Meine NSA-Zeitleiste, deine NSA-Zeitleiste

zeitleiste-dresdenÜber die Unfähigkeit deutscher Medien, das Netz zu benutzen

Heise hat heute morgen eine Zeitleiste zu den Snowden-Leaks gelauncht. Nicht ganz passend wird sie als NSA-Überwachungsskandal bezeichnet, obwohl es ja um deutlich mehr Geheimdienste als nur den NSA geht. Aber darum geht’s hier nicht.

Zeitleisten zu den Leaks sind an sich gut und hilfreich für alle, die versuchen, halbwegs den Überblick zu behalten.

Was ich in letzter Zeit ärgerlich finde ist, dass die diversen Online-Versteher_innen und Wir-sind-das-Netz-Medien nicht in der Lage sind, das Netz dazu zu nutzen, wozu es gut ist: zum Vernetzen. Und jetzt haben wir also nicht eine gut aufbereitete Zeitleiste, sondern zig davon. Jeweils mit den Berichten des eigenen Mediums. Manche immerhin mit Links auf die Original-Meldungen, manche nicht mal das. Manche haben auch bloß Foto-Klickstrecken. Braucht auch niemand wirklich. Niemand klickt, blättert, liest sich mal eben von vorn bis hinten durch alles, was wir seit Juni erfahren haben. Es ist zu viel. Eine Zeitleiste oder Chronologie hilft zum Nachschlagen, beim Recherchieren, oder als Grundlage einer Analyse oder Zusammenfassung. Sonst braucht das einfach niemand, behaupte ich.

Sicher gibt es mehr, viele enden irgendwann, z.B. diese von heute.de: Die NSA-Spähaffäre – eine Chronologie (aber es gibt auch viele andere). Vor meinem inneren Auge sehe ich zig Praktikant_Innen oder Volontär_innen, die aus den jeweils eigenen Archiven stupide Meldungen copy&pasten.

Wie schön wäre, wenn es eine Kooperation gäbe. Wenn die Original-Meldungen übersichtlich sortiert wären, dazu gern die Interpretationen und zusätzlichen Recherchen oder de jeweilige Bedeutung nach Ländern, Geheimdiensten, Technologien sortiert. Erstellt von einem Team von Volos von Heise, Golem, Spiegel Online, Süddeutsche, die gemeinsam EIN Projekt betreiben. (Und die diversen Medien sich endlich dazu durchrängen, auch anderswohin zu verlinken.)

Undenkbar, ich weiß.

Foto: rhoadeecha via Photopin BY-NC-ND-Lizenz

6 thoughts on “Meine NSA-Zeitleiste, deine NSA-Zeitleiste

    • Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, sieht es vielleicht nach Vielfalt aus. Jeder Ansatz für sich bleibt aber eintönig. Idealerweise würden die Macher dieser Zeitleisten sich nicht nur auf ihr eigenes Material beschränken.

  1. Du hast durchaus Recht mit Deinem Wunsch, das Netz als Werkzeug der Vernetzung zu nutzen. Vergiss dabei jedoch nicht, „Medien“ wollen in erster Linie mit ihrem „Medium“ Geld verdienen, in zweiter Linie „Meinung“ und erst dann „Information“ verbreiten. Vor ein paar Tagen habe ich mir Ströbele bei Beckmann im Fernsehen angeschaut und war belustigt und schockiert zugleich von den hanebüchenen Äußerungen dieses Bildzeitungsredakteurs Reichelt (mein Anlass, das hier zu kommentieren).
    Prinzipiell muss ich Isabell Prophet zustimmen. Medienvielfalt ist wichtig und kann ja sogar belustigend sein – jedoch gibt es in dieser Vielfalt Auswüchse, auf die man gerne verzichten möchte…

  2. Deine Kritik ist schon richtig. Das hätte man wirklich besser medial aufbereiten und gleichschalten können.

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