Kindergeld-Erhöhung – für wen?

Als ich eben um 8 in den Deutschlandfunk-Nachrichten in freundlicher Stimmer beschrieben hörte, was die Bundeskanzlerin gestern in ihrer Regierungserklärungen für Wohltaten ankündigte, wurde mir vor lauter Neusprech ganz komisch.

Mittlere und geringe Einkommen sollen entlastet werden und unsere neue Regierung will was für Familien tun, in dem sie das Kindergeld erhöht. 

So der Deutschlandfunk – in einer Minute können natürlich nur die wesentlichen Dinge beleuchtet werden. Es gibt ja noch andere Wohltaten, wie das Betreuungsgeld, was so ungefähr das Idiotischste ist, was ich seit langem gehört habe: Eltern bekommen mehr Geld, wenn sie ihre Kinder nicht in die Kita schicken.

Nun haben aber die Kinder, die es am nötigsten bräuchten, gar nichts vom Kindergeld. Denen wird das direkt vom Hartz IV-Satz wieder abgezogen.

Ich habe mir überlegt, dass ich die Kindergeld-Erhöhung für meine Kinder an Initiativen spenden werde, die Kinder in Hartz IV-Familien unterstützen.

Wer macht mit? Es bräuchte vielleicht eine Website mit etwas Text, Initiativen, die unterstützt werden können und der Möglichkeit, zu unterschreiben. 

29 thoughts on “Kindergeld-Erhöhung – für wen?

  1. Sehr löblich das Kindergeld zu spenden. Doch dies ist vielleicht so gewolt! Siehe die Taffeln, wo die Bedürftigen die Reste der Wohlstandsgesellschaft bekommen und dafür ewig dankbar sein müssen, wenn sie die abgelaufenen Speisereste der Reichen fressen dürfen. Besser wäre ein vernünftiges dasein für alle zu organisieren.

  2. Das ist eine ganz ganz tolle Idee! Ich hatte schonmal grob etwas ähnliches überlegt, allerdings nicht im Bezug auf erhöhtes Kindergeld (Ich habe keine Kinder, und finde es aber grundsätzlich gut, wenn das KG erhöht wird), sondern mit der geplanten, überflüssigen Einkommenssteuersenkung. Ich will die nämlich nicht, schon gar nicht zu diesem Preis. Und ich hatte den Gedanken: Was, wenn jeder, dem es geht wie mir, diesen Betrag an Kinder spendet, die von Hartz IV leben müssen, bzw Initiativen, die sich um diese kümmern? Anders als Du habe ich diesen Gedanken nicht weitergedacht. Deine Idee finde ich toll, und unterstütze Dich gerne. Wie?

  3. Naja, so ganz idiotisch finde ich das Betreuungsgeld ja nicht, nur als Weichenstellende Maßnahme für, sagen wir es dann auch mal, idiotisch.

    E gibt aber ja noch die Eltern, die ihre Kinder einfach aus persönlichem Lebensgefühl ab Mittag zuhause haben, daß für sich als Familienentscheidung für gut erachten und sich wirklich „kümmern“. Unabhängig vom Geld freilich.

    Diese zahlen aber die Ganztagsplätze der anderen mit und könnten sich fragen: warum eigentlich? Unser Lebenskonzept ist doch genau so wert und somit Unterstützenswürdig. Bei Elternpaaren bleibt dafür ja gar einer zuhause und das mindert ja das Einkommen sogar enorm.

  4. Betreuungsgeld? Wo kann ich dass beantragen?

    Ein Freund von mir sagte immer dass man soviel Geld wie möglich von der Staat abhängig muss machen, dann haben die kein Geld mehr übrig für den Armee…

  5. Hey auf der einen Seite ist das ein schöner Vorschlag, denn dass es Bedarf und Hilfebedürftige
    gibt, ist nicht zu bestreiten. Doch ändert Spenden nichts an Strukturen und führt eher noch mehr dazu, dass staatliche Versorgungsleistungen immer mehr outgesourced und in private Hände gegeben werden (siehe die Tafel, die nichtstaatlich den Umstand verwaltet, dass die HarzIV- Sätze zu gering sind). Will mensch also was bewegen, kommt neben der Spende die politische Aktion hinzu, die an den Strukturen sägt. Kommt jetzt ein bisschen Schlaubischlumpfmäßig rüber, sorry, war nicht so angedacht, weil ich mir hier eigentlich sicher bin, dass diese Aktion keine Gewissenberuhigung werden soll. Wäre toll, wenn da was zum Leben erweckt werden sollte.

  6. Die Höhe des Kindergeldes müßte nach dem Einkommen der Eltern entsprechend gestaffelt werden, d.h. die Ärmsten bekommen den höchsten Satz und dann immer weniger werdend, wenn denn das E. steigt. Ab einer gewissen Gehaltsköhe dürfte es gar kein Kindergeld mehr geben.
    Hierzulande ist es jedoch so, dass Millionäre K. bekommen, Hartz-Empfänger/innen jedoch garnicht.
    Stinkt das nicht zum Himmel? Ich denke schon!

  7. @Chräcker: Warum zahlen die mit dem „Lebensgefühl“ (heißt: nicht beide Eltern sind vollzeitbeschäftigt) „die Ganztagsplätze der anderen mit“?

    In Berlin ist es zumindest so, dass sich mein Anteil am Betreuungsbedarf orientiert. Wenn ich also 8 Stunden arbeite und damit mein Kind 9 Stunden in der Kita bleiben muss (Arbeitsweg und so), zahle ich eine ganze Stange Geld mehr als die, die ihre Kinder ab Mittag zuhause haben.

    Das Betreuungsgeld sorgt im Gegenteil dafür, dass alle, die ihre Kinder gar nicht oder halbtags in die Kita geben, sogar mit Plus aus der Sache rausgehen.

  8. Ich finde die Idee sehr gut und bin auch dabei. Nichts zu tun, nur weil die Politikerinnen und Politiker einkalkuliert haben, dass es privates Engagement gibt, scheint mir keine Lösung zu sein. Denn wenn man was verändern will muss man irgendwann mal anfangen und nicht darauf warten, dass irgendwer, irgendwie in der Politik es für mich ändert. Wenn man die Möglichkeit hat zu helfen, sollte man helfen.

  9. Da muss ich wohl ins selbe Horn stoßen: diese Art von Spende unterstützt nur die existierende Praxis. Ich habe kein schlechtes Gewissen, €20 mehr einzusacken. Aber ob ich die spende oder nicht, oder in China ein Sack Reis umfällt. Da bedarf es schon anderer Aktionen…

  10. Es ist zu befürchten, daß auch diese Unterstützung wieder weggekürzt wird. Da Sozialhilfe als „nachrangig“ angesehen wird, wird alles, was anderweitig eingenommen wird, als Einkommen gerechnet und die Sozialhilfe entsprechend gekürzt. Über eine solche Spende freut sich dann nur die ARGE, weil sie wieder Geld sparen kann. So nett das klingt: Bei den derzeitigen „Rechts“-Verhältnissen würd ich es lassen, Du beschenkst die Falschen.

    Gruß, Frosch

  11. Ich denke auch das man mit dieser Form der Hilfe nicht das erreicht was geplant ist,die zuständigen Stellen haben jedes Schamgefühl schon längst verloren und werden sich das Geld in irgend einer Form unter den Nagel reißen.Vielleicht sollte man lieber über direkte Formen der Hilfe nachdenken bei denen kein Geld über Konten fließt wie zum Beispiel betroffene Kinder aus der Nachbarschaft mal mit ins Kino nehmen oder einladen damit sie nicht isoliert sind.Bei solchen Sachen lässt sich dann doch auch,wenn man das zusätzlich möchte und kann etwas finanzielles machen.

  12. Um eventuelle Fehlinterpretationen aufzuklären: ich habe nicht vor, mein politisches Engagement nach Durchführen der beschriebenen Spenden einzustellen. Natürlich ist mir klar, dass eine kleine individuelle monatliche Spende (fast) gar nichts ändert.

    Dewegen geht es dabei auch darum, ein politisches Statement zu machen, in der Hoffnung, dass sich möglichst viele beteiligen und das auch öffentlich erklären, um zu verdeutlichen, dass es viele gibt, die diese Kindergelderhöhung nicht richtig finden.

    Die reine Lehre in der Form „Ich behalte mein Geld für mich, denn sonst unterstütze ich das System“ ist mir nicht wirklich nachvollziehbar.

    Zum Problem, dass Spenden vom Hartz IV-Satz abgezogen werden: deswegen steht da ganz explizit, dass der Plan ist, das Geld an Initiativen zu spenden, und nicht direkt an Hartz IV-Familien.

    Einerseits wären die meisten Hartz IV-EmpfähgerInnen wahrscheinlich nicht besonders begeistert, wenn bei ihnen wer an der Tür klingelt und da jemand steht und sagt „Hey, Sie sehen so aus, als ob sie Hartz IV kriegen, darf ich Ihnen mal 20 Euro in die Hand drücken?“. Überweisen geht auch deswegen nicht, weil es ja keine öffentlich ausliegenden Listen mit Kontodaten gibt, an die dann mit etwas mehr Distanz gespendet werden könnte.

    Und dann ist mir auch klar, dass das Geld sofort abgezogen würde, wenn das Amt davon Wind kriegt. Deswegen: Initiativen unterstützen, von denen es hoffentlich einige gibt, die etwa die Kinder mit Schulsachen, Essen, Spielzeug, Ferienunternehmungen, Kino-Besuchen …. versorgen.

    Weiteres in Kürze.

  13. Tatsache ist, dass die Reichen sogar mehr Kindergeld bekommen als der „Normalverdiener“. Sie profitieren nämlich vom Kinderfreibetrag. Das ist der eigentliche Skandal!

  14. Was für eine komische Diskussion.
    Vorraussichtlich werden nächstes Jahr die Arbeitslosenbeiträge steigen, auch die Krankenkassenbeiträge werden steigen. Miete wurde auch angepasst.
    Alles Zahlungen die die Harz4 Bezieher nicht betreffen. Mich als Angestellten aber schon. Ich bin über jeden Cent Kindergelderhöhung dankbar. Habe vier Kinder. Weiß hier überhaupt jemand wieviel 3 Schulpflichtige Kinder und ein Baby kosten????

  15. Leider nicht für alle, wir haben allerdings nch gar keine Kinder. Die Diskussion wird aber von den Grünen ins Lächerliche gezogen!

  16. Was nutzt die Erhöhung des Kindergeldes, wenn andere Kosten auch erhöht werden? Ich denke es wird alles nur anders ausgependelt – mehr hat man dadurch trotzdem nicht!
    Gruß Daniela

  17. Ich glaube, dass das generelle Problem von Kindergeld ist, dass es nicht ausreicht, um ein Kind ordentlich zu versorgen.
    Das führt dazu, dass das Kinder kriegen zunehmend zu einer Entscheidung wird und nicht mehr „einfach so“ passiert.
    Ist schon traurig, wenn man alles mehrfach durchrechnen muss, ob man sich das Kind überhaupt leisten kann.

  18. Warum mehr Kindergeld? Dann lieber mehr Geld für Kindergärten, so dass aussreichend Kindergartenplätze zu fairen Preisen geschaffen werden können. Dies wäre eine sinnvolle Entlastung.

  19. Ab einer gewissen Gehaltsköhe dürfte es gar kein Kindergeld mehr geben.

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  22. Der Beitrag ist zwar alt, aber ich muss dazu was loswerden:
    Wenn man es mal ernst nimmt, ist doch Kindergeld nichts anderes als eine Anregung im kinderarmen Deutschland, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Letztlich ist das leider tatsächlich häufig genug Grund für manche Kinder zu kriegen. Und das Geld denjenigen zu geben, die das Geld eh nicht hauptsächlich für ihre Kinder ausgeben, weil sie auf nichts verzichten wollen, halte ich für falsch. Ich kenne genügend Ha(r)tz4 -Muttis, die beim Kind sparen, nicht bei sich.
    Langsam habe ich das Gefühl, dass die ärmsten der Armen – der Menschen am Grund des Sozialniveaus, nämlich am Existenzminimum, nicht anderes ist Ha(r)tz4 – ihr „Einkommen“ nur dadurch erhöhen, sogar verdoppeln können, wenn sie Kinder gebären. Leider geht die Rechnung nur für Minderbemittelte auf – doch leider gibt es davon genug. Wer nicht selbst für sein Kind sorgen kann, sollte kein Kind bekommen – und wer genug verdient, braucht kein Kindergeld. Der Staat sollte das Geld lieber in Bildung, Erzieher, Sprachpädagogen in Kindergärten und Kitaplätze investieren, anstatt den Konsum zu fördern. Wachstumsbesessenes Deutschland.

  23. Ich finde eine Kindergeld Erhöhung ist eine Gute Sache. Leute gehen immer vom Worst-Case-Scenario aus, was bedeutet, dass Hartz-4 Leute das Geld versaufen, aber man muss auch die Mütter bedenken, die wirklich 16h am Tag arbeiten um die Familie durchzukriegen.
    Ich kann aber auch zustimmen, dass Kindergeld ab einer bestimmten Gehaltsstufe nicht mehr notwendig ist, jedoch sind die administrativen Kosten des filterns zu Hoch um da wirklich Staatskapital zu sparen

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