Gesichtserkennungs-Software gegen GlobalisierungsgegnerInnen

Canada Day Protest 2010Da geht ein Leuchten über das Fahnder-Gesicht: in Kanada wird Gesichtserkennungssoftware bei der Ermittlung von „RädelsführerInnen“ von Globalisiserungsprotesten eingesetzt.

Im konkreten Fall geht es um 28.000 digitale Bilder aus privaten und Polizeikameras plus 5-600 Videos, die während der Proteste gegen den G20-Gipfel im Juni in Toronto aufgenommen wurden. Sie wurden einem Gesichtserkennungsspezialisten eines Banker-Verbands (?!) (CBA – Canadian Bankers Association) zur Analyse übergeben, schreibt die Toronto Sun.

80% der Bilder wurden von Privatpersonen nach einem Aufruf der Polizei abgegeben, sich an der Identifizierung von Personen zu beteiligen, die vier Streifenwagen in Brand gesteckt oder Schaufenster eingeschmissen hatten.

Die Methode, Menschen auf Bilder aus unterschiedlichen Quellen mithilfe der Software des Banker-Verbandes zu analysieren, wurde vom G20-Ermittlungsteam bereits im Juli bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Die kanadische Polizei setzt überhaupt deutlich auf Crowdsourcing und hatte u.a. bei Facebook Bilder der Gesuchten veröffentlicht.

(Danke, Kees)

Bild: Flickr.com/nouspique, CC-Lizenz

6 thoughts on “Gesichtserkennungs-Software gegen GlobalisierungsgegnerInnen

  1. Kann man die Polizei auch veranlassen diese Software auf Bilder/Filme prügelnder Polizisten anzuwenden? Biometrische Merkmale sollten ausreichend erkennbar sein.

  2. Ah, jetzt verstehe ich erst wovor mich da diese bayerische Frau im Dindl immer so ausrücklich, die, die mich immer so an meine Mutti erinnert.

  3. Der Kommentar zu dem Flickr-Bild lautet ironischerweise „Digital cameras have become one of the best tools to serve democracy.“. Es ist eine Krux mit den Dingern, auf der einen Seite helfen Sie zunehmend Vergehen von Staatsdiener bei Großveranstaltungen unmittelbar öffentlich zu machen, auf der anderen Seite öffnet es der totalen Überwachung aller Teilnehmer & dem Denunziantem alle Türen. Das Randalierer über Privatbilder von hunderten Digicams dingfest gemacht werden kann argumentativ vertreten werden, dass ich aber bei Demos fürchten muss, dass um mich herum zehn Leute stehen, die mich – ggf. auch nicht beabsichtigt, weil ich einfach nur im Bild stehe – fotografieren und diese Bilder Privatfirmen zur Verfügung stellen, welche mit Software zuorden ob und wann, mit wem ich auf dieser Veranstaltung war, ist ein abstoßender Gedanke.

  4. Für mich ist nicht die biometrische Filterung sog. „Rädelsführer“ der zentrale Aufreger.
    Dieser Weg des algorithmischen Filterns von Datenbergern zu (vermeintlich) Relevantem ist gang und gäbe und daß sich dieser von Text zu Bild zu Bewegtbild entwickelt keine Überraschung.

    Viel schlimmer finde ich, daß — wenn es wirklich so sein sollte — 80% des zu analysierenden Materials von Privatpersonen stammt, die dieses wohl bereitwillig abgegeben haben, unter dem lächerlichen Argument der Sachbeschädigung (Streifenwagen, Schaufenster).

    Diese Leute müssen selbst bei den Demos gewesen sein. Wieso waren sie dort? Um zu protestieren? Wieso fallen sie dann den anderen Demonstranten in den Rücken?

    Ich kann dieses Verhalten beim besten Willen nicht nachvollziehen.
    Glauben diese 80%, sie wären nun dabei behilflich, Störenfriede aus „ihren“ Demos zu beseitigen?
    Ist ihnen nicht klar, welche Beihilfe zur Sortierung und Klassifizierung von Menschen sie dabei leisten?
    Auf dem Rohmaterial ist sicherlich mehr zu sehen als nur Steinewerfer etc.
    Außerdem liefern sie auch brav Bewegungsdaten von sich selbst ab, da sich Videobilder gut georeferenzieren lassen. Dazu kommt der Timestamp.

    Eine schizophrene Mentalität scheint es mir, an einem G20-Protest teilzunehmen und mit der freiwilligen Einreichung von Dokumentations-/(Privat)Überwachungsmaterial dem zuzuarbeiten, wogegen man vorher demonstrierte.

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