Über (Medien über) Frauen im Netz

Zwei banale Alltäglichkeiten haben mir gestern die Laune versaut: erst die Ankündigung, dass die deutsche Ausgabe der Wired erscheint (prima), als Beilage der GQ (kotz). In schwarz-rot-gold. m(.

Gleich hinterher wurde ein neuer Elektrischer Reporter bekannt, Thema u.a. ‚Frauen und Männer‘. Stimmte nicht, Thema sind ‚Frauen im Netz‘. Gefühltes Fazit: Ist doch alles prima, es gibt doch genausoviele Frauen im Netz wie Männer. Mitgeteilt von einer Frau, die durchaus feministische Autorität ist bei dem Thema: Anke Domscheit-Berg.

Ich war platt. Anke auch.

Und der Aufreger? No. 1 teilt mit, dass Netzthemen in Deutschland was für Männer sind. No. 2 teilt mit, dass es keinen Grund gibt zu nörgeln, weil, ist ja alles prima. Weil das Gefühl, immer mal wieder von durchaus intelligenten Menschen mit dem kleinen Finger in die gesellschaftliche (Gender-)Steinzeit zurückgeschoben zu werden, eine wiederkehrende kalte Dusche ist, wollte ich nichts dazu schreiben. (Auch, weil die Kommentare zu sowas so unterirdisch sind). Dazu passt sehr gut Femischismus, von liva2loxIch wollte mich wirklich gerne nicht feministisch äußern.

Glücklicherweise hat Antje Schrupp das Problem gut zusammengefasst: Die Männer-Frauen-Endlosschleife. Da war dann auch der Platz für meinen Kommentar dazu.

Heute hat das Team vom Elektrischen Reporter das ungeschnittene Interview mit Anke Domscheit-Berg nachgeschoben, und das beleuchtet die Frage, wie zu erwarten war, sehr gut.

Für weitere Denkanstöße zum Rätsel, wieso Frauen so anders sind, empfehle ich noch: When did Girls start wearing pink?

Für die Kommentare wünsche ich mir, das erst gedacht und dann geschrieben wird. Die bekannten Variationen von a) „es gibt kein Problem“ b) „Ihr Feministinnen unterdrückt in Wahrheit uns Männer“ c) „wenn Ihr nicht über das Problem reden würdet, gäbe es kein Problem“, fliegen raus.

 

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34 thoughts on “Über (Medien über) Frauen im Netz

  1. Hi. Den letzen Absatz finde ich übrigens unpassend, soll man sich nun an dem orientieren, in dem, was man sagt? Plattes Niveau zu kritisieren, um dann mit platten Niveau anzukommen, wirkt etwas PLATT.

    Mir ist beim EP eher ins Auge gesprungen, dass das eine weitere langweilig zusammengestrickte Folge war, ganz im Gegensatz zu früheren Sendungen. Da wird nur noch versucht, die jeweilige Rubrik irgendwie rund zu machen. Es geht nicht darum, einem Thema gerecht zu werden. Indem dann Caroline Neumann hinter Anke Domscheit-Berg geschnitten wird, packt man das Nichtsogehaltvolle (Frauen müssen so wie Männer netzwerken) hinter das Gehaltvollere und überblendet letzteres. Das wird dem Betrachter durchaus klar. Eigentlich erwartet der ja bei einem präsentierten Thema eine inhaltliche Steigerung.

    Aber das ist halt der EP. Seitdem der zum ZDF gehört, hächelt man wie das ZDF Trends oder das, was man dafür hält, hinterher. Von sowas würde ich mir nicht die Laune verderben lassen.

  2. Vermutlich gehöre ich damit zu denjenigen, die Du mit dem letzten Absatz von einer Meinungsäußerung an dieser Stelle abbringen willst, aber ich verfolge diesen (und einige wenige andere Blogs zu dem Thema) nun seit einige Zeit und verstehe die Problematik nicht. Oder, genauer vielleicht, ich sehe nur, dass sich einige Frauen sehr über etwas ärgern, was ich nicht genau begreife, ich kann es irgendwie nicht festmachen.

    Hast Du einen Link, in der die Problematik, mit der Ihr Euch (und offensichtlich ich mich) gerade hier beschäftigen, mal genauer erklärt wird?

    Einer der Aufreger scheint zu sein, dass die „Wired“ in einem „Männermagazin“ erscheint. Die Zuordnung „Netzwerk+Technik“ zu dem Bereich der „Männerthemen“ scheint also problematisch zu sein. Ist das ein Teil des Problems?

    Wenn dem so ist: Wie sieht es mit anderen klassischen „Männerthemen“ aus? Ärgerst Du Dich auch darüber, dass Interesse an Autos klassisch Männern zugeordnet wird? Oder das Thema Fußball?

    Und wie sieht es mit dem umgekehrten Fall aus, stört Dich, dass in „Frauenzeitschriften“ wie z.B. der Brigitte über Rezepte und Beauty berichtet wird?

    Ich hoffe, ich provoziere Dich mit meinen Fragen nicht, denn das ist nicht meine Absicht. Ich will nicht in die Sparte “wenn Ihr nicht über das Problem reden würdet, gäbe es kein Problem” rutschen, sondern verstehen, worin das Problem, über das Du redest, besteht.

  3. Pingback: Too much information » Guten Morgen

  4. @Michel

    Problem sind nicht die konkreten Beispiele, das Problem ist das Gesamtpaket.
    Frauen machen alles Mögliche, und es wird anders rezipiert als bei Männern.
    Problem ist, dass Frauen ständig definiert werden – und damit reduziert.
    ‚Wo die Geschlechter doch so verschieden sind, ist das nicht normal?‘ – Ja, es ist normal, aber: Wer bestimmt denn, was genau die Unterschiede sind?
    ‚Willst Du alles gleich machen?‘ – Nein, aber ich will trotzdem mitspielen!
    ‚Männer trifft das doch genauso, und auch Frauen machen mit‘ – Ja. Und?
    Frauen werden gerne rezipiert als Spezifizierung eines Themas:„Frauen im Internet“, „Frauen als Führungskräfte“ – das nimmt dem eigentlichen Thema und damit den Aussagen der Frauen die Allgemeingültigkeit
    Es geht um die Gesellschaft, die wir gestalten: Ich will nicht als eine „Frau als Mensch“ wahrgenommen werden – sondern als Mensch. (Oder Bloggerin. Oder ggf. Führungskraft, oder, oder…)

    Noch Fragen?

    Beste Grüße!

  5. Pingback: Ich bin nicht eine „Frau als Mensch“ « die welt als wunstwerk

  6. Der Islam wird das nicht-existente Problem von Feministinnen in ein existentes verwandeln. Über das die Damen dann aber aus naheliegenden Gründen nicht mehr reden können.

  7. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Feminstinnen von der Web-Stange: Blogschau zum Wochenende

  8. @generator: Die Unterstellung unterschwelliger Absichten ist nicht konstruktiv.

    @liva2lox: Danke für Deine(n) Erklärung(sversuch). Ich muss zugeben, dass ich das Problem noch nicht komplett nachvollziehen kann. Entschuldigung, das ist keine böse Absicht und kein Versuch, irgendwen zu „zermürben“ (und ich finde es ein bisschen schade, dass ich mich dafür entschuldigen und rechtfertigen muss, aber ich habe das Gefühl, das ist nötig :-().

    So, wie ich Deine Aussage verstehe, möchtest Du trotz vorhandener Unterschiede zwischen den Geschlechtern dieselben Möglichkeiten haben („mitspielen“) wie alle Menschen (, also auch wie ein Mann), aber dabei nicht als ‚Spezialfall Frau‘ wahrgenommen werden, sondern als Mensch. Verstehe ich das so halbwegs korrekt?

    Ich versuche mal wiederzugeben, wie ich Deine Äußerung verstehe: Es gibt Unterschiede, aber wer hat schon die Kompetenz, diese zu benennen. Indem auf das Geschlecht einer Frau in bestimmten Bereichen besonders hingewiesen wird, wird ein vermeintlicher Unterschied zwischen Mann und Frau benannt (unabhängig davon, ob der nun in den Interessen und den Aktivitäten oder der Bedeutung und Verbreitung der Frauen oder Männer in dem Bereich liegt). Ist das ungefähr das, was Dich stört?

  9. Hallo,

    danke für den Hinweis. Mir ist das bei dem Genuss des elektrischen Reporters gar nicht aufgefallen, nun wird das klarer. Ich glaube, ich muss noch eine Menge lernen.

    Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss, im zweiten Absatz letzter Satz: Mitgeteilt von einer Frau, die durchaus feministische Autorität ist bei dem Thema: Anke Domscheit-Berg. Hier fehlt meiner Meinung nach ein unbestimmter Artikel. …die durchaus eine feministische Autorität ist…. oder das ist sollte in ein hat umgewandelt werden … die durchaus feministische Autorität hat.

    Grüße
    Helena

  10. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » The Never-Ending-Story

  11. Körperstraffung ist doch nur ein Marketingbegriff für Gymnastik, die auch die Muskulatur trainiert.

  12. Diese Einstellung, dass Gymnastik pfui ist, wenn sie Muskelstraffung heißt und von Frauen gemacht wird (oder Blogs über angebliche Frauenthemen nicht so relevant sind), die wird schon im Kindergarten erworben: Mädchenspielzeug ist doof, und ich bin ein Junge! Vielleicht wird das ja irgendwann besser, wenn Männer im Erziehungsalltag präsenter sind und Jungs ihre männliche Identität nicht mehr in der Negativdefinition suchen.

    Captcha mit accent aigu, sowas Kapriziöses hatte ich noch gar nicht. Was in so einer Frauendebatte alles passiert 😉

  13. Hihi.

    Der Eulenspiegel weiß, dass es kein anderes Bier für Frauen gibt. Aber Welt.de weiß, dass Bier bei Frauen anders wirkt!

  14. @Michel

    Link: zu was genau jetzt?

    Männerthemen / Frauenzeitschriften: jeweils ja, aber darum geht es hier gar nicht, sondern darum, dass die Wired als ‚Männerthema‘ deklariert wird darüber, dass sie einer ‚Männerzeitung‘ beigelegt wird.

  15. Pingback: Aus dem Leben einer Feministin: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück « Drop the thought

  16. danke Anne ! auch Ihren kommentar bei Antje Schrupp „unterschreibe“ ich sofort mit.

    gut zu wissen – wired ist ab sofort für mich no-go.
    es liegt an uns : einfach son zeugs boy-/girl-kotten.

  17. @anne
    Also, Du regst Dich darüber auf, dass das Magazin Wired durch die Beilage zu einer „Männerzeitschrift“ als „Männerthema“ deklariert wird?

    Mit anderen Worten, Du deklarierst die Inhalte der GQ automatisch als „Männerthemen“? Das wiederum finde ich durchaus problematisch, denn auch wenn GQ Gentleman’s Quarterly bedeutet, empfinde ich diese „Einsortierung in Schubladen“ als problematisch. Insbesondere ist es doch scheinheilig, sich darüber aufzuregen, dass ein Internet- und Technikmagazin als „Männerthema“ deklariert wird und gleichzeitig ein Magazin wie GQ mit seinem begrenzten Themenfeld als „Männermagazin“ zu bezeichnen.

    Ich jedenfalls möchte mich mit der GQ in keinster Weise identifiziert sehen. Was auf die Wired gar nicht zutrifft. Entschuldigung.

  18. @Angelika

    gut zu wissen – wired ist ab sofort für mich no-go

    Ich glaube, ein girl-cott wäre ungerecht gegenüber dieser Zeitung, und kann doch nur zu einer selbsterfüllenden Bestätigung der Annahmen von Marketing-Fachleuten führen. Man kann doch wired nicht vorwerfen, daß sie von GQ verlegt wird, und von keiner anderen Zeitschrift. Das ist doch nicht die Schuld von wired.

  19. Ich lehre verteilte Systeme und automatisierte Softwareentwicklung in der Wirtschaftsinformatik.

    Bei meinen StudentInnen erlebe ich nun seit über 10 Jahren immer dieselbe Enttäuschung, und das ausgerechnet in der Wissenschaft, die nun einmal wesentlich von Frauen geprägt wurde (vielleicht der einzigen bisher; wer weiss heute schon, dass Programmiersprache und Compiler von einer Frau erfunden wurden, Grace Hopper, und dass die ersten Hackerinnen allesamt Frauen waren, nämlich die ENIAC-Frauen: Mauchley Antonelli, Jean Bartik, Betty Holberton, Kay McNulty, Marlyn Meltzer, Frances Spence und Ruth Teitelbaum).

    Enttäuscht bin ich nicht nur über die Männer, die das alles für Männersache halten mit der Software; enttäuscht bin ich vor allem auch über die vielen Studentinnen, die das ganz genauso sehen, und sich auf den BWL-Teil focussieren.

    Da kann ich mir den Mund fusselig reden, die gesellschaftliche Konvention ist stärker. Die Frauen sind genau wie die Männer darauf geprägt, diesen nun wirklich völligen Blödsinn zu glauben, eine Frau könne nicht Software.

    Und ich stellte bisher in jedem Jahrgang Parität der Geschlechter in der Verteilung der Begabungen fest, keinesfalls aber im Selbstbild der Betroffenen. Da läuft was richtig schief in der Gesellschaft.

    Viele Grüsse,
    VB.

  20. @Volker Birk – es ist mEn nicht nur „gesellschaftliches“. sobald mensch „anders als … (erwartungshaltungen etc.) wird/ist/leben/arbeiten will, wird der „normative aussendruck“ einfach sehr stark und wenige können gegen diesen leben.
    im studium (hochbau nicht IT) wars bei mir ca. 50/50 (eine frau als prof, der rest männer). im beruf war und bin ich dann z.b. i.d. projektbesprechungen usw. zumeist die einzige dipl.ing./frau … unterdessen finde ich es un-er-träg-lich.

  21. Michael, es ist doch albern zu leugnen, dass sich GQ an Männer richtet. Es ist eine Zeitschift mit der Zielgruppe Männer (einer bestimmten Altersgruppe). Das schließt zwar nicht aus, dass das Heft auch manchmal von Frauen gelesen wird, so wie eben manches Brigitte-Heft auch von Männern gelesen wird. Aber die Schubladen Frauen / Männer betreibt in dem Fall die Medienbranche und nicht Anne. Ob die Zuordnung für die Leserschaft gemacht wird oder für die Anzeigenkunden, wäre eine spannendere Streitfrage.

  22. @michel:
    Kein Problem – ich bin noch nicht ‚mürbe‘
    Ja, soweit stimme ich zu, aber ich ergänze noch:
    – Die Fokussierung eines Themas auf den Fall ‚Frau‘ verengt nicht nur Frauen, sondern auch das Thema: Es geht dann nicht um allgemeine Aussagen zu z.B. ‚Technik‘, sondern um Aussagen zur ‚Technik in Bezug auf Frauen‘.
    – Es gibt empirische Unterschiede, die einen systematischen Fehler im System nahelegen, z.B.: Frauen verdienen weniger als Männer in vergleichbarer Position & Qualifikation.
    Wir können teilweise Ursachen ausmachen, die z.B. sein könnten: Frauen fordern weniger Gehalt und bekommen weniger geboten.
    Eine naheliegende Möglichkeit ist, zu sagen, dass Frauen eben auch mehr Gehalt fordern müssen. Also sind sie ja ‚irgendwie auch selbst schuld‘.

    -> Dazu finde ich zwei Fragen sehr wichtig:
    1. Warum verhalten sich Frauen eigentlich so, offenbar zu ihrem eigenen Nachteil? Hier spielt soziale Verstärkung sicher eine Rolle (das Verhalten, auf das positiv reagiert wird, wird erlernt) -> Konsequenz wäre, Verstärkung zu so ändern, damit sich Frauen mehr (stereotypisch) „männlich“ verhalten.
    2. Wollen wir das wirklich so? Also in diesem Beispiel, dass sich derjenige, der sich aggressiver verhält, durchsetzt? Ich will das nicht uneingeschränkt -> Konsequenz wäre, Verstärkung so zu ändern, damit stereotypes „männliches“ Verhalten insgesamt gelöscht wird.

    PS: Link zu mehr:
    http://wunstwerk.wordpress.com/2011/06/17/ich-bin-nicht-eine-frau-als-mensch/

  23. An und für sich wäre es ja angebrachter, Frauenzeitschriften zu girl-cott-ieren. Sie konditionieren doch die Interessen der Frauen. Kochen, Lifestyle, Diäten, Mode, die Royals, Feminismus, Liebe, Familie, Wohnung, Garten, Esoterik, Gesundheit, Religion, Kinder, Ernährung etc. sind Themen von Frauenzeitschriften, und das in verschiedenen Abstufungen beginnend von „Frau mit Herz“ und endend bei „Brigitte“.

    Was würden die Leserinnen dazu sagen, wenn in ihrer Zeitschrift Assembler-Code für den Atmel-Microcontroller auftauchen würde?

  24. @georgi – selbstverständlich plädiere ich seit mehr als 20 jahren dafür, dass auch/frauen diese sog. männer- und frauenzeitschriften woman-kottieren !
    ich selbst mache es zumindest so.

    und dank web kann ich als „vielleserin“ jetzt endlich problemlos und international/vielsprachig vieles lesen & sehen, was vor-web-zeiten einfach einen hohen logistischen aufwand erforderte bzw. oft fast unmöglich war. und sowieso, wenn frau nicht nahe oder in einer sog. grosstadt lebte.

    @liva2lox – das ist ja mE auch ein thema/problem der selbst- und fremdwahrnehmung. wenn ich mich sachlich und fachlich so verhalte, wie ich es als notwendig sehe, dann haben damit mEn viele männer ein problem, weil sie dann nicht auf der fachlichen ebene bleiben (und mich als potenzielle erotikpartnerin taxieren).
    ich bin nicht „aggressiv“ lediglich kompetent etc. das wird dann jedoch oft anders fremd-wahrgenommen (weil es „meiner tradionellen rolle als frau“ nicht entspricht ? my-foot) kein wunder, wenn ich dann „die einzige“ nicht nur auf der baustelle bin, und „die männer“ sich in ihrer männlichkeit gestört fühlen – im 21. jhd ?!

  25. Irene :
    Aber die Schubladen Frauen / Männer betreibt in dem Fall die Medienbranche und nicht Anne. Ob die Zuordnung für die Leserschaft gemacht wird oder für die Anzeigenkunden, wäre eine spannendere Streitfrage.

    @Irene: Davon gehe ich auch aus. Aber die GQ kümmert sich doch auch um Technik und so, jedenfalls gibt es auf der Webseite eine entsprechende Rubrik. Da passt die Wired doch wunderbar rein. Deswegen meinte ich ja, dass ich die Aufregung nicht verstehe. Ich beklage mich ja auch nicht, dass die Brigitte über, keine Ahnung, die Beziehungen und die Liebe berichtet und das somit zum „Frauenthema“ stempelt, obwohl ich mich auch für Beziehungsratgeber interessiere (Ja, tue ich.) Oder über Einrichtungsfragen. Oder über Kochrezepte.

    Wo ist der Unterschied zwischen der Wired in der GQ und einer Beilage mit Schnittmustern in der Brigitte?

    liva2lox :
    @michel:
    Kein Problem – ich bin noch nicht ‚mürbe‘
    […]
    -> Dazu finde ich zwei Fragen sehr wichtig:
    1. Warum verhalten sich Frauen eigentlich so, offenbar zu ihrem eigenen Nachteil? Hier spielt soziale Verstärkung sicher eine Rolle (das Verhalten, auf das positiv reagiert wird, wird erlernt) -> Konsequenz wäre, Verstärkung zu so ändern, damit sich Frauen mehr (stereotypisch) „männlich“ verhalten.
    2. Wollen wir das wirklich so? Also in diesem Beispiel, dass sich derjenige, der sich aggressiver verhält, durchsetzt? Ich will das nicht uneingeschränkt -> Konsequenz wäre, Verstärkung so zu ändern, damit stereotypes „männliches“ Verhalten insgesamt gelöscht wird.

    Freut mich, dass man sich hier so gut austauschen kann. Ich habe da durchaus schon oft andere Erfahrungen gemacht.

    Hier gehst Du allerdings davon aus, dass dieser Unterschied im Verhalten von der Erziehung(, Du deutest Klassisches Konditionieren an,) abhängt und ignorierst die Möglichkeit, dass unterschiedliches Verhalten auch angeboren sein kann. Ich bin auf dem Gebiet kein Experte, glaube aber nicht, dass eines der Extreme („Alles ist angeboren.“ vs. „Alles ist erlernt.“) der Wahrheit nahe kommt. Es wird meiner Ansicht nach irgendwo dazwischen liegen (und zwar irgendwo nahe der Mitte, denke ich).

    Natürlich ändert das nichts an der Frage, ob man durch geeignete Erziehung, Vorbildfunktion etc. die Geschlechterrollen einander angleichen sollte. Allerdings ist dies auch wirklich eine Frage, denn die Konsequenz einer, sagen wir, komplett „androgynen“ Erziehung betreffen ja nicht nur das Gehalt, sondern auch jegliches andere Verhalten. Denn stereotypisch männliches Verhalten gibt es schließlich ebenso wie stereotypisch weibliches und beides wäre danach weg. Wollen wir das? Ich bin mir nicht sicher.

  26. @Michel
    freut mich 🙂
    Ich habe genetische Verhaltensursachen nicht ausgeschlossen, nur nicht betrachtet. Ich glaube tatsächlich nicht, dass genetische Faktoren ursächlich für komplexe soziale Verhaltensweisen sind. Es wurde (bislang) z.B. noch kein „ich muss brav sein“-Gen identifiziert. Aber darum geht es auch gar nicht.

    Wir haben auch genetische Anlagen, jemandem, der uns anbrüllt (Chef, Kunde), eins auf die Nase zu geben. Der gute evolutorische Grund wäre Aggression, um zu überleben. Wir tun es aber nicht. Weil wir unser Verhalten steuern. Und das, was angemessen ist (als eine Grundlage dieser Steuerung) wird über soziales Feedback vermittelt.
    Wieso sollte alles, was irgendwie auf genetische Faktoren zurückzuführen ist, auch per se erstrebenswert sein?

    Lass uns doch einfach die Mechanismen ändern (übrigens m.E. operante Konditionierung & Lernen am Modell), und dann sehen wir, was noch übrigbleibt an tatsächlichen genetischen Unterschieden.

  27. @georgi
    Es ist eine bewußte Entscheidung der Wired Macher, sie der GQ beizulegen. So stellen sie das zumindest in ihrem eigenen Blog dar.
    Eine Entscheidung, die ich nicht nur für sexistisch halte, was einigen Leuten vielleicht sogar egal wäre (den Kommentaren auf wired.de nach zu schließen), sondern auch für dumm, da sie nicht dem erklärten Zweck dienen kann, den potentiellen Markt zu erkunden(selbsterfüllende Prophezeiung, mangelnde Unterscheidbarkeit von GQ- und Wired-Verkaufszahlen, etc).

  28. @Knut Hast recht, Knut… Habe das erst jetzt mitbekommen.

    Bewußter Sexismus ist aber hier wahrscheinlich trotzdem nicht im Spiel. Können denn Computer und BWL-Modelle sexistisch sein?

  29. Pingback: Feminismus, Genderdebatte und der Fußball… « weezerle

  30. Ich bin alt genug und habe hier beim Lesen ein deja vu: Gab’s diese Diskussion nicht schon seit über 40 Jahren und zwar periodisch immer wieder neu aber gleich? …wenn eine neue Generation Damen herangewachsen ist.

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