Twitter-Voodoo

Die Zeit der Absonderlichkeiten rund um technische Geräte in meinem Leben ist schon länger vorbei. Dachte ich. Je nachdem, mit wem ich zu tun habe.

Am Montagabend schickte ich eine Direct Message (DM) per Twitter an Anke Domscheit-Berg. Eine Nachricht also, die nur sie zu sehen bekommt. Der Inhalt war völlig unspektakulär:

Suchanfragen nach dir landen in meinem Blog, meine Google-Wertigkeit scheint doch besser, als ich dachte 😉

Was bedeutet: ich kann in meinem Blog sehen, wonach die Menschen gegoogelt haben, die dann bei annalist gelandet sind. Einige googelten „Anke Domscheit-Berg“ und fanden Ergebnisse bei annalist, was mit diesem Artikel zu tun hat. Darin geht es um ihre Teilnahme an einer Phoenix-Sendung zur Frauenquote.

Wer eine Twitter DM bekommt, kriegt dazu eine Benachrichtigungsmail von Twitter. Anke in diesem Fall nicht. Aufmerksam wurde sie am nächsten Tag erst, weil sich in ihrer Mailbox folgendes fand: eine Mail an eine von ihr subskribierte (abonnierte) Mailingliste, von jemand anderem, Inhalt der Mail: die bewusste Twitter-DM-Benachrichtigung. Thema der Liste: Open Data.

Nun hat sie zwei Rechner und kann mit beiden ihre Mails abrufen. Auf dem einen das gerade beschriebene Phänomen, dargestellt über das dort installierte Mail-Programm Outlook, auf dem anderen: alles normal.

Nach ein bisschen Herumfragen stellte sich heraus, dass niemand sonst über die Liste meine Twitter-DM bekommen hatte. Irgendwie beruhigend. Nicht auszudenken, ich hätte mich lästerlich über Dritte ausgelassen.

Der für Anke erkennbare Absender der Listen-Mail wusste auch von nichts und versichert glaubwürdig, Twitter-DMs von mir weder zu kennen noch zu verschicken.

Wer genau hinguckt, kann sehen, dass die von mir Montag abend 23:32 Uhr verschickte DM in der Mail als zweieinhalb Stunden später verschickt dargestellt wird. Die Mail selber aber will schon acht Stunden vorher verschickt worden sein.

Für sowas gibt es bestimmt jede Menge mögliche Erklärungen, und einige haben sicher mit dem benutzten Mailprogramm zu tun, andere mit den eingestellten Uhrzeiten der diversen Server, über die das lief. Nichtsdestotrotz ist es eine ziemlich merkwürdige Begebenheit.

8 thoughts on “Twitter-Voodoo

  1. Um das untersuchen zu können braucht man mindestens die kompletten Mailheader. Vielleicht kannst Du Dir die schicken lassen?

  2. Mich würde ebenfalls die gesammte Mail inklusive aller Header interessieren,
    falls sie denn gesichert wurde. Generell bin ich in Versuchung das ganze auf
    einen betrunkenen Imap-Client zu schieben, allerdings müsste die Mail ja dann
    gelöscht worden sein.

    Es wäre zusätzlich interessant wo ihre Inbox liegt, etwa Arbeitsgeben in
    welchen Land, Freemailer in welchem Land.

    Und zuletzt kann ich es mir leider nicht verkneifen darauf hinzuweisen eben kein
    Twitter oder Facebook oder sonstige kommerziell betriebene Infrastruktur zur
    Kommunikation zu nutzen.

    Nicht verrückt machen lassen.

  3. Man sollte jeden Text mit PGP signieren, so kann man sofort feststellen, ob eine Nachricht verändert wurde. Stichwort: Autentizität / Echtheit.

  4. Ich kann das Problem nicht erkennen. Die DM ist doch nicht verschickt worden, also auch nicht dessen Inhalt, wie also hätte jemand das lesen können sollen, selbst wenn die ja nur Benachrichtigung über eine DM um die Welt gegangen wäre. Die Benachrichtigung über eine DM hat mit dem Datenfluss intern bei Twitter (wie auch FB etc.) nichts zu tun. Die Erscheinung also liegt auf dem Datenweg der von Twitter über Outlook passiert, sofern es da überhaupt tatsächlich ein echtes Problem gab, und kann unendlich viele Gründe haben, die aber allesamt deine Befürchtungen nicht widerspiegeln.
    Du kannst in deinem Blog nicht sehen wonach die User gegoogelt haben. Da war ich jetzt zuerst irritiert. Was du siehst (also sagen willst, glaube ich) ist der Suchbegriff den der User eingab, und den siehst du in deiner Statistik. Die hat aber primär mit dem Blog nichts zu tun (also bei WordPress vielleicht, aber da auch nicht wirklich). Diese Erscheinung hat mit deiner Google-Wertigkeit (Ranking) nichts zu tun, im Gegenteil wäre das eher der Ausweis, Googlebot auf Keywords dem User die „falsche Seite“ anbietet, was mit deren Keyword-Generation zu tun hat (Algorythmen); oder eben mit deinen Keywords sofern du diese selbst setzt und damit einen Störfaktor einbringst. Insgesamt aber ist das eine gute Entwicklung und ist von Google durch und mit dem Service „Instant“ eingeführt worden, das eine Selektierfunktion in der Suchmaschine Googlebot ist, und nunmehr die Suchergebnisse sehr viel mehr auf Keyword selektiert als auf das Ranking einer Seite, was die „großen Seiten“ beförderte und die kleinen kleiner werden ließ. Das passte aber in einige Ziele nicht die Google verfolgt. Nutzer von Google Webmaster können das an den nun steigenden Zahlen der „Impressionen und Klicks“ als Folge dieser veränderten Algorythmen nachvollziehen. Der Übergedanke der dahintersteckt ist der, Usern auch regional das beste Suchergebnis zu liefern, ein Nachfrager in Spanien bekommt auf die selbe Suchanfrage eine andere Seite gezeigt als einer in Deutschland. Diese Funktion kann unter Umständen bei Webmaster auch ausgeschaltet werden (Domain). Alles ganz normal also und so gewollt, und auch gut so. Ich etwa hatte so Leute auf meiner Seite die eigentlich eine Robe kaufen wollten, oder nach einem Gedichtband suchten wo dieses Keyword vorkommt u.v.m.; das die dann aber meine Seite aufriefen (daher gibt es ja auch in den Suchergebnissen jetzt die Vorschau), war deren Entscheidung, die nicht etwa auf einen Fehlgriff zurückzuführen ist (was dann auch mit dem TitleTag und Deskription zu tun hat, also obs interessant aussieht) – ich habe 70 Prozent Wiederkehrer. So groß also kann die Enttäuschung nicht gewesen sein (jetzt also aus der Sicht von Google die da große Ängste pflegen).

  5. Pingback: Die Politik » Twitter-Voodoo

  6. @crimejournal
    Also ich habe das so verstanden, dass bei einem Click auf ein Google-Suchergebnis die Suchanfrage im Referer steht (als ?q=…, es gibt z.B. WordPress-Plugins die das auswerten und den Suchbegriff auf der Seite einfärben), also sieht man schon, wonach Leute gesucht haben, die auf die Seite gekommen sind. Und das Google-Ranking für annalist ist eben recht gut, also findet man auch mit einem Namen der nur einmal im Blog vorkommt auf die Seite (oder jemand hat sich bis auf Ergebnisseite 100 durchgeklickt…)

    (außerdem glaube ich, dass das ein Outlook-Problem ist, hatte ich in Thunderbird auch schon)

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