Qualifiziert über Wikipedia reden

Poster der Wikipedia-Konferenz Critical Point of View in AmsterdamIch habe am Sonntag das Vergnügen, mich mit Geert Lovink, Thomas König, Mathias Schindler und Anja Krieger öffentlich über Wikipedia unterhalten zu können, im Rahmen der „Wikipedia: Ein kritischer Standpunkt“ in Leipzig.

Damit das möglichst qualifizert passiert, setze ich auf Crowd-Sourcing, also Eure Meinung:

Was gibt es zu Wikipedia noch zu sagen? Zu kritisieren? Zu loben? Funktioniert das Verhältnis Eigener Anspruch – Praktische Realität? Welche Relevanz haben Konflikte zwischen den Beteiligten bzw. zwischen UserInnen und Aktiven für das Projekt Wikipedia? Welche Bedeutung haben die Arbeitsstrukturen für das Funktionieren? Ich interessiere mich auch für konkrete Beispiele, die die selbsterklärte ‚Objektivität‘ oder ‚Neutralität‘ ad absurdum führen, mit der ich erklärtermaßen meine Schwierigkeiten habe.Und natürlich Punkte, die hier nicht extra aufgeführt sind.

Bitte wascht hier keine dreckige Wäsche, das ist für alle Nichtbeteiligten auf jeden Fall sinnlos und unerfreulich. Kurze!, mit Fakten bzw. Beispielen angereicherte Argumente wären mir am hilfreichsten.

Aus der Ankündigung:

… Wikipedia ist Thema in Blogpostings und Feuilletonbeiträgen. Insbesondere Diskussionen über Wachstum und Qualität von Artikeln sowie damit verbunden die Debatte über die Wikipedia- Relevanzkriterien haben für etwas mediale Furore gesorgt: „Was gehört in die Wikipedia?“ „Was nicht?“ „Und wer entscheidet wie darüber?“ Diese Fragen zeigen, dass das digitale Leitmedium Wikipedia in einer Phase der (Selbst-)Reflektion steckt: „Wie groß kann ein Mitmachprojekt sein?“ „Befinden sich die großen Sprachversionen der Wikipedia in einer Phase der Professionalisierung?“ „Wenn ja, was bedeutet eine solche Entwicklung für Partizipation und Offenheit?“

Sich diesen Fragen zu stellen, heißt darüber zu diskutieren, was die Wikipedia sein will und welche Selbstansprüche mit der Betonung eine „freie Online- Enzyklopädie“ zu sein verbunden sind. Die Podiumsdiskussion fragt nach den kritischen Standpunkten innerhalb und außerhalb der Wikipedia-Community: Wie vertragen sich Prinzipien der Offenheit und Partizipation mit Qualitätsansprüchen und Tendenzen der Professionalisierung? Inwiefern ist mit jenen Tendenzen der Schließung und Professionalisierung eine Reproduktion gesellschaftlicher Mainstream-Wissensproduktion verbunden oder kann Wikipedia zugleich als Gegenöffentlichkeit gelesen werden, die Nährboden für Medienkritik und einen reflektierten Umgang mit Medien bietet? Was ist eigentlich unter einer ‚freien‘ Online- Enzyklopädie zu verstehen? Inwiefern agieren Wikipedia und Wikimedia Deutschland e.V. selbst als Kritiker/-innen? …

11 thoughts on “Qualifiziert über Wikipedia reden

  1. Wikipedia ist ein weltweiter Machtfaktor in der Meinungsbildung breiter Bevölkerungsschichten geworden. Dies haben auch diverse Interessengemeinschaften und politische Akteure erkannt und nutzen spezielle Teams von Menschen, die nur für diesen „Medienkrieg“ abgestellt und bezahlt werden. Das prinzipiell fortschrittliche Modell allen Menschen die Möglichkeit zu geben mitzugestalten, wird in Zukunft noch viel verstärkter als heute schon, von riesigen Propagandamaschinen ihrer (relativen) Objektivität beraubt. Zu glauben das die aktive Onlinecommunitiy dies auf dauer Abwehren kann ist mehr als naiv.

    Beispiel Nahostkonflikt:
    http://www.israelnetz.com/themen/gesellschaft/artikel-gesellschaft/datum/2010/08/30/nahost-kampf-um-wikipedia/

  2. Pingback: Eisenharte Enzyklopädisten « LeSpocky.de :: Blog

  3. Die alles entscheidende Frage für mich ist die nach dem Fork. Der potentiell mögliche Fork ist das, was letzten Endes die Freiheit der Information ermöglicht. Das Problem ist aber, dass ein solcher Fork zwar theoretisch möglich wäre, aber praktisch nicht so einfach, weil man die Community nicht mitnehmen kann. So lange es nur einzelne oder kleine Grüppchen Unzufriedener sind, die gehen, passiert nix.

    Es gab den Versuch das mit Software zu lösen durch Verheiratung mit einer Versionskontrollsoftware, aber ich hab seit der Aufregung letztes Jahr (?) nix mehr davon gehört. Wie hieß das Teil noch?

  4. Wikipedia ist ein fantastisches Informationsmedium, wenn es um „Systemkonforme Meinungen, Details und Informationen“ geht.

    Informationen, die den Einzelnen gegenüber der informellen Führung der Bevölkerung wirklich stärken würden, werden auf übelste Weise zensiert (einfache Form) oder durch haarsträubende Lügen (Steigerungsform) ersetzt. Wenn nun das Sprichwort „Halbwahrheiten sind die gefährlichsten Lügen“ stimmt, dann mag damit jeder selbst sein Urteil über Wikipedia fällen.

    Von den Lügen in Wikipedia kann sich jeder selbst überzeugen, aber nur dann, wenn er sich entsprechend mit einer Thematik befasst. Das wissen die Auftraggeber der (wenigen) Gutmenschenautoren, die Wikipedia „sauber“ halten, natürlich.

    Beispiel: GNM, Germanische Neue Medizin.
    Jeder, der sich nur wenige Stunden damit neutral befasst hat kann deren Bedeutung erkennen und deren Richtigkeit AN SICH SELBST überprüfen. Es ist nicht mal nötig, den Universitären und Ärztlichen Überprüfungen zu glauben die im Internet kursieren. Jeder kann es selbst. Aber die Freiheit der Menschen von schulmedizinischen Diktaten und Hypothesen ist eine der größten Ängste des „informellen Führungssystems“ unserer westlichen Welt. Und daher das „heißeste Eisen“ in den Medien. Wer die Erkenntnisse die als GNM zusammengefasst sind immer wieder AN SICH SELBST als richtig überprüfen kann, für den ist sind die Aussagen zur GNM ein fantastischer Indikator, um zwischen „Unabhängigen+Wissenden“ und dem Rest der Menschen zu unterscheiden.
    Auf Gute Gesundheit.

  5. Ich hatte mal versucht bei arvato (Bertelsmann) den Abschnitt Kritik einzubringen. Der wurde na krurzer Zeit wieder gelöscht (ohne Begründung), vermutlich stellt der Bertelsmann-Konzern extra PraktikantInnen ein, die über einen Sichtungsstatus verfügen.
    Erst als ich dann jemanden kennengelernt hatte, der über einen Sichtungsstatus verfügt, blieb dann der Kritik Abschnitt stehen.
    Jedenfalls schrecken solche Erlebnisse ab, sich an Wikipedia zu beteiligen.

    Gerade bei Seiten über Großkonzerne sollte sich Wikipedia eine bessere Kontrolle überlegen. Die aravto-Seite war vorher eine reine Selbstdarstellungsseite des Konzerns. Bei aravato-Infoscore ist sie es auch weiterhin.

  6. Die Idee Wikipedia ist Okay, die Umsetzung passabel wenn man nur lesen und nicht mitmachen möchte, aber Mitarbeit wird erschwert. Ist so mein Punkt dazu. Ich würde gerne mehr mitmachen, wenn nicht jeder kleine Schritt so genau beäugt würde und bevor man überhaupt völlig fertig ist rückgängig gemacht. Aber noch ist ja nicht aller Tage Ende … mal sehen was noch draus wird.

  7. zur GNM gibts grad ein schöne Urteil:
    http://hpd.de/node/10301
    Ja neuerdings gibts in Deutschland auch wieder Todesurteile.

    Bezüglich Wikipedia:
    Es gibt immer wieder versuche Artikeln gewisse Tendenzen zu geben, um eigene Meinungen zu bestätigen. Beispiel : Sharehoster und der kleine editware bezüglich überwiegend und auch.
    Auch prägend fand ich die Kontroversen während der Schweinegrippe bezüglich Squalen und Thiomersal. Gefährlich sind immer Nieschenartikel, die ewig unbeachtet sind und plötzlich ins Schlaglicht fallen, dass kann die Qualität des Artikels rasend verbessern oder auch zur Meinungsmache missbraucht werden.

    Problem ist für Außenstehende meiner Meinung nach, dass man mit Wikipedianern zu tun hat, die das Projekt zu „ihrem“ Projekt machen. Das ist wichtig um eine gewisse Qualität zu halten (Alltagspflege) macht es aber schwer wenn man Fachkundiges einbringen will, was jemandem gegen „seine“ Arbeit am betreffenden Artikel geht. Stichwort: blöde Nummer. Das führt zum Teil schon zu Löschungen auf Diskussionsseitenniveau, wenn der Beitrag nicht als sinnig betrachtet wird. Allerdings gibt es teilweise auch viele Spinner (siehe Versionsgeschichte Chemtrails).

  8. Vielen Dank für die Tips! Auch wenn das andere sicher besser beurteilen können, glaube ich, dass die Diskussion heute gut gelaufen ist. Natürlich konnte ich allein aus Zeitgründen vieles nicht anbringen, aber trotzdem fand ich gut zu sehen, was in Sachen Wikipedia bewegt.

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