Nie wieder Einkesseln?

Telepolis meldet, dass in London letzten Samstag bei einer Demonstration vor der ägyptischen Botschaft gelungen sei, mit Hilfe eines neuen Smartphone-Tools einen Polizeikessel zu verhindern. Offenbar sind große stundenlange Polizeikessel für die zahlreichen Studierenden-Demos in London ein Ärgernis. Dagegen wurde jetzt Sukey entwickelt. Der Name leitet sich von einem Kinderreim ab:

Polly put the kettle on, Sukey take it off again.

(Das englische ‚kettle‘ (Teekessel) steht wie im deutschen auch für den Polizeikessel.)

Das System besteht bislang aus einem Twitterfeed, einem Text-basierten Warnservice und aus eine Online-Demo-Karte, die laufend aktualisiert wurde und über Smartphones verfügbar war. Gleichzeitig tweetete Sukey kurze Zusammenfassungen der Ereignisse, zudem auch. wo sich die Demonstranten befinden und insbesondere, wo sich die Polizei gerade zum Kesselbau anschickte. (Telepolis)

Mit den britischen Bedingungen kenne ich mich nicht aus, aber hierzulande gleitet das sicherlich am Rand der Legalität entlang, denn alles, was als Aufruf zu Straftaten gewertet werden kann, ist verboten. Dazu kommt, dass es in Deutschland relativ selten zu großen Kesseln kommt, die lange stehen bleiben. Bei großen Demonstrationen aber könnte sowas schon hilfreich sein.

Ganz von allein funktioniert Sukey nicht: zusätzlich zur Software an sich ist einerseits nötig, dass viele sie auf ihren Smartphones haben, aber vor allem auch, dass es ein Team gibt, dass Meldungen sammelt und überprüft. Denn es wird sicherlich sowohl absichtlich plazierte Falschmeldungen geben als auch solche, die aus Aufregung und Unerfahrenheit resultieren.

Der Guardian beschreibt die Entstehung und dann die Anwendung letzte Woche genauer: Inside the anti-kettling HQ. Die Anfänge des Projekts, per Google-Map, ist bei Ben Goldacre zu bewundern: student protestors using live tech to outwit police in london. Ein amerikanischer Polizei-Ausbilder beobachtet das Ganze mit Sorge: Rioters using Google Maps for real-time information

Der Guardian amüsiert sich derweil über das schwierige Verhältnis der britischen Polizei zu modernen Technologien:

On a day when students were keeping in touch by Twitter and mobile phone, the police were handing out little slips of paper. As Bance says: „The police don’t understand Twitter. They might as well be shouting at the screen with a megaphone.“

Und so geht’s:

Sukey bei YouTube, Twitter, Facebook, Twibbon

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7 thoughts on “Nie wieder Einkesseln?

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  3. ist das wirklich am rande der legalität? ist es denn eine straftat, wenn man sich als demonstrant nicht von der polizei einkesseln lassen möchte?

  4. Ich wüsste auch nicht, auf welcher Grundlage das kriminalisierbar sein soll. Es geht schließlich nicht darum, Leuten zur Flucht zu verhelfen, die Straftaten begangen haben, sondern es unbescholtenen Menschen zu ermöglichen, Begegnungen mit der Polizei zu vermeiden. Das dürfte sich etwa auf dem Illegalitätsgrad eines Blitzermeldeservice im Radio bewegen.
    Oh und seid wann es in Deutschland keine großen und länger andauernden Kessel mehr gibt, würde mich auch interessieren… Der Kessel ist ein meines Wissens in Deutschland erfundenes polizeitaktisches Konzept („Hamburger Kessel“) und wird, obwohl rechtlich mindestens fragwürdig, ständig angewendet. Ich stand selbst schon in diversen Kesseln, meist über mehrere Stunden.

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  6. Wo bleibt jetzt die Universal-App?
    Und dann nur für das iPhone? Das ist weniger verbreitet als Android!

    Wenn man es für Android, iOS und Windows Mobile anbietet, sollten die meisten Smartphones abgedeckt sein.

    Interessant wäre, wenn die App parallel zum Mobilfunk auch ein eigenes Mesh-Netzwerk per WLAN aufbauen kann.
    Neben den ganzen Smartphones die sich gegenseitig Informationen senden, könnte es zusätzlich noch größere mobile Stationen geben. Z.B. Menschen mit WLAN-Router mit externer Antenne (ideal wäre eine kleine 2-4m hohe ausfahrbare Antenne im Rucksack) und Akkupack. Vergleichbar mit Funkern im 2. WK.
    So eine art mobile Basisstationen. Auch wenn sie selbst aber wie jedes Smartphone der Meshwolke funktionieren. Sie sorgen nur dafür dass es möglichst immer ein Netz gibt.

    Dann sollte man auch nicht den altbewährten Funk vergessen.
    PMR oder CB-Funk. Ich glaube PMR wäre geeigneter.
    Gibt es gebraucht im Set ab €5. Inkl. Headsetanschluss. Headsets mit Ohknopf mit Spiralschlauch und frei platzierbarem Mikro (auch im Ärmel 😉 ).
    Das wäre der „Demonstrantenfunk“ als Gegenstück zum „Polizeifunk“.
    Die Polizei braucht sicher eine Zeit bis sie auch dieses Bürgerband abhört. Schon aus den bürokratischen Gründen. Die können keinen Furz ohne Anweisung lassen. Und sie müssten sich erst mal mindestens eine Funke zulegen. Antrag in dreifacher Ausfertigung stellen…
    Wahrscheinlich noch eine Ausschreibung mit Neugerätekaufzwang.
    Faür alle Polizisten würde das schon aus kostengründen nicht in Erwägung gezogen.

    Da sind die Bürger technisch im Vorteil. Die legen sich mal eben Smartphone und evtl. PMR-Funke zu ohne einen Antrag zu stellen, und eine Erlaubniss zu benötigen.

    Auch wäre es möglich dass jemand den Polizeifunk abhört und Daten twittert und über Bürgerfunk und eine App verbreitet. Dürfte schwer nachzuverfolgen sein.
    Nicht wie bei dem Amoktwitterer. Wenn man es drauf anlegt ist das nicht zurück zu verfolgen. Und was den Funk angeht, da kann die Person ja eine Sprachausgabe einsetzen.
    Und Datenverbindungen (zu einem anonym registrierten Twitteraccount und der App) laufen über eine TOR-Verbindung.

    Es gibt (zumindest für das iPhone) auch eine Walki-Talkie-Simulation.
    Im Grunde ein Voice-Chat, bei dem aber nur gesprochen werden kann, wenn kein anderer blockiert. Echter Funk hat den „Vorteil“ auch Sendungen von vielen zugleich hören zu können (wenn es nicht zu viel wird).
    Natürlich könnte so eine App auch nur von autorisierten Sendern genutzt werden. die anderen hören nur zu. Das müsste dann eine eigene App sein, sonst kann ja jeder stören.

    Nachteil bei den ganzen Empfängern dürfte die Uploadrate normaler Haus/Mobilanschlüsse sein. Solange Multicast nicht Standard ist, könnten Dienste wie Livestream.com, Ustream.com, Stickam usw. genutzt werden. Evtl. geht das auch ohne Bild, das braucht es ja nicht (auch wegen der Datenraten der mobilen Empfänger).
    Gibt es mobile und zuvor vorbereitete WLAN-Basen (Anwohner, geparkte Autos… und Menschen mit Mobilflatrate), können sich die Demonstranten auch über WLAN mit Internet versorgen.

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