Ein Tag im Leben eines Terror-Verdächtigen

Der Guardian erzählt die Geschichte von Mahmoud Abu Rideh, der seit 2005 mit einer Control Order lebt. Control Orders "beschützen die britische Öffentlichkeit vor dem Risiko des Terrorismus". Aktuell leben 20 Menschen in Großbritannien mit Control Orders.

Mahmoud Abu Rideh wurde 2001 festgenommen, war 23 Stunden täglich in Einzelhaft und wurde nach vier Jahren mit Control Order entlassen. Er hat bis heute nicht erfahren, was ihm vorgeworfen wird. Es gab keine Anklage, kein Verfahren und keine Akteneinsicht. Seit der Control Order vor vier Jahren darf er sich mit niemandem verabreden, darf weder Bankkonto noch Handy haben und darf nicht ins Internet. All dies betraf auch seine Frau und seine sechs Kinder, die ihn schließlich verlassen haben. Ein Ende ist sowenig absehbar wie er weiß, warum das alles passiert.

Mehrmals am Tag muss er zur Kontrolle die Polizei anrufen, das erste Mal um drei Uhr morgens. Es ist in dieser Situation unmöglich, einen Job zu finden. 

Er hat mehrmals versucht, sich umzubringen.

Ich bin allein. Ich habe keine Freunde. Alle haben Angst davor, mich zu treffen. Ich bin schon vorher der Folter entkommen, und jetzt werde ich von der britischen Regierung  gefoltert. Ich bin wie eine Maschine. Ich fühle nichts mehr. Ich bin schon tot.

15 thoughts on “Ein Tag im Leben eines Terror-Verdächtigen

  1. dass so etwas hier in europa möglich ist. wie tief müssen die moralvorstellungen in unserer gesellschaft schon gesunken sein, wenn menschen mit voller absicht zerstört werden?
    ganz, ganz böse…

  2. Und die Briten wollten da mal irgendwas mit Demokratie im Nahen Osten machen, hab ich irgendwie in Erinnerung. So sieht also eine demokratische Rechtspflege aus.

  3. kafkaesk!
    kafkaesk!
    kafkaesk!

    Um nicht zu sagen: Geradezu auf eine kafkaeske Weise kafkaesk! Wie sagt man dazu auf englisch? „orwellesk“?

    Aber wahrscheinlich würde selbst die Lektüre von Orwell und Kafka bei den britschen Sicherheitsverantwortlichen kein Umdenken erzeugen, solange sie Dystopien mit Utopien verwechseln. Und hierzulande ist man (fast) genauso drauf. Siehe Schäuble und Depenheuer.

  4. Pingback: Duckhome

  5. Manchmal denke ich mir schon „Mensch, Benny, du bist langsam etwas paranoid, schließlich gibt es hier in Europa noch sowas wie Menschenrechte (auch wenn immer mehr versucht wird diese zu beschneiden).“
    Trauriger Weise wir dieser Fall in den hiesigen Medien nicht (okay, jetzt ja schon, leider „nur“ in einem Blog – bitte nicht falsch verstehen =)) behandelt. Es wird Zeit die Augen aufzumachen, den Mund zum Sprechen, die Hände zum Schreiben und die Beine zum Demonstrieren zu nutzen. In diesen Ländern, in Deutschland muss etwas passieren.
    Danke für diesen Blogeintrag! Völlig entsetzt
    Benny

  6. Leider war ich zu doof das captcha richtig einzutippen. Aus Faulheit deshalb nur meine Kernaussage meines Kommentares:
    Etwas muss sich ändern. In Deutschland. In der EU. Wir müssen laut sein.
    Danke für diesen Artikel.
    Benny

  7. Wenn ich sowas lese, werde ich echt wütend. Ich hoffe bloß, dass es in Deutschland nie auch nur im Entferntesten soweit kommt 🙁 Ich habe das auch mal im Piratenupdate der Piratenpartei SH verwurstet:
    http://sh15.nordpiraten.net/…pf-gegen-den-Terror

  8. …von wegen in Deutschland nicht möglich, meine Frau wurde im November 2008 im Gerichtssaal Amtsgericht L., Bayern, verhaftet und im Untersuchungsgefängnis Traunstein misshandelt unter Richter H. und Staatsanwalt S. (mit Folter und Erpressung etc…), wird bis heute vertuscht, habe zahlreiche Anzeigen losgeschickt, diese werden nicht mehr bearbeitet. Der unterstellte Anfangsvorwurf war “ Fahren ohne Versicherung“, aber alle Papiere und zusätzliche Bestätigug der Versicherung wurden vom Richter Hellenschmidt vom Tisch gewischt ohne nähere Betrachtung…Polizeistaat Deutschland Nazis in Bayerischen Gerichten… Nein Danke, aufwiedersehen!!!
    Grüße, Milo Wukoff
    (Nahme geringfügig geändert)

  9. Hi,

    weil Deine Vorwürfe für mich nicht überprüfbar sind, habe ich sie anonymisiert. Das bedeutet nicht, dass ich nicht glaube, was da steht, aber ich würde gern vermeiden, von den benannten Herren eine Klage oder was auch immer wegen Verleumdung zu kriegen.

  10. Hallo LeserInnen,

    ich habe auch schon (kleine) Menschenrechtsverletzungen in der Schweiz, Zürich, erlebt.
    (zB Festnahme ohne Rechtsgrundlage, „Platzverweis“ bzw „Wegweisung“, rund 6 Jahre bevor ein entsprechendes Gesetz in Kraft trat usw.

    Die Frage ist, wie gehen wir vor?

    Oh, noch ne interessante Frage:
    Bei meinem Telefon rief mal eine Nummer an.

    Als ich zurück rief, kam nach rund 5-7 mal klingeln der Anrufbeantworter (AB) eines Mannes, der seinen Namen und seine Firma (schweizerische Telekommunnikations-Firma) nannte.
    Als ich erneut zurück rief (am selben Vormittag) kam ein bestimmtes „Bundesamt“.
    (Nein, keine Staatsschutz-Abteilung sondern ein harmloses Amt).

    Ich probierte es aus und ca alle 10 Min änderte sich das Ergebnis.

    Die beim Bundesamt fanden unter meinem Namen auch keine Akte etc und wussten nicht, wer mich angerufen haben könnte.
    Den AB (der abwechselnd kam) schwafelte ich voll, wurde jedoch nie zurück gerufen.

    Ich bin politisch aktiv, von besetzten Häusern bis illegalen Demos (aber nie gewalttätig etc).

    Dieses Jahr war mein Telefon aber meist ’normal‘.

    (Ich könnte euch die Tel-Nr zur Verfügung stellen, die mich mal anrief, bzw sollte selber mal wieder dort anrufen).
    Tja, wie finde ich raus, ob ich überwacht werde?

    (Ich war auch mal in Strafverfahren verwickelt, der Staatsanwalt versicherte mir aber, es habe nie eine Überwachung gegeben.)

    Die Frage ist für mich auch: Wieso ist sowas die totale Isolation bei euch in Deutschland möglich, wo doch das BundesVerfassungsGericht (was es in CH gar nicht gibt) gibt, überhuapt möglich?

  11. Der Fall ist auch amnesty international eine Eilaktion wert. Die Aktion läuft noch bis zum 17. Juli, also Briefe schreiben, bitte! Ihn werden auch Reisedokumente verweigert, so daß er uk-Land auch nicht verlassen darf. Am besten einfach mal seinen Namen bei amnesty.de eingeben, es gibt inzwischen etliche Artikel mit ausführlichen Hintergrundinfos dazu.

  12. Der Richtername H. ist beim zweitenmal noch ungekürzt geblieben.

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