Dokumentation

Tagesschau Bgh G8

Das wissen jetzt zwar schon alle, aber es gibt Dinge, die gehören dokumentiert.

Bleibt noch hinzuweisen auf die Pressekonferenz der AnwältInnen der KlägerInnen. Die haben offenkundig sehr gute Laune. Wir auch. Wir wollen das jetzt mal nicht übermäßig reinreiben, aber die in verschiedenen Medien auftauchenden Gedanken dazu, ob die Frau Generalbundesanwalt ihren Job weiter machen sollte, finden wir auch nicht falsch. Nur nochmal zur Erinnerung einige Stichworte: "Geruchsproben", Wanze im Schlafzimmer, maskierte SEK-Beamte in Kinderzimmern, beschlagnahmte Arbeitscomputer und und und und und und.

So schnell kann’s gehen

Ein bisschen shoppen, Enkel fotografieren und .. zack! .. fertig ist das Terroristenpärchen: "A security guard told them that cameras were banned because of the risk of a terrorist attack."

Bisher hatte ich ja eher das Problem, dass Leute nicht verstanden haben, warum andere manchmal nicht fotografiert werden wollen (Stichwort "nichts zu verbergen"). Und dass mehr und mehr Menschen finden, dass Kameras mehr Sicherheit schaffen (ich habe gerade aus diesem Grund eine immens teures Sweatshirt bei Foebud’s erworben). Nu ist das also umgekehrt, und wahrscheinlich auch trotzdem gar kein Widerspruch.  

In dem Kontext bin ich noch über die ganz entzückende Global Incident Map gestolpert: "Terrorism Events and Other Suspicious Activity". Interessanter Beitrag zu unserem Preisausschreiben (das immer noch läuft!).

Warum das alles so ist, erklärte vor ein paar Tagen Juli Zeh ziemlich gut im Deutschlandfunk, die mit ein bisschen mehr Tiefgang als oft üblich erklärt, warum Staat und Privatsphäre eigentlich zwei paar Schuhe sind (mp3, flash). Dazu auch lesenswert "Auf dem Weg in den autoritären Staat" von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in den Blättern für deutsche und internationale Politik.

Gefunden bei Focus und Pickings.

1984 all überall

Was für ein Auftakt. Es geht um Überwachung und Sicherheit, wohin man guckt. Verfassungsklage Vorratsdatenspeicherung in wirklich allen Medien, dazu die Studie von Privacy International, bei der Deutschland im Ranking erheblich gerutscht ist, und Großbritannien will jetzt auch einen Hackerparagrafen. Dazu gab es gestern ein gutes Feature zum Thema Datenschutz von Hans Leyendecker im Deutschlandradio:

Ein tüchtiger Statistiker hat einmal ausgerechnet, dass jeder Brite bei
seinen Tagesverrichtungen bis zu 300- Mal am Tag gefilmt wird. Mehr als
vier Millionen Überwachungskameras gibt es in England. Die sprechende
Kamera erinnert an Orwells 1984, doch dieser Vergleich führt in die
Irre. Orwell wäre nie eingefallen, was es heute alles so gibt. …

Ein Frosch, den man in einen Kessel mit heißem Wasser wirft, springt,
wenn er denn kann, sofort wieder ins Freie. Setzt man ihn in einen Topf
mit kaltem Wasser und erwärmt das Wasser nur allmählich, bleibt er
drin. Aber seine Kräfte erlahmen. Wenn das Wasser sprudelt und kocht,
ist der Frosch tot. Auch die Privatsphäre verträgt zu viel Hitze nicht.

Zum hören als mp3 oder Flash.

 

Zum Ausgleich noch zwei Sachen, über die ich heute lachen musste, was das alles besser erträglich macht:

 

 

Responsible Behaviour

 

Responsible behaviour

(http://xkcd.com/364/#)

(Gefunden bei gulli, netzpolitik.org, Fefe und im IRC)

More best of..

Nachdem mein Blog seiner puren Existenz wegen jetzt zum Thema geworden ist, kann ich zumindest einleuchtend erklären, dass nicht nur die Annalistin in mir (annalist heißt ‚Chronistin‘ und ist mitnichten mein Name) den Überblick behalten will, sondern auch noch ein gewissermassen wissenschaftliches Interesse befriedigt werden will.

Ich habe also beim 24c3 dann vor allem über den Blog und weniger über das Verfahren selber geredet, weil gerade die Tatsache, dass ich über das Leben mit Überwachung blogge, Thema sein sollte. Ich bin Ende Oktober eingeladen worden, beim Congress zu reden, und als sich der erste Schock darüber, dass ich eine Stunde in diesem Riesen-Saal reden sollte, gelegt hatte, fing ich an, darüber nachzudenken, was denn den gemeinen Hacker interessieren könnte. Ich habe nachgefragt und Constanze Kurz sagte, dass gerade das Bloggen den Ausschlag gegeben hätte, also dass ich per Web 2.0 etwas öffentlich mache, das Betroffene von solcherart Verfolgung in der Regel für sich behalten. Genau darum geht es auch in vielen Nachfragen inzwischen: ist es nicht ein Widerspruch, sich gegen Überwachung zu wehren und die eigene Privatsphäre schützen zu wollen mit Hilfe eines Blogs, der sehr viel über dein Leben einer völlig unbekannten Öffentlichkeit mitteilt?

Es ist, allerdings habe ja nicht ich mir ausgesucht, dergestalt zum gläsernen Menschen zu werden, sondern das hat sich die Frau Generalbundesanwalt ausgedacht. Nehme ich an. Ich bin auch dazu  interviewt worden, zu hören hier. (Leider sind die Fragen schlecht zu verstehen, aber mit ein bisschen rauf- und runterregeln geht es.)

Zurück zum wissenschaftlichen Interesse: ich habe schonmal angefangen, Reaktionen auf den Blog zu sammeln und das hat sich für den Vortrag als sehr praktisch erwiesen, denn das hat es einfacher gemacht, rauszufiltern, welche Leute den Blog lesen und warum. Und weil es nun auch auf den Vortrag allerhand Reaktion gab, sammele ich die wieder ein. Natürlich könnte ich das auch ganz privat auf meinem Rechner machen, aber ich hoffe jetzt mal, dass es doch die eine oder den anderen auch interessiert. Wenn nicht, klickt einfach weiter.

Bedauerlicherweise kann ich den letzten ‚Best of‘-Post nicht einfach vervollständigen, weil die Blogsoftware von noblogs.org aus unerfindlichen Gründen verweigert, ihn zu updaten. Aus dem Grund hab ich auch irgendwann damit aufgehört, und nachdem das noblogs-Forum italienisch ist, sind meine Möglichkeiten relativ eingeschränkt, das in Ordnung zu bringen.

Lange Rede.. here they are:
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Safety knots

Every now and then, I have phone calls with the BKA (Federal Criminal Police Office). Or rather, I always have phone calls with the BKA, because everytime I am on the phone, the BKA is listening. To make it clear, because apparently concerning this, everythin is being misunderstood by everybody: I do not talk to the BKA. You just can’tt avoid that they are listing. And to make sure that the BKA is not misunderstanding this: I do not actively try to avoid it. Because, according to the files, every attempt to avoid this is „conspirative behaviour“ and thus at least in Andrej’s case virtually the direct indication that attacks are being planned, executed or at least confessed in written. Or that it is being prepared to plan, execute or confess. Insofar, I will keep my hands of behaving in any way conspiratively, which incidentally with such extensive surveillance measures is not particularly easy. That’s not right, I still use GPG. Not exactly consequent, but on the other hand I am not accused and in effect I have a certain right to privacy according to the constitution (Grundgesetz) and the Federal Constitutional Court (Bundesverfassungsgericht).

Which reminds me that I recently used the phrase „and then they will certainly think again that we are planning attacks“, while to my knowledge nobody thinks that I am plannning attacks at all and then internally bit my tongue, because I’ll have to fear that the BKA and the attorney general will now maybe think that I might want to plan attacks. Which is not the case (hello BKA, once more for your notes: I am not planning any attacks), but maybe they will interpret it in the way that I identify myself so much with all of this politically-repressive mess, that I am a part of it. Although, it is just the case that I am included in the surveillance and thus take it pretty personally, too. About the effects of having it in the written that all phone calls are monitored, I could write a lot more, maybe later.

Back to todays phone calls, they took pretty absurd turns: Andrej’s mobile „didn’t work“ – that happens often, which is not really a problem, except for maybe that the attorney says that the phone should stay on at all times, to make the impression … cf. above. He calls himself from a landline and reaches my mailbox instead of his
mobile. He then calls me from the same landline with the request to call his mobile, which I then do. And I reach my own mailbox with the challenge to enter my mailbox PIN, which normally only happens if I call it from a phone different then my mobile. Does something like this happen, because different agencies are listening in at the same time, or because the circuits were messed up? Are there communication technology apprentices that are practicising on us?

Furthermore, our emails partially do not arrive. Demonstrably, tested several times. I am completely mystified on how that can happen at all, but it does.

A nice example for this is Andrej’s attempt from yesterday evening, to subscribe himself to a so36.net mailinglist: no reaction atall to his -subscribe mails. Thus I tried the same thing as list administrator, yesterday night at 22:56, no reaction until today 21:28. He was demonstrably not on the subscriber list. This evening, the IT experts of BKA and co. seem to have sorted so far that mails are coming through again, by now he is subscribed.

Nearly exactly two months ago, the Berlin LKA forced open our door at 7 am, knocked my sweetheart to the floor, stormed our bedroom and the rooms of our children with drawn guns and since then, our life has been turned upside-down. I cannot say that I got used to it, especially because the authorities are doing their best to not let normality rise (that is maybe the idea behind it). Therefore, and because I am no longer that stunned as at the start, I have decided to document the daily insanity. More at einstellung.so36.net/en.


(First published in German Oct 3, 07. Thank you, 24c3 translators!)

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