Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates
Heute abend lief zur besten Sendezeit im Deutschlandfunk Holger Siemanns Feature Kafka, Kanzler und da knackt nichts. Ich nehme an, dass es morgen auch als mp3 bei dradio.de zu finden sein wird. Update: Es gibt inzwischen die mp3-Datei bei dradio.de, und sogar eine 53-minütige Langversion, dazu das Manuskript als txt- oder pdf-Datei.
Update: Anscheinung ist das Audio bei DLF inzwischen nicht mehr verfügbar, aber jemand hat es bei archive.org hochgeladen. Dort gibt es auch eine ogg-Datei: http://www.archive.org/details/KafkaKanzlerUndDaKnacktNichts
Dankenswerterweise hat jemand mitgeschnitten und den Link hier unter die Ankündigung geschrieben.
(mp3, 45 Min., 39mb, lokale Kopie)
Thema: Überwachung im ersten mg-Verfahren.
Es geht hier übrigens nicht um das Verfahren gegen Andrej, und die Freundin, die auch zu Wort kommt, bin nicht ich. Die Ähnlichkeiten sind - logisch - groß, aber hier geht es um das erste (von bisher vier bekannten) mg-Verfahren. Die ProtagonistInnen kannte ich vorher (= Andrejs Festnahme) nicht, aber inzwischen sind wir ganz gut befreundet.
Viele haben vielleicht davon gehört: dies ist das Verfahren, das bekannt wurde, weil einem der Beschuldigten die Kosten der abgehörten Handy-Gespräche versehentlich in der O2-Rechnung berechnet wurde.
Einigen kommen vielleicht die zitierten Überwachungsakten bekannt vor: die gab es im Herbst 2007 schon mal in der Berliner Volksbühne zu hören, als sie von Schauspielern vorgetragen wurden. Im Anschluss fand die von Constanze Kurz moderierte Veranstaltung "Wir sind alle Terroristen" mit Beschuldigten aus verschiedenen Terrorismus-Verfahren statt (Video bei chaosradio.ccc.de).
Holger Siemann hat versucht, auch die andere Seite darzustellen: die Ermittlungsbehörden und die an der Überwachung aktiv Beteiligten, dazu deren Haltung ihm als Journalisten gegenüber. Seine Erlebnisse schildert er auch im Feature. Außerdem einige Überlegungen zur Technisierung von Überwachung, zur Rolle des Verfassungsschutzes und zur Logik von Terrorismus-Verfahren in Deutschland, speziell denen gegen die 'militante gruppe' und zu selektiver Wahrnehmung 'der Jungs' (vom BKA.
Das Ganze ist, wie alles, was ich bisher und seit zweieinhalb Jahren zu diesem Wahnsinn erlebe, verrückt, irreal und durchaus auch komisch.
Vielen Dank.
Hier die Langfassung zum Anklicken:
Kommentare:







geschrieben von Bruno aus Meck-Pomm [ antworten ]
13/01/2010, 09:11
Es ist keine Frage, der Staat braucht Terroristen und was liegt da näher als sie zu Schaffen. Und das es gemacht wurde, falsch bewertet, wird durch Urteile belegt. Da stellt sich die Frage, wie hoch ist die Dunkelziffer?
Es ist schwer vorstellbar das alle beteiligten Geheimdienste jetzt Däumchen drehen. Das man ein Schnüffler nicht am Äußeren erkennt sollte jedem klar sein. Ich habe da noch eine Werbeaktion in Erinnerung wo Observatoren gesucht wurden.
Die Frage wie man sich schützen kann ist kaum zu beantworten. Es hat sich ja gezeigt das jedes Verhalten als kooperativ gewertet wird. Deshalb kann man auch keine richtigen Tipps zum Verhalten geben. Wer in den Fokus gerät hat Probleme.
Die Locke mit dem Zeitgemäßen scharfen Mittelscheitel braucht Erfolge. Vielleicht ermittelt sie ja auch gegen sich selber?
geschrieben von Kritischre Demokrat [ antworten ]
13/01/2010, 15:07
Ein aufschlussreicher Beitrag über die Denkweise und Interpretationen der Staatsschützer.
Interessanterweise sind die verantwortlichen Ermittler von der Grundannahme beseelt, dass der zu Überwachende schuldig ist und analysieren alle Handlungen nur unter diesem Gesichtpunkt, somit wird selbst aus Entlastendem Belastendes konstruiert. Diese Vorgehensweise deckt sich mit A. Holms Fall, mit dem Fall des “Oktoberfest-Attentats-Planer” letztes Jahr usw.
Somit wird aus jedem Karl-Marx Buch eine Umsturzliteratur, jedem roten T-Shirt ein verfassungsfeindliches Kennzeichen, jede Geburtstagsparty ein konspiratives Treffen, aus „gefüllten“ Babywindeln eine Tatmittel, aus Gesellschaftskritik ein Mordaufruf…
13/01/2010, 20:17
irgendwie finde ich, dass dieses feature viel zu wenig unter die haut geht?
meine vermutung geht dahin, dass es bei zuhörern, welche nicht informiert, senisbilisiert oder sonstwie vorbelastet sind wenig bis keine reaktionen auslöst?
irgendeiner
19/01/2010, 20:14
Was ich interessant finde, ist, daß das mp3 zum Beitrag nur ganz kurz auf der "Nachhören" Seite der Sendung "Das Feature" (http://www.dradio.de/...&broadcast=641012&) angezeigt wurde. Erst viele Tage nach der Sendung (ich habe immer wieder nachgeguckt) war er dann da, und jetzt ist er wieder weg, obwohl die älteren noch da sind...