11. September – Freiheit statt Angst

Dem ist wenig hinzuzufügen, außer vielleicht Berlin, 13 Uhr, Potsdamer Platz.

Alles weitere bei www.freiheitstattangst.de

Es gibt natürlich doch noch was zu sagen.

Z.B. wäre da die Chaosradio-Ausgabe CR160 vom 25.8. mit der Frage „Wichtige Datenschutzdemo oder überflüssige Tradition?“:

Mehr demnächst in diesem Kino.

Die sicherste Stadt der Welt

Die Biometrie-Firma Global Rainmakers Inc. (GRI) hat am Mittwoch angekündigt, dass sie mit Iris-Scan-Technologie die ’sicherste Stadt der Welt‘ schaffen will.

Dagegen sind Streetview oder Geo-Tagging dann wohl Kinkerlitzchen.

Gemeinsam mit der Stadt Leon – eine der größten Städte Mexikos mit über einer Million EinwohnerInnen – wird GRI Augenscanner über die ganze Stadt verteilen. Das wird die Strafverfolgungsbehörden darin unterstützen, unseren Alltag zu revolutionieren – gar nicht zu reden von den Marketing-Fachleuten. („Iris Scanners Create the Most Secure City in the World. Welcome, Big Brother“, Fast Company)

Dieses Projekt hat weitreichende Auswirkungen für die Iris-Biometrie, die 1,2 Mio. MexikanerInnen und die Welt, sagte Hector Hoyos, CEO von Global Rainmakers. (Pressemitteilung von GRI)

No shit, ja, kein Zweifel.

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Alaska oder Die geplante Speicherung von Suchmaschinenanfragen

Einen Moment zu spät sprach sich herum, dass EU-ParlamentarierInnen intensiv gelobbyt wurden, einer Initiative für sowas wie Vorratsdatenspeicherung für Suchmaschinendaten in Europa zuzustimmen. (Zu) Viele Abgeordnete ließen sich mit dem unschlagbaren Argument ködern, dass Frauen und Kinder geschützt werden müssen. Immerhin gibt es jetzt eine Initiative, per Abgeordnetenwatch nochmal nachzufragen.

Falls es noch wem an Argumenten fehlt, warum die Speicherung von Anfragen an Suchmaschinen ein Problem ist: es gibt dazu ein großartiges Minimovie. Minimovies sind Dokumentarfilme, die aus mehreren drei- bis siebenminutenlangen Episoden bestehen:

I love Alaska
Die herzzerreißende Geschichte der Suche von AOL-Nutzerin #711391

"Am 4. August 2006 wurden die Suchanfragen von 650.000 AOL-Kunden
versehentlich im Netz veröffentlicht, für jedeN zugänglich. Es waren
Suchanfragen, die über drei Monate in die AOL-Suchmaschine eingegeben
worden waren. Nach drei Tagen wurden sie entfernt, aber zu diesem
Zeitpunkt waren sie bereits vielfach kopiert und weiterverteilt worden.


I love Alaska erzählt die Geschichte einer dieser AOL-NutzerInnen. Wir
lernen eine religiöse Frau im mittleren Alter aus Houston, Texas kennen,
die ihre Tage vor ihrem Fernseher und Computer verbringt. Ihre
einzigartige Art, Fragen zu stellen, zusammen mit ihren in die
Suchmaschine eingegebenen Ideen, Überzeugungen und Obsessionen
verwandeln ihre persönliche Geschichte in eine Art verstörenden Roman.
"

 

Es sind 13 kurze Episoden in einer Playlist (= die hintereinander abgespielt werden). Alternativ gibt es auch einen Trailer (1:53min)

Danke für den Tip!

Grundrechteerklärung für NutzerInnen sozialer Netzwerke – Ja oder Nein?

Es gibt einen weiteren Versuch, eine Bill of Rights, oder Grundrechteerklärung, für NutzerInnen sozialer Netzwerke zu etablieren. Das war das zentrale Projekt der CFP 2010 (Computers Freedom and Privacy Conference), die vom 15.-18. Juni in San Jose stattfand.

Die in mehreren Sitzungen während der Konferenz ausdiskutierte Version steht in der englischen Version im Blog zur CFP. Einige der Sessions gibt es auch als Video.

Aktuell findet ein Abstimmungsverfahren über die Bill of Rights statt, passenderweise kann bei Facebook (Ja bzw. Nein), per Twitter (Ja bzw. Nein) oder Doodle Zustimmung oder Ablehnung bekundet werden.

Es gibt inzwischen auch eine deutsche Version von Gabriele Pohl – danke!

Social Network Users’ Bill of Rights – Grundrechte für Soziale Netzwerke

Wir, die NutzerInnen, erwarten, dass uns Plattformen für soziale Netzwerke folgende Rechte in ihren Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien zusichern und diese in ihren Systemen implementieren.

  1. Vertrauenswürdigkeit: Haltet Euch an Eure Datenschutzvereinbarung und Nutzungsbedingungen
  2. Verständlichkeit: Sorgt dafür, dass Richtlinien und Nutzungsbedingungen einfach zu verstehen sind.
  3. Redefreiheit: Zensiert nicht ohne klare Richtlinie und Begründung
  4. Ermächtigung: Bietet universellen und barrierefreien Zugriff
  5. Selbstschutz: Bietet Möglichkeit und Methoden, die Privatsphäre zu schützen
  6. Datensparsamkeit: Minimiert die Informationen, die ich Euch und anderen mitteilen muss
  7. Kontrolle: Gebt mir die Kontrolle über meine Daten und begünstigt die Veröffentlichung nicht ohne meine Zustimmung
  8. Berechenbarkeit: Holt meine Einwilligung ein, bevor Ihr entscheidend ändert, für wen meine Daten sichtbar sind
  9. Übertragbarkeit: Macht es mir leicht, eine Kopie meiner Daten zu erhalten
  10. Datenschutz: Wenn ich meine Daten nicht öffentlich gemacht habe, behandelt sie so sicher wie Eure eigenen vertraulichen Daten und verständigt mich, wenn sie veruntreut oder gefährdet wurden
  11. Auskunftsrecht: Teilt mit, wozu und in welcher Weise Ihr meine Daten nutzt und ermöglicht mir festzustellen, wer und was Zugriff auf sie hat
  12. Selbstbestimmung: Erlaubt mir das Anlegen mehrerer Profile und die Nutzung von Pseudonymen. Bringt diese ohne meine Erlaubnis nicht in Zusammenhang
  13. Rechtsmittel: Ermöglicht mir Beschwerde gegen Disziplinarmaßnahmen einzulegen
  14. Widerrufsrecht: Erlaubt mir meinen Account inklusive dazugehöriger Daten zu löschen

Als nächstes, hat Conference Co-Chair Jon Pincus angekündigt, soll die Bill of Rights verschiedenen Unternehmen vorgestellt werden, die Soziale Netzwerke betreiben. Ich bin gespannt, was die dazu sagen.

CFP 2010 beginnt – Computer, Freiheit und Privatsphäre

CFP LogoUm auch mal wieder zu erbaulicheren Dingen zu kommen: vor
einigen Stunden hat in San Jose, Silicon Valley, die CFP 2010 begonnen.

Der
Name sagt schon viel: die 20. jährliche Konferenz der Association for
Computing Machinery (ACM) beschäftigt sich dieses Jahr neben den
allgemeinen Themen Computer, Freiheit, Privatsphäre vor allem mit allen
Arten von Netzwerken: soziale, kommunikative, Informations- und
physische Netzwerke (Call).
Die wenig schüchterne Beschreibung auf der Konferenzwebsite: "The
leading policy conference exploring the impact of the Internet,
computers and communications technologies on society".

Die Liste der
ReferentInnen
ist beeindruckend, to say the least.

Wie sich das für so Konferenzen gehört, wird Web 2.0 auf allen Kanälen
(na, fast) bedient. Einiges wird gestreamt (Zeitverschiebung 9 Stunden rückwärts – aktuelle
Uhrzeit in San Jose
). 

Das gesamte Programm / Stream-Programm
/ Speakers /
Twazzup-Site (Twitter + Stream
+ News) / Blog / Twitter
/ Hashtags: #cfpconf und #BillOfRights

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Danah Boyds Rant über FB und die Privatsphäre: „Das Beste für die Privilegierten“

Vogel Strauss, by Trisha  Shears, http://www.flickr.com/photos/19598613@N00/437055569/sizes/s/, CC-Lizenz http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/Es gibt gerade wieder viel Gerede über Facebook (FB) und die Privatsphäre. Während manche die These pushen, wir sollten die Idee, etwas für uns behalten zu wollen, am besten gleich zu den Akten legen, weil das im Grunde reaktionär sei – in anderen Worten auch der FB-Chef Zuckerberg -, regt sich Protest. In den USA auch unter den Leuten, denen im Bereich Neue Medien Autorität zugesprochen wird, ‚den Techies‘. So spürbar, dass darüber geredet geschrieben wird.

Der ACLU, eine bekannte US-Bürgerrechtsorganisation, sieht eine Revolte am Horizont.  Gulli berichtet von einem Facebook-Krisentreffen. Die New York Times berichtet gern und ausführlich und hat kürzlich eine Grafik veröffentlicht, die die komplizierten
Einstellungen zu Privatsphäre/Datenschutz bei Facebook

veranschaulicht.

Danah Boyd ist gestern der Kragen geplatzt und sie hat sehr schön Klartext geredet in einer Debatte, die langsam Züge eines Glaubenskriegs entwickelt: "Wir hätten wir nie Homophobie thematisiert, wenn nicht massenhaft Leute zwangs-geoutet worden wären!" "Wir werden viel freier sein, wenn wir zu unseren Fehlern stehen!" "Im Netz kommt früher oder später sowieso alles raus." vs. "Wer sich beobachtet fühlt, ändert das Verhalten – Big Brother lässt grüßen." 

‚Facebook und "radikale Transparenz"‘:

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Privatsphäre ist ein Prozess – Wendy M. Grossman über die 4. PrivacyOS

Weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit fand am 12./13. April in Oxford der 4. Privacy Open Space statt, im Rahmen des des EU-Projektes „PrivacyOS“ (Privacy Open Space), koordiniert vom
Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Wendy M. Grossman war da und hat in ihrem Blog net.wars ein paar Beobachtungen aufgeschrieben, die ich der Einfachheit halber übersetzt habe, weil sie einen guten Überblick geben:

Data-mining the data miners

Der Fall der ermordeten kolumbianischen Studentin Anna Maria Chávez Niño, der diese Woche beim Privacy Open Space vorgestellt wurde, enthält beide Extreme des Rätsels Privatsphäre, das von einer Welt aufgegeben wird, in der 400 Millionen Menschen die intimsten Details über sich und ihre FreundInnen auf einer einzigen Plattform veröffentlichen, die einem Unternehmen gehört. Die Zusammenfassung: Chávez lernte ihre Mörder bei Facebook kennen; ihr Bruder hat sie gefunden – auch bei Facebook.

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Privat vs. öffentlich

Am Dienstag bin ich zu einer Veranstaltung eingeladen, die schon lange geplant ist, aber derzeit täglich aktueller wird:

Mein Profil gehört mir!? (Stream)

Dienstag, 19:30 im taz-café
Rudi-Dutschke-Str.
23, 10969 Berlin

mit

Christian Heller (Futurist)
Michael Horn
(Chaos Computer Club)
Timo Luthmann
(mensch.coop)
Moderation: Julia Seeliger (taz)

Nachdem Jörg-Olaf Schäfer freundlicherweise gerade bei Netzpolitik auf den Termin hingewiesen hat, rechne ich mit gesteigerter Aufmerksamkeit und würde die auch gern zur Vorbereitung nutzen. Wo das Netz ja so schön partizipativ ist, wüsste ich gern, was Ihr dazu denkt. Gern nicht Ein-Satz-Antworten, sondern mit Überlegung und Begründung. Muss kein akademischer Aufsatz sein, aber reale Argumente sind natürlich hilfreicher für eine Diskussion. Passende Links nehme ich auch gern.

  • Warum ist die Privatsphäre wichtig?
  • Wie sollte Privatsphäre in Zeiten totaler Vernetzung geschützt werden?
  • Sollte sie überhaupt, oder sollten wir uns davon verabschieden?
  • Gibt es eine Option jenseits fundamentaler Opposition?
  • Was wäre überhaupt fundamentale Opposition, wenn die absolute Verweigerung viel auffälliger ist als jedes Mitschwimmen?
  • Was wolltet Ihr Christian Heller/Plomlompom immer schon mal sagen?

„Dabei sind das deine Daten“ – Facebook aus Kinderperspektive

Aquarium GenuaIch habe mich eben mit meinem Sohn (7) über Facebook unterhalten. Das
gibt mir die seltene Gelegenheit, meine Passionen zu verbinden: meine
wundervollen Kinder, Datenschutz und annalist.

 

Mein Sohn hat
Osterferien, saß neben mir und guckte auf meinen Monitor. 

 

Er:
Bist Du auch bei Facebook?

Ich: Ja.

Er:
Das ist aber nicht gut.

Ich: … ?!?! … Warum?

Er: Weil die sagen, dass die Daten ihnen gehören.

Ich: Und warum ist das schlecht?

Er: Ich finde das nicht lieb, dass die sagen, dass das jetzt ihre
Daten sind, dabei sind das deine Daten.

Ich: Weißt du, was Daten sind?

Er: Ja, zum Beispiel wenn man sagt, in wen man verliebt ist, das
ist eine Date. Sachen, die man für sich alleine haben will.

Ich:
Oder Deine Adresse.

Er: Genau, sonst kann ja jeder
wissen..  wenn die finden, dass sind unsere Daten: dann kann ja jeder
einfach einbrechen. Dabei sind das nicht ihre Daten. Das sind unsere
Daten.

Aber Du kannst das auch wieder löschen, oder?

Ich:
Ja.

Er: Na dann ist ja gut, dann haben sie deine Daten ja
gar nicht.

Ich: Naja, noch habe ich sie ja nicht gelöscht.
Aber ich gebe nicht so viele Daten ein, da muss man ein bisschen
vorsichtig sein.

Woher weißt du das eigentich?

Er: Das haben sie bei
Logo
gesagt.

Ich: Haben sie da auch noch von anderen Netzwerken
erzählt?

Er: Ja. Die beiden besten, haben
sie bei Logo gesagt
, sind die, die das gleich Ende haben.

Ich:
SchülerVZ und StudiVZ ?

Er: Ja.

(murmel, murmel,
Themawechsel
)

Wie gesagt, er ist sieben, geht in die zweite Klasse und hatte
bisher kaum Kontakt zum Internet überhaupt. Dass ich mich viel mit
Datenschutz beschäftige, weiß er gar nicht und ich bin sicher, dass er
keine Ahnung hat, was ein soziales Netzwerk ist. Ich muss sagen, dass es
mich ziemlich verblüfft hat, dass die kurzen Nachrichtenspots bei Logo,
den ‚Kindernachrichten‘ bei Kika, so klar bei den Kids ankommen. Für
die ersten Schritte in Richtung Medienkompetenz fand ich das Ergebnis
heute ausgesprochen gelungen.

Ich bin mit Logo nicht immer
glücklich, insbesondere wenn ich im Gesicht die Fragezeichen auftauchen
sehe, wenn es etwa um Missbrauch, Krieg oder Holocaust geht. Oder die "kindgerechte
Aufbereitung" des Themas Terrorismus
. Andererseits weiß ich nicht,
ob ich es besser gekonnt hätte. Ich glaube, die Zielgruppe ist einfach
zu groß, bzw. sinnvoll wäre wahrscheinlich, Nachrichten zu machen für
Kinder bis etwa 10, und Nachrichten für Kinder, die älter sind. Das wäre
mal eine sinnvolle Verwendung der Gebühren für den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

So oder so war ich ziemlich
überrascht und auch ein bisschen stolz und begebe mich jetzt mit dem
medienkritischen Kind samt Schwester zum Buddeln auf den Spielplatz. 

 

Buzz off! Mehr Google-Bashing

Just während sich die deutschen Medien gemeinschaftlich in verdaulichen
Dosen Google vorknöpfen, hat der Konzern einen neuen Hype in die Welt
gesetzt: Buzz. Ein neues soziales Netzwerk.

Christian Fuchs hat wenige Tage später einen Text darüber geschrieben,
den ich insbesondere den Buzz-Groupies gern ans Herz legen möchte: 

Google Buzz: Economic Surveillance –
Buzz Off!
The Problem of Online Surveillance and the Need for an Alternative
Internet

Zu deutsch: Google Buzz: Wirtschaftsüberwachung – verschwinde! Das
Problem der Online-Überwachung und die Notwendigkeit eines alternativen
Internets.

Der gefiel mir als notorischer Google-Kritikerin, deswegen
versuche ich mal eine Zusammenfassung. Die Ideen und Recherchen sind
nicht von mir, sondern von Christian Fuchs:

Ausgangspunkt ist das
schlechte Abschneiden des vorigen sozialen Netzwerks von Google im
Vergleich mit etwa Twitter und Facebook. UserInnen hinterlassen in den
Netzwerken Massen an persönlichen Informationen, die als Quelle für
zielgerichtete Werbung Gold wert sind. Google ist selbst mit Google
Adsense im Online-Werbemarkt stark vertreten. Es liegt also nicht so
fern, ein deutliches Interesse an Optimierung ihrer Werbeangebote zu
unterstellen. 

Googles Mail-Service Googlemail, oder GMail, wurde
im Februar 2010 von ca. 150 Mio. Menschen benutzt.  Buzz wurde in GMail
integriert, denn damit verbreitete es sich quasi von selbst. Allerdings
passierte Google im Verlauf ein kleiner Datenschutz-GAU.

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