Verbieten! Verbieten? Guardian analysiert Riot-Tweets

Der Guardian und dessen konkurrenzlose Daten-Journalismus-Abteilung, haben 2,5 Mio. Tweets ausgewertet, die im Zusammenhang mit den Krawallen in England entstanden sind.

Premierminister David Cameron hatte nach den Auseinandersetzungen gefordert, dass Krawall-Verdächtigen die Nutzung Sozialer Netzwerke verboten werden soll, weil die Krawalle mithilfe der Netzwerke geplant worden seien. Die Londoner Polizei wollte die Netzwerke sogar komplett abschalten. Das war vielfach kritisiert worden, auch weil der Unterschied zu den Internet-Zensur-Maßnahmen mehrerer nordafrikanischer Regierungen während der Revolten dort nicht mehr erkennbar ist. Die ja auch von vielen EU-Regierungen als undemokratisch bezeichnet worden waren.

Der Guardian hat jetzt grafisch aufbereitet, dass die Tweets, die sich auf die Auseinandersetzungen in den verschiedenen Städten und Londoner Stadtteilen bezogen, in ihrere großen Mehrheit jeweils nach den Krawallen entstanden sind. Der Artikel dazu: Reading the riots: Twitter study casts doubts on ministers‘ post-riot plan.

Bedenkenswert finde ich den Einwand von Andreas Zottmann, dass die Tweets auch inhaltlich analyisert werden müssten, weil jeder Graph zu Ereignissen so aussähe (dass also die Mehrzahl der Tweets dazu hinterher geschrieben werden). Schade, dass der Guardian das nicht genauer erklärt, denn der Artikel geht auf der anderen Seite durchaus darauf ein, dass erkennbar sei, wie die Aufräumarbeiten jeweils vorher koordiniert worden seien.

Gut zum Thema ‚Medien verbieten‘ passt auch der bericht des ZDF-Magazins Zapp „Politiker und die Angst vor dem Internet„. Viel Vergnügen!

http://www.youtube.com/watch?v=GeRYIWqfd4U

10 thoughts on “Verbieten! Verbieten? Guardian analysiert Riot-Tweets

  1. Es spielt für den Sachverhalt überhaupt keine Rolle ob da Kuchenrezepte oder Berichterstattungen etc getwittert wurden.
    Augenscheinlich ist da ein Anstieg -nach- den Krawallen.

  2. Ich finde die Twitter-Studie des Guardians löblich und schön, aber leider nicht so überzeugend.

    Danah Boyd hat 2007 „Viewing American class divisions through Facebook and MySpace“ geschrieben (http://www.danah.org/papers/essays/ClassDivisions.html). Ihre Zusammenfassung: „Hegemonic American teens (i.e. middle/upper class, college bound teens from upwards mobile or well off families) are all on or switching to Facebook. Marginalized teens, teens from poorer or less educated backgrounds, subculturally-identified teens, and other non-hegemonic teens continue to be drawn to MySpace.“

    Das waren die USA 2007; meine Vermutung ist, dass sich auf Twitter 2011 (auch in Großbritannien) noch viel weniger „marginalized teens“ tummeln. Twitter ist stark auf Dauernutzung angelegt, man braucht also entweder einen Beruf, bei dem man die Nutzung am Arbeitsplatz geduldet wird (Medien, Kreativbranche, freie Berufe), oder ein Smartphone möglichst mit Datenflatrate. (Ja, das wäre dann z.B. die Guardian-Leserschaft. :)) Wegen der günstigen Geräte und Tarife ist in Großbritannien Blackberrys Messagingdienst für „marginalized teens“ viel attraktiver.

    Hätte der Guardian nicht die leicht zugänglichen öffentlichen Tweets, sondern die privaten Daten von Blackberry analysiert, sähe die Lage vermutlich völlig anders aus.

    (Nein, das ist natürlich kein Argument fürs Abschalten des Internets. Aber bei den Riots in England eine Twitter-Analyse zu machen, ist ein bisschen wie die nächtliche Suche nach dem verlorenen Schlüssel unter der Laterne, weil’s da heller ist.)

  3. @John
    Jessas, wieder einer, der den Unterschied zwischen Kausalität & Korrelation komplett /nicht/ begriffen hat. Habe den Eindruck, die Menge derer nimmt seit den vergangenen 30 Jahren exponentiell zu, unfassbar.

  4. Pingback: Wie sich RTL im Bericht über die Gamescon mal wieder selbst entlarvte … » Nerd6

  5. Hi Anne! Das Medienmagazin Zapp wird vom NDR produziert und im NDR gesendet. Das ZDF hat mit Zapp nichts zu tun. ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/index.html

  6. Pingback: menschenskind / das internet verbieten und der zusammenhang zu den london riots

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