re:publica – Beobachtungen I oder „Lutsch das Mikrofon, Schlampe!“

Das.. war.. doch.. erstaunlich intensiv, dieser neue Selbstfindungsversuch der bloggenden Menschen. Jedenfalls vor zwei Jahren kam mir das so vor, als ob vor allem sehr viele Leute, mit denen ich sonst nie im Leben zu tun hätte, mantrahaft vor sich hinmurmeln "Wir sind etwas ganz besonderes, wir sind etwas ganz besonderes, und ihr versteht es nur nicht, aber wir sind total toll". Entsprechend bin ich letztes Jahr auch gar nicht hingegangen.

Wenn mich nicht Susanne Klingner – die dann leider LEIDER nicht kommen konnte – von der Mädchenmannschaft angestubst hätte, mit ihr gemeinsam das Panel "Das andere Geschlecht" vorzuschlagen, wäre ich womöglich dieses Jahr auch nicht hingegangen. Ich habe mich 1,5 Stunden mit Anna Berg, auch Mädchenmannschaft ("Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen") und Klaus Schönberger, ZHdK (Doing Gender, kulturelles Kapital und Praktiken des Bloggens) unterhalten. Ich glaube, wir waren nicht schlecht, auch wenn zwangsläufig nicht alle zufrieden waren. Nachdem wir verschiedenste Aspekte der Diskriminierung von Frauen im Netz, der Entstehung von Wichtigkeit und Relevanz und ob die wichtig sind, unterschiedlichen Zugang zum Bloggen, die Frage, ob das Netz nicht bloß die Realität abbildet und wo eigentlich die Erwartung herkommt, im Netz sei alles anders, diskutiert hatten, fragte ganz am Ende jemand, ob wir mal beschreiben könnte, was für Frauen im Netz eigentlich anders sei. Es bräuchte also viel mehr als 1,5 Stunden, nur, wer hört dann noch zu?

Das Publikum war sehr angenehm und gar nicht feindselig, was etwa angesichts des Niveaus der aktuellen Piraten-Genderdebatte auch hätte anders sein können. Antje Schrupp merkte hinterher an, dass es zuviel um Frauen als Opfer und zuwenig um Wünsche, Projekte, Erfahrungen ging. Maike Hank hat die Diskussion ein bisschen nachgezeichnet. In den Kommentaren dort wird kritisiert, dass zuwenig Neues gesagt wurde. Stimmt. Der Spagat dazwischen, vor nicht einschätzbarem Publikum nicht unverständlich und gleichzeitig nicht langweilig sein zu wollen, ist ein unlösbares Dilemma, fürchte ich. Manchen war es etwas zu zäh, schade, aber es gab auch viele positive Reaktionen. Ich jedenfalls habe sowas noch nie gemacht und fand das Resultat soweit in Ordnung.

Völlig überschattet wird die Diskussion von dem, was im Chat zum Veranstaltungsstream geschah. Piratenweib hat das sehr detailliert dokumentiert (unappetitlich!). Der Chat wurde überschwemmt mit Müll, der von einigen als sexistische Gewaltandrohungen und strafrechtlich relevante Pädophilie, von anderen als das gewöhnliche Verhalten von sog. Trollen interpretiert wird. Daraufhin wurde auch die Website von Piratenweib derart attackiert, etwas schwächer auch ein Artikel in der Süddeutschen (Frauen klicken anders) zum selben Thema. Klug wie immer dazu Antje Schrupp: Zwei, drei Gedanken zum Panel “Sexismus
im Netz”
. Lantzschi hat einen sehr persönlichen Appell geschrieben, mutig. Außerdem Anke Gröner, Sammellmappe, Loopkid.

Update: Hier stand was, was jetzt hier nicht mehr steht.

Wahrscheinlich brauche ich jetzt 3 Jahre, bis mich ich mich aus der Emanzenecke wieder rausgerobbt habe.

So ärgerlich ich finde, dass jetzt alle über den Chat reden statt über den Inhalt des Panels, so interessant und auch aussagekräftig (und deprimierend) ist die Debatte darüber, ob solche Kommentare überhaupt ein Indikator für Frauenfeinlichkeit im Netz seien. (Was denn sonst?).

Nele Tabler hat die Betreiber des Streams angeschrieben, wieso sowas eigentlich unmoderiert stehenbleibt und folgende Antwort bekommen

Auch wenn generell die Web 2.0 Gemeinde eine Meinungsfreiheit im Netz
fordert, und auch hier vor Ort auf der re:publica heftig für ein Netz
ohne Zensur gekämpft wurde, zeigen sich doch in einem einfachen Chat die
Grenzen des Erträglichen.

Mich würde Haltung der re:publica-OrganisatorInnen dazu interessieren. Ich nehme mal an, dass das vorher diskutiert wurde. Wenn nicht, warum nicht?

Bei der Veranstaltung und auch sonst wird übrigens öfters die Erwartung geäußert, dass die vielkritisierten Alpha-Blogger sich auch mal zum, na sagen wir mal in Web-Sprech, Gender-Gap äußern, oder auch mal Gewaltandrohungen thematisieren, die es gegen Blogger wie Bloggerinnen ja durchaus gibt. War da schon mal was? (An Äußerungen, meine ich).

Ein bisschen mitgenommen hat mich die dctp.tv-Reihe zur re:publica: 14 Männer. Hallo? Update: 17 Videos, und Miriam Meckel ist dabei! Doch ein Frau, die was zu sagen hat. Hat sie wirklich. Thema ist Privacy/Datenschutz und dann geht es auch noch um Frauen im Netz. Ich bin ganz angetan, und nicht nur, weil sie ungefähr dasselbe sagt, was ich dazu bisher auch gesagt habe. Kann sie natürlich viel eloquenter. (Haben die Männer die Frage auch gekriegt?).

Gestern abend gab es dann noch eine nettes, wenn auch zu lautes, Treffen der Girls on Web Society, der Vernetzung bloggender Frauen. Soll demnächst von Facebook befreit werden und in ein offeneres Format überführt werden, näheres bei der Mädchenmannschaft. Ich fände was Regelmäßiges in Berlin gut. Ansonsten gibt es demnächst zum Weiterdiskutieren das Gendercamp und das von Leena Simon angeleierte Vernetzungstreffen:
Digitale Medien für Frauen
. Mein Eindruck ist – und damit hatte ich echt nicht gerechnet -, dass
sich ein kleines feministisches Pflänzchen sehr engagiert durch den Asphalt bohrt. Ich
bin gespannt.

 

So. Und da gab es ja noch andere Themen. Aber daraus mache ich ein eigenes Posting, sonst liest das ja niemand mehr.

19 thoughts on “re:publica – Beobachtungen I oder „Lutsch das Mikrofon, Schlampe!“

  1. die forschungstorte oder auch elle mudkips (https://twitter.com/forschungstorte) gehört zu den Frauen, die noch nie diskriminiert wurden? wundert mich nicht, denn die dame, die findet, dass weibliche opfer aka feminazis an diskriminierung selber schuld sind, ist beim mobbing gegen andere frauen immer gern an vorderster front dabei (stichwort julia seeliger, bei twitter als zeitrafferin ständig zielscheibe bösartigster bemerkungen).
    elle mudkips gehört zu den frauen, die andere frauen diskriminierende und beleidigende männer anfeuern und damit legitimieren.

  2. Wenn Du die Chatbetreiber zitierst, warum lässt du das hier aus:

    „Wir werden heute Nacht eine technische Möglichkeit programmieren, um solche Beiträge zukünftig unschädlich zu machen. Wir hoffen diese Entwicklung morgen früh zum Einsatz bringen zu können.“

    Und bis dahin kann man sich ja einfach ein großes, rotes Stopp-Schild über dem Protokoll vorstellen.

  3. Mal ehrlich, ich denke es ist sehr falsch von Trollen auf Frauenfeindlichkeit zu schließen.
    Ja, es gibt Frauenfeindlichkeit im Netz. Nein, ich denke nicht dass es wesentlich mehr ist als im realen Leben.
    Und ja, die Leute die Anonymität und Publikum bekommen, die provozieren. Und Femnistinnen sind da besonders anfällig für, weil auf kleinen Provokationen schon großes Drama wird, was aus massenhaftem Provokations-SPAM wird sieht man ja gerade.

    Einfacher Tipp gegen Trolle: Ignorieren und kein Publikum bieten. Wenn Provokateure quasi keine Reaktion auslösen, wird es langweilig.

    Wer jetzt aber behauptet die Spammer sind ein deutliches Zeichen für ein Sexistisches Internet muss auch behauptet dann Nazi-Trolle an anderen Orten ein deutliches Zeichen dafür sind, dass das Internet rassistisch ist.

    Und gerade die Reaktion von Piratenweib massenhaft Screenshots online zu stellen vergrößert ja das Publikum, hätte sie nur „Macho-SPAM“ erwähnt ohne Screenshot, hätte keiner die bösen Zeilen mitbekommen, der nicht im Chat selber anwesend war.

  4. Ergänzung: Ich denke das Internet bietet ein sehr großes Potential gegen Diskriminierung, indem man einfach nichts über sein Geschlecht aussagt.

    Viele Leute posten unter nicht eindeutig männlichen/weiblichen Nicks, und keiner fragt nach dem Geschlecht, sondern man wird aufgrund seiner Meinung beurteilt.

    Wer aber stark betont Frau zu sein, der muss auch damit rechnen dass Leute die provozieren wollen genau diese Aussage dazu nutzen. Wer neutral postet, der wird über seine Meinung statt übers Geschlecht provoziert.

    Ist natürlich klar, wer betont Frau zu sein, legt wert darauf gerade weil er Frau ist geachtet zu werden, also wird er auch an der Stelle, die offensichtlich am empfindlichsten ist angegriffen. In einem sehr linkem Blog hingegen werden die Leute vermutlich mit Scheiss-Kommunisten oder was es da sonst für Vorurteile gibt angegriffen. Das was man besonders betont, das scheint wichtig und ist oft die Schwachstelle.

  5. Ich habe einige Vorträge via livestream verfolgt und einige natürlich verpasst. ^

    Ich fand prinzipiell den Chat neben dem Videofenster als stören, nervend und hab ihn einfach ignoriert – weil ich mich auf die Vorträge als solches konzentrieren wollte. Persönlich hätte ich mir einen Button gewünscht den Chat zu deaktivieren.

    Ich glaube daher nicht, dass man einen Chat, eingebettet in solch einer Streaming-plattform als Maßstab für irgendwas nehmen kann. Er ist schnell, anonym, jeder kann drauf los schreiben – es gibt keinerlei Moderation – das führt zu Trollerei per Definition, unabhängig vom Thema. genauso wahren z.B. die Kommentare bei der Session zum Urheberecht absurd.

    Ich frage mich ob solch offene Chat-plattformen überhaupt eine Überlebenschance haben.
    Ich bevorzuge für kurze Statements oder Zitate eher Twitter – das (so sagt man) Durchschnittsalter dort liegt bei ca. 30 ^ Während die Twitterwebside nur die Möglichkeit bietet User zu blocken entwickeln sich Clients heraus, die auch anbieten User oder Hashtags für eine Weile zu muten. Hier werden einen immer mehr Werkzeuge an die Hand gegeben selbst zu regulieren.
    Es gibt genauso die Möglichkeit den Facebookchat einzubinden – wenn die Menschen mit ihren Klarnamen erkennbar sind – so verhalten sie sich auch schon wieder ganz anders.

    Jede Plattform hat seine eigene Sprache – Verhaltensmuster ect pp hier und da möge sich diese vermischen und es gibt Gemeinsame Nenner und trotzdem funktioniert jedes System auf seine eigene Art und Weiße.

    Aufgrund des Chats die „Frauendiskriminierungskeule“ heraus zu holen – weil sich im Zweifelsfall pupertäre Kiddies austobten find ich etwas weit hergeholt und einseitig. Das es leider Sexismus im Web wie im Real Life gibt steht außer Frage – und ich finde es absolut wichtig dem Nach zu gehen. Meiner Meinung nach bei der nächsten re:puplica einfach den Chat weg lassen (oder die Möglichkeit zu bieten ihn zu deaktivieren) und auf andere Tools wie Twitter oder Facebook setzen.

    mfg Dirk 😀

  6. Die Entscheidung ein Blog zu lesen, und zwar dauerhaft und im Abo zu lesen, fällt bei mir, wenn der Inhalt interessant ist. Ich kann bei 95% der Blogs, die ich regelmäßig lese nicht sagen wer sie schreibt/veröffentlicht und um ehrlich zu sein ist es mir auch egal. Relevanz hat in meinen Augen nichts mit der Person/dem Geschlecht zu tun. Mir fällt jedoch auf, dass sich in letzter Zeit sehr viele Beiträge mit dem Thema Unterdrückung der Frauen „im Internt“ beschäftigen. Während ich mir also einen solchen Artikel durchlese schwebt in meinem Hinterkopf immer und immer wieder die Frage, was denn das Ziel einer solchen Debatte sein könnte. Natürlich ist das ein unausgewogenes Bild, wenn Philip Banse bei den republica-Interviews mit einer Ausnahme nur männliche Publizisten vor der Kamera hat. Aber wo ist das Problem? Vielleicht wird deutlicher was ich sagen will, wenn man es von einer anderen Seite sieht. Nicht von der Seite des Angebots, sondern von der Seite der Nachfrage, der Klicks. Angenommen die Anzahl der Abrufe aller Interviews summiert, liefert ein ausgeglichenes Ergebnis.

    Vielleicht brauche ich noch ein bisschen Zeit, bis ich das eigentliche Problem verstanden habe. Fest steht jedoch, dass nur das gelesen wird, was für potentielle Leser interessant ist und daher glaube ich, dass diese ganze Männchen/Weibchen-Debatte nichts als Luftboxen ist.

    Wem die Argumente ausgehen, der greift halt zu anderen Methoden, Westerwelle konnte zuletzt ja auch keiner mehr leiden, NUR weil er schwul ist. m(

  7. Ich sehe – zugegebenermaßen als Mann – ebenfalls keine Anzeichen für eine signifikant höhere „Frauenunterdrückung“ im Netz als in der Realität. Ich sehe aber auch in der Realität nicht viel Frauenunterdrückung.

    Ich lese annalist teilweise, weil ich die produzierten Inhalte teilweise interessant finde. Das gilt für alle Blogs, die ich lese. Bei den meisten Blogs kenne ich nicht das Geschlecht des Autors. Und es interessiert mich auch nicht. Es mag Menschen geben, die Blogs danach beurteilen, ob der Autor männlich oder weiblich ist. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass viele Menschen so vorgehen. 🙂

  8. Liebe Anne,

    recht herzlichen Dank für deinen sehr sachlichen und ausgewogenen Artikel. Du hast es geschafft, das Thema mit dem notwendigen Abstand darzustellen, was mir gestern leider nicht gelungen ist. Vielleicht hätte ich einen Tag warten müssen.

    Ich finde es aber ausgesprochen zynisch von den Kommentator/innen hier, zu behaupten trolling á la KC wäre „normal“ und die Frauen sollten sich doch bitte schön nicht so haben. Und überhaupt sind sexistische Trollkommentare ja gar nicht sexistisch. Hallo?

    Elle Mudkips ist offensichtlich weibliche Äquivalent zum „lila Pudel“ (wie feministische Männer von Maskulinisten gern bezeichnet werden).

    Übrigens war das Kommentieren auf meinem Blog ja gewollt, denn ich habe bis gestern abend alle Kommentare freigeschaltet, egal wie grottig sie waren. Das sollte die Dimension der Debatte verdeutlichen. Jetzt werden nur noch sinnvolle Beiträge freigeschaltet.

    Aber das war gestern nicht mein Hauptproblem. Viel schlimmer waren ganz andere Attacken: so wurde mein Blog mit gefakten Twittercomments zugespammt, und zwar derartig vielen, dass er zeitweise nicht mehr zugänglich war und nur noch Fehlermeldungen produzierte. Noch schlimmer: das Faken meiner eMail-Adresse. Mit der gefälschten Adresse wurden per Remailer eMails an nicht existente Adressen gesendet, so dass alle zurückkamen und mein eMailprogramm mit Fehlermeldungen des Mailerdemons überschwemmt wurde. Wer weiß, was noch mit der gefälschten EMail-Adresse angestellt wurde …

    Also, Elle – so etwas findest du lustig? Ich finde das beschämend.

  9. Elle Mudkips ist jetzt vermutlich sehr stolz auf sich. Und auch auf ihren Vortrag über Meme, der nach einer qualvollen halben Stunde Fremdschämens endlich vorbei war. Nicht ohne Grund ergab sich im Anschluss keine Diskussion. Worüber auch, nachdem die Vortragende vorher seltsam auf der Bühne umherstolperte und Wirres über Märchen und Kultur im Allgemeinen von sich gab ohne auch nur einen Fingerbreit dem Thema „Mem“ näherzukommen.
    Schämen muss ich mich auch über diejenigen Bernds, die den Chat mit stark redundantem Text fluteten. Das war selbst für Menschen, die die Insiderwitze kannten ungefähr so lustig wie einem Dreijährigen Kind den Lutscher wegzunehmen und auch ähnlich anspruchsvoll.

    Denn auch wenn es die Leser hier nicht glauben können: Der ein oder andere Mensch, der auf Krautchan Zeit verbringt interessiert sich für Genderthemen und würde sich gerne an einer Diskussion beteiligen. Dass dann gerade eine solche Veranstaltung so billig trolliert wird macht einen traurig.

    War jetzt die Attacke Bernds auf FeministInnen Zufall? Einerseits nein, Bernd sieht sich als Opfer der Emanzipierung und macht „moderne“ Verhältnisse dafür verantwortlich, dass er ungefickt bleibt.
    Andererseits ist dieses Selbstbild auch ironisch überzeichnet und oft schlicht gelogen: Viele Bernds sind im relaen Leben offene, aufgeklärte Menschen, die mal gerne die Sau rauslassen. Wer auf Krawall gebürstet ist und sich zu fein ist sich mit Hooligans zu prügeln tobt sich dann eben auf dem Unterbrett /b/ aus.
    Dieser Post wird sicher für einen Aufschrei auf den entsprechenden Kanälen sorgen, aber das war es mir echt wert.

    zl;ng: Bernd, schäm dich was!

  10. Ich tue mir schwer damit, jemand persönlich und in der Öffentlichkeit zu kritisieren, selbst wenn dieser jemand sich vor eine Öffentlichkeit stellt und dort in der Währung Aufmerksamkeit seinen Lohn sucht.
    Andererseits gehört es in diesem Fall vielleicht doch zur sachlichen Debatte.
    Der Vortrag von Elle war mit Abstand – mit sehr großem Abstand – der schlechteste Vortrag, den ich auf der re:publica sah. Normalerweise schweige ich mich über diese Pleiten – kann ja mal passieren – aus. In diesem Zusammenhang, sollte ich vielleicht aber erwähnen, warum der Vortrag so schlecht war, obwohl Elle sicher eine Menge theoretisches Wissen über das Vortragsthema hat. (Das schließe ich nicht aus ihrem Vortrag, sondern über das, was ich in ihrer Biografie gelesen habe.)

    In ihrem Vortrag kam davon leider nichts rüber – und nichts wäre ja noch neutral und wertfrei. Sie kam als Clown rüber. Ein Clown, der seine Karten hier und dahin legt, der den immer gleichen süffisanten Tonfall übt, egal, was er auch sagen will.
    Ein Clown mit himbeerfarbener Mädchenfahne.

    Dass der Clown nun zu dir sagt, diese miesen Sexualspinner kämen von ihrem Forum, macht mich wütend und wenn ich persönlich oder organisatorisch betroffen wäre, würde ich Strafanzeige stellen.

    Ja, so bin ich. Ich mag keine Gewalt und bin der Meinung, dass es richtig und wichtig ist gegen Gewalt vorzugehen und wenn es eine sichtbare, erkennbare, sich selbst benennende Person gibt, die von sich selbst sagt, dass sie diese Drohungen und sexuellen Nötigungen – und um nichts anderes geht es ja – mitzuverantworten hat, dann würde ich es für fahrlässig halten, dem nicht nachzugehen.

    Huch, wo bin ich da nur reingeraten, denke ich mir. Wo leben wir denn? Wir leben in einer Gesellschaft, deren Kultur wir mitzuverantworten und mitzutragen haben. Und Gewalt ist nicht duldbar. Zu keiner Zeit, an keinem Ort.

  11. @allo: Also die Frage m oder w kam früher in Chats gerade bei uneindeutigen Nicks sehr schnell und auch heute kann man kaum im Netz unterwegs sein ohne nicht früher oder später eingeordnet zu werden. Ich frage mich auch immer, welches Geschlecht mein Gegenüber da hat. Und es ist definitiv ein Unterschied, ob ein Troll trollt oder gezielt Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderungen etc aufnimmt.

    Am Ende passiert dabei etwas, das nicht passieren sollte. Blogger_innen und Kommentator_innen überlegen dreimal, ob sie sich als Frau, homosexuell oder behindert outen, um einen möglichen Shitstorm nicht zu „provozieren”. Anders sein und eine Meinung haben sind aber völlig legitim, dass sollte heute niemand mehr verstecken müssen. Beleidigungen, Beschimpfungen, Morddrohungen etc dagegen sind scheiße und illegal, das Internet ist entgegen anderslautender Behauptungen schließlich kein rechtsfreier Raum.

  12. @ allo, du schriebst:

    „Wer aber stark betont Frau zu sein, der muss auch damit rechnen dass Leute die provozieren wollen genau diese Aussage dazu nutzen. Wer neutral postet, der wird über seine Meinung statt übers Geschlecht provoziert.

    Ist natürlich klar, wer betont Frau zu sein, legt wert darauf gerade weil er (sic!!) Frau ist geachtet zu werden, also wird er (sic!!) auch an der Stelle, die offensichtlich am empfindlichsten ist angegriffen.“

    Nein. Kritik an Männern wird, auch wenn sie unsachlich oder unangemessen geübt wird, selten auf ihr Geschlecht bezogen. Bei Frauen sieht dies anders aus, da liegen bekannte frauenfeindliche und diffamierende Bezeichnungen häufig schneller auf der Zunge.

    Frage dich bitte, wie du darauf kommst, dass Frausein eine empfindliche Stelle darstelle: Vielleicht, weil es mit so viel Abwertendem konnotiert ist? Ich denke schon. Wenn ich mich im Netz entweder männlich oder neutral (was auch immer das sein mag, ich vermute: ebenfalls männlich) geben muss, stimmt etwas an den Strukturen im Internet nicht und nicht etwa etwas an meinem Geschlecht.

  13. Wenn das MöchtegernPiratenWeibchen mit *64* Screenshots auf ihrer Website den Unsinn wiedergibt, den irgendwelche in den Chat kopiert haben, kann als Ergebnis nur gelten: Die Terroristen haben gewonnen.

    Ernstzunehmen sind die Veranstaltung und die TeilnehmerInnen nur, hätten sie diesen Quatsch von sich abtropfen lassen.

  14. Selbst wenn die Wortmeldungen wohl wirklich von „krautchan“ (dem deutschen 4Chan) gekommen sind und damit wohl von Menschen, die sich mit unglaublicher Härte und „Hass“ ohne Tabu über alles „lustig machen“ ist das kein Grund, die Diskriminierung von Frauen im Netz (und anderswo) runter zu spielen.
    Das beste Mittel gegen Trolle ist Ignorieren. Dazu sollte es technische Möglichkeiten geben. Leute, die andeuten, es könnte sich bei dem bannen von Spammern und sonstigen Trollen um „Zensur“ halten, müssten konsequenterweise auch ihren Spamfilter ausschalten.

    Ich habe den Vortrag leider nicht sehen können, gibt es ihn schon irgendwo online im Netz?

  15. Ich denke allo hat was die Substanz dieser speziellen Geschichte angeht schon gar nicht so Unrecht.

    Was mich allerdings erschreckt, dass die Betreiberin dieses Blogs ein persönliches Gespräch frei paraphrasiert und dann hier „zum Abschuss“ freigibt. Wenn man keine Lust hat sich in Persona auseinanderzusetzten, und dass dann so hintenrum macht entsteht bei mir ein eher ungutes Bauchgefühl. Egal wer eigentlich die nachvollziehbareren Argumente vertritt.

  16. @allo: „Mal ehrlich, ich denke es ist sehr falsch von Trollen auf Frauenfeindlichkeit zu schließen.“

    Hm, wer schließt denn? Es geht hier um die Kommentare der ‚Trolle‘, die sich frauenfeindlich und beleidigend im Chat zu dem genannten Vortrag geäußert haben. Das war sexistisch und strafrechtlich relevant (§185 ff StGB = Beleidigung). Was die anderen ‚Trolle‘ so auf Krautchan von sich geben ist irrelevant.

    Zu den Worten ‚Troll‘, ‚Shitstorm‘ etc.: Ich finde es falsch den 4chan-Jargon, der auch von den Kautchan-Usern benutzt wird, ungefragt zu übernehmen. Eine Art ‚Ärgern‘ kann man gerne als ‚Trollen‘ bezeichnen, wenn es aber um handfeste Beleidigugen geht, sollte man von verharmlosenden Slangworten Abstand nehmen, und die Sache beim Namen nennen. Ein ‚Shitstorm‘ ist auch etwas anderes als diese verunglückte Aktion der Krautchan-Leute.

    Wer sich mit Mems auseinandersetzen möchte, der kann Dinge bei http://whatport80.com/Main_Page (ist der Safe-For-Work-Ableger der Encyclopedia Dramatica) durchlesen.

    Was ‚Elle Mudkips‘ (Forschungstorte) angeht: Sie ist mir in den letzten Monaten oft negativ auf Twitter aufgefallen, gerade was die Diskussion um die Piratinnen-Initiative angeht. ‚Mudkips‘ ist ein 4chan-Mem (anscheinend auch von Krautchan übernommen) und somit ein ‚telling name‘.

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