Vier Monate für Facebook-Freundschaft

Oder: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern..

Der Tierrechtsaktivist Rod Coronado wurde Anfang August in den USA zu weiteren vier Monaten Gefängnis verurteilt. Mit dem Akzeptieren einer Facebook-Freundschaftsanfrage habe er gegen seine Bewährungsauflagen vertoßen.

Rod Coronado (*1966) ist mehrmals im Kontext Tierrechte verurteilt worden, u.a. für die gewaltfreie Störung von Berglöwen-Jagden, Freilassung von Versuchstieren, Zerstörung einer Tierversuchsforschungseinrichtung und zuletzt für eine öffentliche Veranstaltung, bei der er sehr allgemein erklärt haben soll, wie Brandsätze hergestellt werden. Diese letzte Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe wird in die sog. Greenscare– Verfolgungswelle von Tierrechtsaktivisten unter dem Label Öko-Terrorismus eingeordnet.

Ebenfalls in die Biografie von Rod Coronado gehört das Versenken zweier Schiffe der isländischen Walflotte als Mitglied der NGO Sea Shepherd.

Rod Coronado hat sich bereits 2006 von der Anwendung von Gewalt distanziert.

Die Facebook-Anfrage, die ihm jetzt zum Verhängnis wurde, kam vom ehemaligen Vorsitzenden von Greenpeace USA und Earth First! Gründungsmitglied Mike Roselle. Facebook oder allgemein Soziale Netzwerke wurde explizit in den Bewährungsauflagen gar nicht erwähnt. Vorgeworfen wurden ihm nicht erlaubte Kontakte und die Benutzung eines öffentlichen Computers (was, wenn ich es richtig versehe, vorher hätte explizit genehmigt werden müssen).

Ob sein Facebook-Profil explizit überwacht wurde, ist anscheinend im Verfahren nicht deutlich geworden. Klar ist aber, dass der eine Klick zum Akzeptieren der Freundschaft ausreichte. Ob Rod Coronado Mike Roselle jemals persönlich getroffen hat, ist nicht bekannt.

4 thoughts on “Vier Monate für Facebook-Freundschaft

  1. unfassbar, wie willkürlich da ausgelegt wird.
    Wie sieht es im konkreten Fall mit Einspruchserhebung aus? Schließlich hat er ja doch schon mehr als ein Drittel der Haft scheinbar hinter sich bringen müssen.

  2. Pingback: Ich hätte da noch eine Frage

  3. Pingback: Medien/Wissenschaft im Web (Woche 39/2010) « digiom. studienblog über das leben in und mit digitalen onlinemedien

  4. Hm, ich lese das so, dass die 4 Monate Gefaengnis nicht nur fuer die facebook-freundschaft, sondern fuer die Verletzung von zwei Bewaehrungsauflagen sind, auf earthfirstnews steht:

    „One probation term Mr. Coronado was accused of violating (the association term) was left over from his federal conviction in Arizona in 2005 for trying to disrupt a mountain lion hunt through peaceful means. The other (the computer monitoring term) was added by a federal judge in Michigan after Coronado moved there to help raise is son.“

    Das mit dem Friendship akzeptieren kommt mir so absurd vor, es koennte ein Gedankenverbrechen in einem Buch sein.

    (und fatmike182: deine Argumente scheine ich oefter einfach nicht verstehen zu wollen. Was Haftdauer, Einspruch oder Kommunikationsverbot hier miteinander zu tun haben sollten, ist mir schleierhaft.)

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