Ein paar Gedanken zu Blockdebatten

(Dies schrieb ich zuerst bei Mastodon als Thread, aber die Dinge verschwinden dort so schnell, und wozu haben wir schließlich Blogs.)

(Disclaimer: Nichts davon ist neu, aber ich beobachte es gerade bei Mastodon.)

Vorweg: Ich finde Blocken völlig legitim und habe noch nie die Aufregung von manchen verstanden, wenn wer wen blockt, denn das bedeutet ja nichts, als dass mit der betreffenden Person nicht geredet werden will und nichts von ihr gelesen werden will – und das machen wir alle im Alltag sonst ja genauso. Also, uns auszusuchen, mit wem wir zu tun haben wollen.

Es gibt kein Recht auf Gehört-werden.

Ich selber blocke wenig, aber ich aus mir unklaren Gründen werde ich im Netz auch ziemlich in Ruhe gelassen. Ich weiß, dass ich damit sehr privilegiert bin und weiß auch, wie furchtbar es ist, im Netz attackiert zu werden. Wer das noch nicht erlebt hat, hat keine Ahnung, wirklich. Dazu kommt vielleicht, dass ich ganz gut entwickelte ‚innere Filter‘ habe, also Sachen, die nervig oder übergriffig sind, direkt ausblende und vergesse.

Darauf bin ich nicht stolz. Ich würde sagen, ich habe Glück, dass mir das gelingt. Wenn andere stattdessen blocken, hat das mein volles Verständnis. Und ich mute oder blocke auch, wenn mir was ausreichend auf die Nerven geht.

Wir sind hier alle aus unterschiedlichen Gründen. Manche wollen Reichweite, manche wollen mit anderen ins Gespräch kommen, manche wollen unter sich bleiben, manche wollen gesehen werden, manche nicht. Das ist alles völlig legitim und zum respektvollen Umgang gehört, das zu akzeptieren. (Zwingen könnt Ihr eh niemand.)

Was mich auf der anderen Seite seit jeher verwirrt, sind die sehr demonstrativen Diskussionen und Aufforderungen, andere zu blocken bis hin zu Kritik daran, wenn dem nicht gefolgt wird. Klar gibt es Gründe, bestimmte Gruppen durchaus großflächig zu blocken (Nazis, Incels, Springer-Redaktionen etc.pp.). Ob das für die irgendwas verändert – da habe ich meine Zweifel. Aber es macht das eigene Erleben angenehmer und das reicht ja als Motiv.

Ich finde nachvollziehbar, das zu machen und dabei können Blocklisten natürlich hilfreich sein. Für Leute, die massiv attackiert werden, sind die manchmal das einzige Mittel, das hilft, um den eigenen Account weiter benutzen zu können.

Aber was ich etwas schräg finde, sind Posts, in denen das Blocken einzelner Accounts zelebriert wird, was häufig wirkt wie „Seht, der war blöd, aber jetzt habe ich ihn geblockt“, wobei die betreffende Person dann eben nichts mehr dazu sagen kann. Wenn ich mit wem nicht mehr reden will, dann lasse ich es. Vielleicht rede ich mit ein paar Freund*innen darüber, was mich genervt hat. Aber das war’s dann auch.

Vor großem Publikum über andere zu reden, emotional und mit viel Vorwurf: Klar, könnt Ihr machen, aber bei mir hinterlässt das in der Regel ein unangenehmes Gefühl. Je größer der eigene Account, je mehr Mitlesende, desto vorsichtiger sollten wir mit sowas sein. Auch im eigenen Interesse, denn das wirkt (auf mich) befremdlich unsouverän.

Vielleicht verstehe ich das Motiv für dieses demonstrative Ausleben des eigenen Block-Verhaltens auch nicht richtig. Mag sein. Sicherlich ist es für einige der notwendige Austausch über das Erlebte in Peer-Groups und warum auch nicht, gerade wenn die blockierten Accounts sehr anstrengend, belästigend, übergriffig sind.

Wir haben hier alle Arten von Öffentlichkeiten gleichzeitig: von ganz klein bis ganz groß. Und das ist dann vielleicht der Unterschied zur analogen Kommunikation: Da rede ich entweder mit kleinen oder großen Gruppen, aber in der Regel nicht in einer gefühlt kleinen Gruppe vor großem Publikum. Und das ist ja, was hier passiert. Je größer der Account, je größer das Publikum, aber auch kleine Accounts können mit 2,3 Klicks von anderen mehr als sonst gesehen werden. Das ist auch alles nicht neu. Über andere reden, damit die das mitkriegen, ohne dass es zu offensichtlich ist, hat einen eigenen Begriff: ‚Non-Mention‘.

Ich werde sicher niemanden zu irgendwelchen Verhaltensweisen auffordern, wir sind alle mehr oder weniger erwachsene Menschen und haben hoffentlich gelernt, darüber nachzudenken, wie das eigene Kommunikationsverhalten auf andere wirkt.

Was ich eigentlich sagen wollte: Mit Reichweite geht Verantwortung einher. Das fängt bei wenigen Follower*innen an. Ja, wer groß ist, wird tendenziell mehr angegriffen, aber kriegt ja auch mehr Unterstützung. Wer alle Privilegien der Welt hat, sollte sich die Selbstdarstellung als Opfer für die ernsten Fälle aufheben.

Be excellent to each other.

 

Foto: La-Rel Easter (Unsplash)