Es wird ja gern und viel darüber gewitzelt, dass das BKA nicht genügend ProgrammiererInnen für die Online-Durchsuchungen hat. Es gibt offenbar noch weitere Engpässe.

Bei den Durchsuchungen im Fall 'militante gruppe (mg)' vor knapp einem Jahr an jenem unseligen 31. Juli wurde bei einem der Beschuldigten ein USB-Stick mitgenommen, der seinem Mitbewohner gehört. Den hat der bis heute nicht wieder und sein Anwalt hat neulich mal wieder nachgefragt, wie lange es denn noch dauert. Die Antwort erklärt einiges. Zunächst versucht Frau Vanoni, die zuständige Staatsanwältin der BAW, mit einem billigen Trick, das Passwort zu ergattern (der USB-Stick war verschlüsselt und ist es anscheinend immer noch).

Ihr Mandant könnte jedoch zu einer beschleunigten Freigabe des Datenträgers beitragen, indem er den Ermittlungsbehörden den Code zur Entschlüsselung des Datenträgers mitteilt, sofern ihm dieser bekannt ist.

Nice try. Ich seh vor meinem geistigen Auge den Referenten im Innenministerium vor mir, der dazu einen Anranzer eingefangen hat, dass endlich eine vernünftige Vorlage her muss, damit in Zukunft die Verweigerung, Verschlüsselungspasswörter auszuhändigen, ordentlich bestraft werden kann.

Es ist nämlich so, sagt Frau Vanoni, dass ihnen ein Image (eine Kopie) des verschlüsselten Sticks zum Dekodieren nicht ausreicht. Wenn wir jetzt mal nicht unterstellen wollen, dass da bewusst gelogen wird (was ich öffentlich in der Form nie tun würde), dann scheint es neben den Lücken bei den MitarbeiterInnen, die am Kopierer stehen, auch ganz erhebliche in den technischen Abteilungen zu geben:

Um den Inhalt des USB-Sticks auf Verfahrensrelevanz prüfen zu können, muss dieser zunächst entschlüsselt werden. Ein Image des USB-Sticks wurde bereits erstellt. Zur Entschlüsselung wird jedoch auch die Hardware, also der USB-Stick selbst, benötigt. Aufgrund der vorhandenen Verschlüsselung ist derzeit nicht abzusehen, wann die Auswertung des Datenträgers abgeschlossen ist.

Das muss man sich alles mal einzeln auf der Zunge zergehen lassen:

ein Image wurde bereits erstellt. Schon knapp ein Jahr nach der Beschlagnahmung! Ich erinnere vorsichtshalber daran, dass es sich um die Ermittlung gegen die schlimmste linksterroristische -kriminelle Gruppe der Republik handelt. Wenn die auf diese Weise tatsächlich terroristische Anschläge verhindern wollen, dann wird mir unwohl und ich verstehe das Geningel der Polizeigewerkschaften, dass sie mehr Personal brauchen.

Zur Entschlüsselung wird jedoch auch die Hardware benötigt. Soso? Weil?

Und dann..nicht abzusehen, wann die Auswertung des Datenträgers abgeschlossen ist. Das ist ja in gewisser Hinsicht beruhigend, immer vorausgesetzt, es entspricht der Wahrheit.