Die Linke Medienakademie fragt, ob ich einen Workshop zum Thema 'Politisch Bloggen' machen würde, im Rahmen der 'Subkonferenz LiMAdigital' am 11. März. Würde ich und stehe nun vor der Aufgabe, ein Workshop-Programm für vier Stunden zu entwerfen.
Ich würde den Ball gern in die Runde werfen. Mal angenommen, Ihr wolltet so einen Workshop besuchen:
Was würdet Ihr da gern machen / hören / sehen / ausprobieren / diskutieren?
Bis Sonntag habe ich noch Zeit und fände Anregungen aller Art hilfreich beim planen.
Zusätzlich wird es noch die obligatorische Erzählung zur Geschichte meines eigenen Blogs geben, aber deutlich kürzer. Dazu habe ich schon konkretere Vorstellungen, aber falls es auch hier spezielle Fragen oder Wünsche gibt: bitte gern!
Gaaanz knapp bin ich Zweite geworden, nach 'Frau Liebe', die mit 477 genau 7 Stimmen mehr bekam - Glückwunsch auch von hier. Die Dritten wurden mit je 187 Stimmen das Mädchenblog
und Frl. Zucker.
Danke für die Nominierung und Eure Stimmen!
Zweite ist auch schön und definitiv sehr ehrenhaft.
Zwischenzeitlich tauchten Fragen auf, wie denn die Auswahl der 25 nominierten Blogs zustande kam: ganz einfach - sie konnten der Mädchenmannschaft vorgeschlagen werden. Da fehlen immer noch viele, einfach weil sie niemand vorgeschlagen hat. Also braucht die Wahl (die nächstes Jahr hoffentlich wieder stattfindet..?!) ein bisschen mehr Rummel.
Die Kanadierin Michelle Teran thematisiert in ihren
Arbeiten das Zusammenspiel zwischen den Medien- und sozialen Netzwerken
innerhalb städtischer Lebensgemeinschaften. Ihr Projekt Buscando
al Sr. Goodbar (2009) ist eine Tour durch die spanische Stadt
Murcia auf drei Ebenen zugleich: mit dem Bus, auf Google Earth und auf
YouTube. Auf einer Busfahrt begibt sich das Publikum auf die Suche nach
den Orten und Autoren verschiedener in der Stadt gedrehter YouTube
Videos. Wann immer ein solches Video über die geografischen Koordinaten
des Drehortes verfügt, wird es durch eine spezielle Mapping Software
direkt mit Google Earth verbunden. Dem Bus kann im virtuellen Raum auf
Google Earth gefolgt werden, während YouTube Videos wiederum im Bus
gezeigt werden. Durch das Aufsuchen der Räume aus den Videos entsteht
eine vertrauliche Begegnung zwischen Videomachern und Publikum. Das
Projekt lässt sich jederzeit an anderen Orten wie Berlin wiederholen. (Transmediale)
Ich werde häufig gefragt, warum Staatsanwaltschaften und Polizei dies oder jenes tun, und obwohl ich mir darüber auch schon ein paar Gedanken gemacht habe, weiß ich es natürlich überhaupt nicht. Es ist ausgesprochen schwierig, InterviewpartnerInnen in den Behörden zu finden: das weiß ich von vielen, die es versucht haben, auch etwa völlig repektable Filmemacher wie z.B. Hans Weingartner. Polizeiforschung ist auch kein besonders beliebter Forschungszweig.
Wer gern mehr über die Polizei wissen will, sollte das Interview, oder vor allem die Teile zwei und drei lesen. Ich zitiere hier mal eine Runde.
Sie sehen also, diese Mauer des Schweigens in der Polizei wird die
ganzen Hühnerleiter hoch (= Hierarchien), bis hinein in die
Ministerialbürokratien, einschließlich deren Spitzen, also Minister und
Staatssekretäre, Staatskanzleien und Ministerpräsidenten, sowie großen
Teilen der Parlamentarier gedeckt und sogar gewollt. Denn selbst viele
oppositionelle Abgeordnete wissen darum und schweigen nicht aus Naivität
oder mangelnden Einschätzungskompetenzen, sondern deshalb, weil sie im
Falle der Regierungsübernahme genauso "komfortabel" ihre Polizei als
unmittelbarstes Instrument des staatlichen Gewaltmonopols einsetzen
können möchten, um dann ihre politischen Ziele bzw. jene der ihnen
nahestehenden Kräften ggf. mit Gewalt durchsetzen zu können.
Für einen demokratischen Rechtsstaat ist es nachgerade absurd, dass
Polizeibeamte über die uniformierte Ausstattung - die sollte ja gerade
im Auftreten vereinheitlichen, Neutralität signalisieren, und nicht
Verantwortlichkeiten atomisieren - seiner Polizeibeamten die
individuelle Verantwortlichkeit auf nahezu Null schraubt, bei
geschlossenen Einheiten Ku-Klux-Klan-Effekte eintreten und dies
bundesweit vielfachst durch RichterInnen, StaatsanwältInnen sowie
parlamentarische Initiativen belegt ist.
Es gibt Sätze, an denen komme ich einfach nicht vorbei.
Das Urteil wird als schwere Niederlage der
Staatsanwaltschaft gewertet,..
schreibt Jetzt, Süddeutsche, zum heutigen Urteil gegen Yunus und Rigo. Das kann man wohl sagen.
Wie schon ausführlich beschrieben, sassen die beiden Berliner Jugendlichen über sieben Monate isoliert in U-Haft. Ihnen wurde ein Mordversuch am 1. Mai vorgeworfen.
Im Verfahren wurde sehr schnell klar, dass mit Gewalt passend gemacht werden sollte, was nicht passte.
Schönes Ergebnis, Glückwunsch an Rigo und Yunus, an die Familien und alle Beteiligten. Ich hoffe,Ihr feiert gerade ein großes Fest.
Es ist mal wieder an der Zeit, gegen Zensur Courage zu zeigen, im Netz und jenseits.
In Sachsen wird gerade der Aufruf zum Blockieren von Nazi-Demos juristisch hart verfolgt. Es gibt ein Plakat, das zur Blockade der Nazi-Demo am 13. Februar in Dresden aufruft. Es ist das Plakat eines sehr breiten Bündnisses. Um es zu beschlagnahmen, wurde die Geschäftsstelle der Partei Die Linke in Dresden durchsucht. Die Berliner Justiz liess sich nicht lumpen: Als als Reaktion mehrere Bundestagsabgeordnete das bewusste Plakat in Berlin plakatierten, wurd eine von ihnen und dazu vier minderjährige Jugendliche festgenommen. Zwei in Handschellen.
Nächster Streich: Die Staatsanwaltschaft Dresden weist das LKA Dresden an, dafür zu sorgen, dass die Website www.dresden-nazifrei.de vom Netz kommt. Das Fax an den Provider wurde am Donnerstag, den 21.1. verschickt. Seit heute abend ist nur noch zu sehen, was Ihr oben sehen könnt.
Vorwurf: der "Straftatbestand der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten gem. § 111 StGB - hier die strafbare Störung einer Versamlung gem. § 21 VersammlG".
Meine Expertinnen-Werdung in Sachen "Wir schreiben nicht alle Strickblogs" schreitet fort.
Vorgestern hat Philip Banse die zweite Runde 'Meinungsmacher'-Interviews veröffentlicht, viermal eine Dreiviertelstunde (ca.) Video mit bekannten Bloggern. Wieder alles Männer, was ja der Aufhänger für meine Beschäftigung damit war, warum anscheinend wichtige Blogs in Deutschland nur von Männern geschrieben werden.
In seinem Blog kommentiert er das und das erste Mal kommt die Rückmeldung bei mir an, dass die Fragestellung jenseits der feministischen Grenzen wahrgenommen wurde:
Es gab zu diesem Punkt ja einige Klagen. Ehrlich gesagt, ist mir auch erst durch diese Hinweise
aufgefallen, dass wir keine einzige Frau auf dem Zettel hatten. Das
liegt zum Teil daran, dass wir uns bei der Suche nach Interview-Gästen
stumpf an den Deutschen Blogcharts
orientiert und aus den vorderen Plätzen interessante Vertreter raus
gefischt haben. Warum da keine Frauen vertreten sind? Das ist ein Thema
in den Interviews dieser zweiten Staffel.
Ich habe jetzt fast alle durchgehört und fand ein bisschen schade, dass es Thema doch nur in einem der vier Interviews war, und auch nicht soo ausführlich: Im Interview mit Sixtus, etwa Min. 38.
Mehr Mädchenchöre
Dann aber bekam ich den Hinweis, dass das Thema auch im letzten Medienradio eine Rolle gespielt hat. Das will ich Euch nicht vorenthalten, zudem es auch da nicht einfach zu finden ist.
Dies ist ein Ausschnitt - bei der vollständigen Aufnahme kommt das Thema erst ganz am Schluss. Eigentlich ging es um ein ganz anderes Thema.
Es ist ja wieder viel die Rede von terroristischen Anschlägen auf Flugzeuge. Nacktscanner passen auch sehr schön dazu, obwohl die auch gut illustrieren, welche Funktion die Medien in einer Demokratie haben.
Bleiben wir bei den Fakten:
Zur Wahrscheinlichkeit, Opfer von Flug-Terrorismus zu werden
Seit ich mich im November über die Frage ausgelassen habe, warum in Deutschland wichtige Blogs nur von Männern geschrieben werden, steht der Gedanke im Raum, ob Deutschlands wichtigstes Blogger-Treffen auch mal mit dieser Frage konfrontiert werden soll (beideArtikel gibt es auch bei freitag.de, mit anderen Kommentaren).
Da ich mich nicht primär als Spezialistin für Diversität - so der korrekte Fachausdruck für Minderheitenschutz aller Art - betrachte, gefiel mir zwar die Idee, aber ich wollte das nicht unbedingt übernehmen. Dazu kommt, dass ich die Vorstellung eines Panels, bei dem vor allem die Frage im Raum steht, warum denn die Frauen dann nicht einfach besser/öfter/über interessantere Themen schreiben, weil sich dann das Problem ja von selber lösen würde? mir ungeheuer unattraktiv vorkam. Für alle Beteiligten.
Heute abend lief zur besten Sendezeit im Deutschlandfunk Holger Siemanns Feature Kafka, Kanzler und da knackt nichts. Ich nehme an, dass es morgen auch als mp3 bei dradio.de zu finden sein wird.Update: Es gibt inzwischen die mp3-Datei bei dradio.de, und sogar eine 53-minütige Langversion, dazu das Manuskript als txt- oder pdf-Datei.
Dankenswerterweise hat jemand mitgeschnitten und den Link hier unter die Ankündigung geschrieben.
Es geht hier übrigens nicht um das Verfahren gegen Andrej, und die Freundin, die auch zu Wort kommt, bin nicht ich. Die Ähnlichkeiten sind - logisch - groß, aber hier geht es um das erste (von bisher vier bekannten) mg-Verfahren. Die ProtagonistInnen kannte ich vorher (= Andrejs Festnahme) nicht, aber inzwischen sind wir ganz gut befreundet.
Viele haben vielleicht davon gehört: dies ist das Verfahren, das bekannt wurde, weil einem der Beschuldigten die Kosten der abgehörten Handy-Gespräche versehentlich in der O2-Rechnung berechnet wurde.
Einigen kommen vielleicht die zitierten Überwachungsakten bekannt vor: die gab es im Herbst 2007 schon mal in der Berliner Volksbühne zu hören, als sie von Schauspielern vorgetragen wurden. Im Anschluss fand die von Constanze Kurz moderierte Veranstaltung "Wir sind alle Terroristen" mit Beschuldigten aus verschiedenen Terrorismus-Verfahren statt (Video bei chaosradio.ccc.de).
Holger Siemann hat versucht, auch die andere Seite darzustellen: die Ermittlungsbehörden und die an der Überwachung aktiv Beteiligten, dazu deren Haltung ihm als Journalisten gegenüber. Seine Erlebnisse schildert er auch im Feature. Außerdem einige Überlegungen zur Technisierung von Überwachung, zur Rolle des Verfassungsschutzes und zur Logik von Terrorismus-Verfahren in Deutschland, speziell denen gegen die 'militante gruppe' und zu selektiver Wahrnehmung 'der Jungs' (vom BKA.
Das Ganze ist, wie alles, was ich bisher und seit zweieinhalb Jahren zu diesem Wahnsinn erlebe, verrückt, irreal und durchaus auch komisch.
Montag Dienstag um viertel nach Sieben abends gibt es ein Feature im Deutschlandfunk, das ich jedenfalls hören werde und hiermit genau dafür auch empfehle:
Ein
junger Mann erfährt durch eine Panne bei seinem Mobilfunkbetreiber,
dass er von Verfassungsschutz und BKA abgehört wird. In einer Zeitung,
der Polizisten die Abhörprotokolle verkauft haben, liest er ein
Gespräch seiner Freundin im Wortlaut. Die Schlagzeile, seine Verhaftung
als angeblicher Gründer der terroristischen Vereinigung "Militante
Gruppe" stehe unmittelbar bevor, lässt ihn wochenlang bei jedem
Geräusch hochschrecken.
Nach sieben Jahren vergeblicher Bemühung um Aufklärung, nach
Hausdurchsuchung und schließlich doch noch erfolgter Verhaftung zieht
das Bundesverfassungsgericht eine Grenze. Der "Terrorist" erhält
Akteneinsicht, das Verfahren wird eingestellt. Obwohl die Geheimdienste
sich der Aufklärung verweigern, lässt sich die paranoide Geisteshaltung
der Ermittler anhand ihrer eigenen Aufzeichnungen nachvollziehen. Ist
das ein seltener Glücksfall? Oder ist es ein Unglücksfall - weil alles
andere als selten? In Deutschland wird 30-mal mehr abgehört als in den
USA.
Autos werden in Berlin gefühlt schon immer angezündet. Anderswo übrigens auch, wieso redet da eigentlich niemand drüber? Seit die Hysterie Aufmerksamkeit zu dem Thema letztes Jahr so zunahm, schreibe ich dazu wenig. Meine Schere im Kopf murmelt: mach's nicht, das gibt nur Ärger. Mindestens kommt zurück, Du verharmlosest das Problem und das ist doch wirklich nicht in Ordnung, dass den ganzen Leuten die Autos.. .
Andrej juckt es manchmal, was dazu zu schreiben, weil er gern über die Stadt im allgemeinen und Berlin im besonderen schreibt. Und weil inzwischen überall steht, dass das mit Gentrifizerung zu tun hat und damit kennt er sich ganz gut aus. Ich (und andere Familienangehörige) bedrängen ihn dann, die Finger davon zu lassen. Reicht ja, dass hier regelmäßig JournalistInnen aufschlagen, die fragen, ob er mal erklären könnte, warum "diese Leute immerzu Autos anzünden". Nur zur Erinnerung: das Verfahren läuft noch, das herausfinden will, ob er der Texteschreiber der mg sei. U.a. wegen dieses G-Worts.
Eher noch nicht ganz ernst gemeint frage ich seit ein paar Monaten, wann wohl öffentlich bekannt gegeben wird, dass eine terroristische Vereinigung mit dem Ziel des Autoanzündens fabriziert wurde. Nach der dann mit den Ermittlungsmethoden zum §129a gefahndet werde. Unter Applaus derjenigen Medien, die schon länger fordern, dass der Senat/die Polizei/irgendwer jetzt endlich mal durchgreifen muss. Die Frage nach den Ursachen bleibt die Ausnahme. Die Politologin in mir fragt sich: wem nützt das? Nicht so schwer zu beantworten.
27.3.10, Hannover, Kino im Sprengel, im Rahmen der Film- und Veranstaltungsreihe Esc[Ctrl]
Ideen?
Wer Themen, Links, Ideen hat, über die ich hier schreiben sollte, kann die gern schicken. Ich verspreche nicht, alle aufzunehmen (das hat auch mit Zeitmangel zu tun), aber ich freue mich auf jeden Fall.
Ausgewählte Tweets
Anne Roth
Ich lebe in Berlin, bin Medienaktivistin, Journalistin, Übersetzerin, Mutter zweier Kinder und seit Juli '07 vor allem bekannt als Partnerin von Andrej Holm, der morgens um 7 Uhr in unserer Wohnung als Terrorist festgenommen wurde. Seitdem blogge ich über das Innenleben einer Terrorismus-Ermittlung (vor allem hier nachzulesen, mehr in der Mediathek) und, seit nicht mehr so spürbar ermittelt wird, zunehmend über Terrorismus und den "Krieg gegen Terror" an sich. Das §129-Verfahren dauert allerdings an, auch wenn die Bundesanwaltschaft seit Juli '07 nichts gefunden hat, das den Vorwurf erhärtet hätte. Die Überwachung geht weiter.
Das Auge stammt vom Plakat "Europäisches Unterbewusstsein I" der Künstlergruppe bankleer. Mehr darüber hier.
Der Name
'annalist', der Name des Blogs, hat nichts mit meinem Namen zu tun. Ich heiße nicht Anna List. Annalisten wurden im alten Rom die Geschichtsschreiber, oder Chronisten, genannt (von 'Annalen'). Mehr dazu hier.