them to decide how we live“ – Interview with Radyo Gezi

I had the chance to talk to Olcay today, one of the activists who broadcast live from Taksim square in Istanbul with Radyo Gezi. She’s a member of Müştereklerimiz, an ecological organisation.

Radyo Gezi is broadcasting from a tent in the park and can be received as FM radio around Taksim square. You can listen to the stream from all around the world – there’s news in English at 12:30 and 19:30 now every day, and in between interviews with the activists and groups who protesting for two weeks now. What about?

Everything started as a sparkle, in the park. A couple of trees really. But that was just a sparkle and now everything has turned into asking for our right to live in the city with giving decisions for our life. So this is libertarian, asking for liberty, asking for democracy, real democracy. Everybody is shouting now for the real democracy. Not the fake one as they are practising now.

Olcay:

This is totally different. I am 42 years old and I never seen any revolt like this in my life.

In the interview you’ll hear about who’s protesting, what makes this movement different from many other protests in Turkey before and how it relates to other protest movements around the world.

We are doing everything without any authorities, without any leaders. Everybody is sharing the work. We don’t want them to decide how we live and how we decide for our life.

There’s some information about reactions by Turkish police, by the goovernment and the role of Turkish and international media in the past two weeks:

They come here with their oriental way of looking, views, and then try to analyze things with their very European mind. But they learn. We all learn.

Radyo Gezi

 

There’s more up-to-date information about what’s happening in Turkey at gezipark.nadir.org and if you can’t open it (nadir.org is blocked in Turkey) try this autistici.org/gezipark/

Morgen startet die Globale

In Berlin läuft ab morgen für eine Woche die Globale, das kleine, aber ungeheuer feine andere Filmfestival. Gestartet 2003 als globalisierungskritisches Filmfestival zeigt ein kleines Kollektiv politische Filme, die es sonst sehr selten oder nie zu sehen gibt.

Nach den Filmvorführungen gibt es in der Regel eine Diskussion mit Beteiligten, Filme-MacherInnen oder AktivistInnen, die sich mit dem Thema des Films beschäftigen.

Ich werde morgen abend über „Der Prozess“ sprechen, einen Film über ein ziemlich unglaubliches Verfahren gegen Tierrechts-AktivistInnen in Österreich (18 Uhr um Regenbogen-Kino).

Weitere Themen dieses Jahr u.a.: Griechenland, Flüchtlinge, Homophobie, Polizeigewalt, G8 in Genua, Arbeitskämpfe, Gentrifizierung, Syrien, Kolumbien, Kambodscha, Russland und und und…

Alle FilmeDas Programm

Online-Tristesse

Flickr, by Madison Guy CC-Lizenz

Online-Journalismus ist eine schwierige Sache. Dabei könnte es so einfach sein: Mehr Kollaboration, mehr Inhalt, weniger Langeweile. Internet eben, kommt von „vernetzen“.

Geht natürlich nicht so einfach. Es muss Geld verdient werden, und weil das so ist, schießen sich die so genannten Qualitätsmedien lieber ins Knie statt was Gutes draus zu machen. Nein, selbstverständlich habe ich keine Patentlösung für’s Geldverdienen, ich bin aber auch keine Betriebswirtschaftlerin.

Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, hat die Frage, wie das mit dem Geld denn gehen soll, in Berlin vor zwei Jahren sehr souverän beantwortet. Sinngemäß hat er freundlich lächelnd erklärt, dass er als Chefredakteur Journalist sei und die Aufgabe habe, guten Journalismus zu machen. Für’s Geldverdienen seien andere zuständig. Einer der wenigen deutschen Chefredakteure, die was vom Netz verstehen, Wolfgang Blau, wechselt jetzt zum Guardian. Das spricht für sich und hinterlässt in der deutschen Medienlandschaft eine Lücke.

Die Lösung liegt irgendwo zwischen anderen Vergütungsmodellen und der Nutzung des Internets für besseren Online-Journalismus. Und das heißt eben nicht, dass Print besonders schön bunt ins Netz geschubst wird, sondern dass das Potential des Internets an sich genutzt wird.

Die deutsche Online-Presselandschaft tastet sich vorwärts wie im Nebel. Beraten von Horden von Klickzahl-Steigerungs-Schlaumeiern, gefangen in unverrückbaren Vorstellungen von „Qualitätsjournalismus“. (Qualitätsjournalismus ist keine Ironie, das ist völlig ernstgemeint.)

Alle für sich, sich zu Tode konkurrierend. Qualitätsjournalismus ist dann, aus Agenturmeldungen eigene zu machen. Der Journalismus besteht in dem Fall aus dem Anpassen des Vorgekauten an den Stil des jeweiligen Hauses, das Ziel ist, zuerst fertig zu sein. Ergebnis: meine Timeline wird im Minutentakt von der gleichen Nachricht, aber von den verschiedensten Medien beglückt.

Ich brauche diese Agenturmeldungen nicht. Twitter ist sowieso schneller. (Oder Google-News, aber das ist dann ja bald vorbei, wenn die Zeitungen auf die Verlinkungen von dort selbstmörderisch arrogant verzichten. Vielleicht auch aus Verzweiflung und Ignoranz, ich bin mir nicht sicher).

Dazwischen Bilderstrecken zur Steigerung der Klickzahlen, weil so die Werbung gezählt wird. Irgendwann wird rauskommen, dass Online-Werbung eine auf keiner Realität basierenden Luftblase ist, bei der sich alle Teilnehmenden wie Poker-Spieler gegenübersitzen und wichtig tun.

Warum wird die Zeit und das Können der sicherlich höchstqualifizierten AbsolventInnen diverser Journalistenschulen nicht dafür eingesetzt, gute Geschichten zu schreiben?

Es ist einfach nicht nötig, dieselbe Geschichte auf zig Websites zu spiegeln. Wir lesen nicht nur eine News-Website. Das Internet macht es möglich, relativ schnell von einer zu anderen zu springen, und das sogar, wenn keine direkten Links gesetzt sind.

 

Links zur Konkurrenz

Immerhin, neuerdings wird vorstellbar, Links zur Konkurrenz zu setzen. Nach ca. 10-15 Jahren, in denen die Nutzung des Internets für konventionelle Medien an Bedeutung zunimmt. Hurra.

Wer hat das Märchen erzählt, der Wald des Internets sei so erschreckend, dass die Menschen immer auf einer Website blieben, solange ihnen niemand den Weg woandershin zeigt? Dieser Glaube ist immer noch weit verbreitet, aber wenn ich den Wolf mal enttarnen darf: es stimmt nicht. Ich weiß nicht, ob die Leute, die das erzählen, selbst gelegentlich im Netz sind.

Das funktioniert so: ich habe ein paar Websites, deren RSS-Feeds ich mehr oder weniger regelmäßig durchgucke. News-Websites sind nur sehr wenige dabei. Nachrichten erfahre ich über Twitter oder andere Social Media und so bewege ich mich von einer Seite zur anderen, relativ schnell wechselnd. Und wenn mir eine Seite gut gefällt, komme ich wieder. Oft landet sie in meinem Feedreader. Andere Menschen machen das anders, aber das zugrundeliegende Muster bleibt: wenn etwas gut ist, kommen sie zurück.

Es ist wie im wirklichen Leben (das kann gar nicht oft genug gesagt werden): wenn mir ein Restaurant gefällt, gehe ich öfter dort essen.

Nochmal zurück zu den überall gleichen Themen: das ist furchtbar. Ja, sicher spielt Geschwindigkeit bei Nachrichten eine Rolle. Aber wie gesagt: wer aus welchem Vorstand zurückgetreten ist, wissen wir schon, das stand schon bei Twitter. Was fehlt, sind die Geschichten dahinter und drum herum.

Was fehlt, sind gut recherchierte Geschichten, mit Leuten, die etwas Neues zum Thema zu sagen haben. JournalistInnen wollen sie gern schreiben, wir wollen sie gern lesen. Und nicht über die ewig gleichen drei Themen oder die stetig wachsenden ‚Vermischtes‘ ‚Panorama‘-Rubriken.

Stattdessen müssen arme Figuren morgens um 4 Nachtschichten schieben, um noch mehr Aktualität zu simulieren. Wer braucht denn einen „Ticker“, der eine Debatte der Präsidentschaftskandidaten kommentiert? Wenn mich das interessiert, kann ich es mir selber angucken. Seit einer Weile wird uns simuliert, dass die Präsidentschaftswahlen so wichtig sind, als fänden sie hier statt. Selbst die Kindernachrichten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Logo berichten darüber.

Ich glaube nicht, dass das viele mehr interessiert als etwa, warum der Berliner Bausumpf das Flughafendesaster produziert. Und zwar nicht nur das das so ist und alle ganz erschüttert sind, sondern warum und was dahinter steckt.

 

Investigativer Journalismus, wäre das nicht schön?

Mal wieder investigativ wäre gut, aber erstmal kriegen wir simuliertes Tempo in Form von „Live-Tickern“.

Die sind schnell, wir können gefühlt live dabei sein, und die ReporterInnen sind auch ganz nah am Geschehen.

[4.31 Uhr] Beide Kandidaten wenden sich nun direkt an die Wähler. Sie verweisen auf die Unterschiede in ihren politischen Programmen. Romney wirbt um die Unentschlossenen und sagt, er wisse, wie er mit dem politischen Gegner, … … … (spiegel.de, 23.10., +++ Minutenprotokoll +++)

Wozu ist ein Live-Ticker nötig? Er könnte einigermaßen zeitnah darstellen, was sich irgendwo abspielt, für das sich Leute in eben dieser Geschwindigkeit interessieren. Ich finde die meisten dieser Ticker unglaublich schlecht. Das hat auch damit zu tun, dass ich vor gut 10 Jahren schon an der Entwicklung solcher Online-Tickermeldungen beteiligt war und allerhand Energie und Herzblut darauf verwendet habe, eine System zu entwickeln, wie sowas sowohl schnell als auch mit hohem Informationswert stattfinden kann. Mich interessiert nämlich weder als Ticker, was ich selber online angucken kann (Spiegel Online, siehe oben), noch – in der taz gern verwendet – atmosphärische Beschreibungen im Stil „Neben der Demonstration wird Currywurst verkauft.“

Interessant wären Tickermeldungen zum Beispiel aus laufenden politischen Verhandlungen. Das können nicht alle: dazu ist nötig zu wissen, was am Verhandlungstisch passiert und interessant wird es erst, wenn jemand politisch so kommentiert, dass Interessen und Hintergründe verständlich werden. Und nicht erst am Tag danach, sondern während es passiert.

1999 ging die erste interaktive Nachrichten-Plattform online: Indymedia. Das ist jetzt ziemlich genau 13 Jahre her. Ein Jahr später gab es die ersten Meldungen in diesem Ticker-Stil, berichtet wurde von den Protesten gegen den IWF- und Weltbank-Gipfel in Prag. Indymedia entstand als Medium der Anti-Globalisierungsbewegung, als Kritik an der einseitigen Berichterstattung über Proteste und auch, weil in Australien das erste Content Management System entwickelt worden war, mit dem es möglich war, Internetseiten kollaborativ und mit wenig Vorwissen zu erstellen. Das gab es vorher nicht. Indymedia war die erste Website überhaupt, die das Kommentieren von Nachrichten ermöglichte und als sinnvollen Beitrag zur Content-Produktion betrachtete. Im Rückblick sehe ich das kritischer, aber es war definitiv ein großer Schritt für die Menschheit. Indymedia Deutschland trennt übrigens seit Jahren Kommentare in ‚inhaltlich sinnvolle Ergänzugen zum Text‘ (oben) und ‚alles andere‘ (hellere Schrift, unten). Warum diese Idee niemand kopiert, habe ich bis heute nicht verstanden.

Ticker wurden nicht von wenigen gemacht. Sie waren der Versuch, möglichst umfangreich und zeitnah von etwas zu berichten, in der Regel über Proteste gegen Globalisierungsgipfel oder ähnliche Großereignisse, aber auch vieles andere, das mit Sozialen Bewegungen zu tun hat und in den <hust> Qualitätsmedien nur erwähnt wird, wenn es eine ordentliche Randale gibt, um gleich darauf die RandaliererInnen zu disqualifizieren. Dabei haben die bloß gut verstanden, wie Medien funktionieren.

Das war möglich, weil viele unterwegs waren und deswegen viele Beobachtungen mit einspeisten. Es gab ein komplexes System der Überprüfung der einlaufenden Meldungen und ein Ergebnis, dass den LeserInnen ermöglichte, sich ein halbwegs umfassendes Bild der Situation zu machen. Sie wurden fast gleichzeitig in mehrere Sprachen übersetzt. Es gab ein riesiges Interesse an diesen Tickern, was sicher auch mit Sensationsgier zu tun hat, aber nicht nur. Ich habe selber über Jahre erlebt, dass die KorrespondentInnen der „echten Medien“ irgendwann die Segel strichen und anriefen, um mitzukriegen, was los war.

Logisch, die waren jeweils allein oder zu zweit, hatten wenig Kontakt zu denen, die die Proteste koordinierten und damit wenig Chancen, sich ein reales Bild von dem zu machen, was geschah. Würden diese JournalistInnen der unterschiedlichsten Medien zusammenarbeiten, wäre das möglich. Aus vielen einzelnen Puzzle-Steinen lässt sich etwas herstellen, das besser über das informiert, was passiert ist. So wie es bis heute ist – 10 Jahre später -, schreiben lauter QualitätsjournalistInnen über ihre individuellen Eindrücke, gespickt mit ein paar Kommentaren mehr oder wenig zufällig Herumstehender. Im Nachbarblatt klingt das ganz anders, kein Wunder, zwei Straßenecken weiter war es ja auch ganz ruhig. Oder, noch schlimmer, sie lassen sich bei der Pressekonferenz der Polizei diktieren, was geschah. Dass das nicht die ganze Wahrheit ist, könnten sie wissen.

Nun ist die Anti-Globalisierungsbewegung Geschichte, „Live-Ticker“ gibt es seit ein paar Jahren auch auf den meisten News-Websites. Leider haben sie nur einen Teil übernommen: die Darstellungsform (+++ 18:29 Der Sack Reis fiel um +++). Auf der Strecke geblieben ist, was das Internet sonst noch zu bieten hat: Kollaboration und Teilen. Wissen teilen, um etwas Besseres zu produzieren.

 

It’s the end of the world as we know it

Wenn aber nicht alle das Gleiche machen (müssten), gäbe es Raum, etwas Neues zu machen. Seit Jahren nerven die Agenturmeldungen und ich wünsche mir schon länger Online-Journalismus, der – gern unterstützt von Technik – Meldungen an einer Stelle aggregiert und den JournalistInnen, die das ja schließlich gelernt haben, den Raum lässt, gute Geschichten zu schreiben oder – hold your breath – investigativ zu arbeiten. Geschwindigkeit ist nicht wichtig. Das kann das Internet selber, dafür braucht niemand eine Ausbildung. Was fehlt, ist Recherche, Hintergrund, Fachwissen.

Eine Utopie. Und dann lernte ich letzte Woche Géraldine Delacroix kennen, die mir leise und unaufgeregt von einer News-Website erzählte, bei der sie arbeitet, die genau das macht. Gegründet von JournalistInnen von vor allem Le Monde und Libération, finanziert durch LeserInnen (9€/Monat), frei von Werbung gibt es dort investigativen Journalismus: Mediapart.

Die Zeitungen gehen ein, die News-Websites strampeln und klammern sich an altbekannte Strohhalme. Die Zeitungskonzerne, die Alpha-Journalisten, die alberne Konkurrenz zwischen Print und Online, nicht zuletzt die Tradition spielen sicher eine Rolle. Weil es aber nicht mehr so werden wird, wie es war, wäre vernünftig, sich aufs Internet einzulassen in seinem gesamten Potential, statt es nur als weiteren Kanal zu betrachten, über den gesendet werden muss. Das funktioniert nämlich nicht. Und diese Erkenntnis ist nicht wirklich frisch.

 

 

10 Jahre KAOS – 10 Jahre Medienaktivismus und Hacking

Ein Buch, das ich gern lesen würde, aber leider nicht kann, weil es italienisch geschrieben und die Aussicht auf Übersetzung eher gering ist: +kaos – 10 anni di mediattivismo e hacking.

Das Technik-Kollektiv hinter noblogs.org und damit annalist hat ein Buch über die 10 Jahre seit seiner Gründung geschrieben (und annalist ist sogar darin erwähnt, hach).

„L’esperienza collettiva di un gruppo di ragazze e ragazzi appassionati di tecnologia e comunicazione che hanno fatto proprio il motto di Primo Moroni “Condividere saperi, senza fondare poteri”.“

(Die gemeinsame Erfahrung einer Gruppe von Männern und Frauen, die sich für Technik und Kommunikation begeistern und sich das Motto von Primo Moroni zu eigen gemacht haben „Wissen teilen, ohne die Grundlage für Macht zu schaffen“)

Ihr könnt es vollständig runterladen als PDF, mobi oder ePub.

Für alle, die italienisch können und auch nur den kleinsten Faible für Hacker-Bewegungen und/oder Medienaktivismus seit 2001 haben, lohnt es sich bestimmt.

Beschrieben werden in eigenen Kapiteln der Vorlauf, also die Jahre 1990 – 2001. (2001 war mit dem G8-Gipfel in Genua eine Zäsur, die wahrscheinlich ihre Spuren bei allen Bewegunen in Italien hinterlassen hat). Hacktivismus gab es aber auch schon vorher. Dann die Jahre 2001 – 2006 mit dem bewussten G8-Gipfel, aber auch dem Europäischen Sozialforum, Problemen mit der Justiz und schließlich dem Start der Blog-Plattform Noblogs. Im dritten Teil geht es um die Jahre 2006 – 2011, wie die vorigen eingeteilt in die politische Einordnung und die Beschreibung der hacktivistischen Aktivitäten.

Im Unterschied zur eher engen Definition des Hacking in Deutschland gibt es in Italien eine breitere Interpretation. Was hier inzwischen langsam als ‚Politik-‚ bzw. ‚Gesellschafts-Hacking‘ akzeptiert wird, gehört dort schon immer selbstverständlich dazu. Hacken ist die intensive Beschäftigung mit allem Möglichen mit dem Ziel, es zu verstehen, auseinanderzunehmen und anders wieder zusammenzusetzen. Oder sich zumindest dazu in die Lage zu versetzen. Das hat eine ziemlich stabile Grundlage für Kooperation zwischen Techies und politischen und sozialen Bewegungen geschaffen, mit einem sehr stabilen queer-feministischen Standbein. Ein bisschen mehr davon würde ich mir hier auch wünschen.

Vielleicht gibt es ja doch mal eine Übersetzung.

Protest digital

http://images.zeit.de/bilder/titelseiten_zeit/2012/icon_010_001.jpgNächstes Wochenende rede ich bei der Tagung der Urbanauten „Revolution im Zwischenraum“ über Digitalen Protest. Konkret über „Urbaner Protest im öffentlichen Raum in Zeiten der digitalisierten Stadt von 2012 bis 2048„. Mit Piraten, Guttenberg und ACTA wieder sehr en vogue (und das ist ja auch gut so).

Aus diesem Anlaß befragte mich jetzt.de (Süddeutsche). Normalerweise würde ich das hier verlinken, weil aber die Website von jetzt.de die interessante Macke hat, dass anstelle des Artikels gern „Fehler: Das Dokument wurde nicht gefunden“ erscheint, erlaube ich mir, meine (redaktionell aufgepeppten) Worte auch hier vollständig wiederzugeben:

„Die Menschen wollen sich nicht abspeisen lassen“

Plagiatsjagd, Anti-ACTA-Kampagnen, Occupy – das Netz hat das Zeug dazu, die politische Kultur grundsätzlich zu verändern. Anne Roth ist seit 2001 als Aktivistin im Netz unterwegs und hat diesen Wandel beobachtet.

Die Berlinerin Anne Roth ist Politikwissenschaftlerin, Mutter, Bloggerin. „Netz- und Medienaktivistin“, wie sie selbst sagt. 2001 hat sie den deutschen Ableger des globalisierungskritischen Nachrichtenportals Indymedia mitbegründet – die erste Seite in Deutschland, auf der jeder Nutzer Inhalte im Netz veröffentlichen und andere Beiträge kommentieren konnte. Kommende Woche spricht sie auf dem Kongress „Revolution im Zwischenraum in der evangelischen Akademie Tutzing. Vorab ein Gespräch über den Verdruss an der Politik und Chancen für Politiker.

jetzt.de: Das Internet ist zweifellos eine technologische Revolution. Kann es auch politische Revolutionen auslösen?
Anne Roth: Damit aus einer politischen Bewegung eine Revolution werden kann, sind andere Dinge nötig als das Internet. Deswegen würde ich den Arabischen Frühling auch nie als Facebook- oder Twitter-Revolution bezeichnen. Aber seit Guttenberg und spätestens seit den Anti-Acta-Protesten ist klar: Im Netz sind nicht nur Menschen unterwegs, die irgendwie vor sich hinwursteln, sondern dort kann politischer Aktivismus eine Kraft entfalten, die stark genug ist, die ganz reale Politik zu verändern. Mittlerweile erkennen auch immer mehr Politiker, dass sie die Entwicklungen im Internet nicht versäumen dürfen, wenn sie weiter Politiker bleiben wollen.

Welche Entwicklungen sind das?
Transparenz und Partizipation werden immer wichtiger. Die Menschen wollen sich nicht mehr mit fadenscheinigen Erklärungen abspeisen lassen. Vor ein paar Jahren zum Beispiel wäre Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Plagiatsaffäre noch durchgekommen. Doch so haben ihn die Leute durch ihr eigenes Engagement zu Fall gebracht. Daran zeigt sich: Die Menschen sind nicht von der Politik verdrossen, sondern von ihrer Form. Auch deswegen haben die Piraten so einen großen Erfolg. Da bricht sich ein breites Bedürfnis nach Teilhabe und Transparenz Bahn.

Macht es das Netz also politischen Parteien und Bewegungen leichter, Menschen zu begeistern?
Klar erlauben „neue Informations- und Kommunikationstechnologien“ – wie es altmodisch heißt – einerseits, sehr viele Menschen zu informieren, ohne auf die herkömmlichen Medien angewiesen zu sein: durch Posts, Mailinglisten oder Twitter. Andererseits können sich Gruppen so viel leichter organisieren und untereinander kommunizieren. Aber natürlich müssen sich die Menschen, die informiert werden sollen, auch interessieren. Um den Protest aus dem Netz auf die Straße zu bringen, braucht es eine ganz reale Unzufriedenheit.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd hat nach einer riesigen Aktion im Netz ihr Schwimmbad nach Bud Spencer benannt. Fehlt Kampagnen im Netz manchmal der nötige politische Ernst?
Ich finde es gut, wenn politischer Protest auch spaßig und dabei souverän ist. Auf einer Freiheit-statt-Angst-Demo in Berlin zum Beispiel hatte jemand ein Banner dabei, auf dem stand „Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen“. Ein ironischer, witziger Unterton muss einer Sache nicht schaden.

Vor elf Jahren haben Sie Indymedia Deutschland mit ins Leben gerufen, ein globalisierungskritisches Nachrichtenportal, bei dem sich jeder beteiligen kann. Das war damals schon ziemlich revolutionär, oder?
Web 2.0 existierte nicht, wer im Internet veröffentlichen wollte, musste schon html beherrschen. Mit Indymedia wollten wir Kritik üben, an politischen Inhalten und an den etablierten Medien. Wir haben die mediale Begleitung der gleichzeitig entstehenden Anti-Globalisierungsbewegung, die gerade entstand, lieber selbst in die Hand genommen und damit zu ihrer weltweiten Vernetzung beigetragen. Es gab ein Formular, über das jeder posten und kommentieren konnte, das war total neu. Die Skepsis am Anfang war gewaltig.

Wer waren Ihre Kritiker?
Die kamen aus dem gesamten politischen Spektrum, und aus den Medien: Wie, da kann jeder schreiben? Das war ja völlig neu. Es war großartig, bei diesem Projekt dabei zu sein – aber auch sehr anstrengend. Wir haben intern viel diskutiert.

Worüber denn?
Wo ist die Grenze, wenn sich die Nutzer unter einem Post gegenseitig beschimpfen? Wie wird die Transparenz gewahrt bleiben, wenn die Kommentare unübersichtlich werden? Gibt es Dinge, die man gar nicht auf der Seite haben will? Was ist das Ziel von Kommunikation? Das sind Diskussionen, die immer noch wichtig sind und immer noch geführt werden. Ich frage mich, ob zum Beispiel ein Livestream von jeder Piraten-Parteiversammlung wirklich für Transparenz sorgt, oder nicht eher denen die Teilnahme erschwert, die nicht die Zeit haben, sich das alles anzugucken.

Für die meisten von uns ist das Web 2.0 Alltag, wir verbringen viel Zeit auf Twitter oder Facebook. Dahinter stehen riesige Konzerne mit sehr großer Macht. Ist das die richtige Infrastruktur für politischen Protest?
Nein. Auf diese Problematik müssen wir immer wieder hinweisen und Alternativen aufzeigen. Aber ohne diese Netzwerke geht es auch nicht. Bei einer politischen Kampagne will ich ja nicht nur ein paar Leute erreichen, sondern alle. Und alle sind nun mal bei Facebook. Auf Art und Zweck der Kommunikation kommt es an. So sollte sich ein Betriebsrat besser bei Diaspora oder einem anderen Netzwerk organisieren, das großen Wert auf Datenschutz legt. Die Ergebnisse seiner Arbeit kann er dann aber über Facebook verbreiten. Das ist kein Widerspruch.

Sind wir ausreichend dafür gerüstet, uns politisch im Internet zu betätigen?
Wir brauchen alle noch viel mehr Medienkompetenz. Vor allem natürlich die, für die das Internet nicht selbstverständlicher Teil ihres Alltags ist. Alle müssen bereit sein, sich mit neuen Formen von Politik und Mediennutzung auseinanderzusetzen. Und wir brauchen einen bewussteren Umgang mit Informationen über uns und andere. Welches Netzwerk nutze ich wofür und mit wem? Vor allem in den Schulen muss da noch sehr viel passieren. Für viele Lehrer ist das Internet nach wie vor unbekanntes Terrain. Das ist aber auch teilweise ein Generationenproblem; in den nächsten 20 Jahren wird da sehr viel passieren.

(Lena Jakat)

Transmediale 2K+12 in/compatible

Wie sagte Jakob Applebaum heute so schön:

If you’re in Berlin this weekend, I highly suggest you attend #Transmediale: http://www.transmediale.de

Ich war gestern schon da und habe einen Blick in die Ausstellung geworfen:

(VNS Matrix kennt, wer bei unserem Netzfeministinnen-Panel bei der letzten re:publica war)

Es gibt viel Computer-Spielkram, vor allem aber Kunst und Medien.

          

(Mit der Maus kann man durch Twitter-Meldungen scrollen. Sie ist riesig und wurde nebenbei zum Kinderspielplatz umfunktioniert)

Schöner Schnickschnack dieses neue soziale Netzwerk:
Komunizieren fast zum Anfassen, mit dem Telefon. Die Registrierung für R15N funktioniert per Telefon (030-86 87 03 57 61), und danach wirst du angerufen. Je nachdem, wie oft du erreichbar bist oder wie lange du dann telefonierst, steigst du im Ranking..

Es gibt eine sehr liebevoll gemachte Einführung – allein wegen der lohnt es sich zu gucken.

R15N steht übrigens für Revolutionization:
R – 15 Buchstaben – N.

 

Es gibt nicht nur Kunst, sondern auch allerhand Politik. Leider ist das Programm, wie jedes Jahr, ziemlich unlesbar, aber es lohnt sich trotzdem.