Absurdes Theater beim G8-Prozess

Statler & Waldorf, by andrewschreyer [at] ymail.com, http://www.flickr.com/photos/-sel-/60124583/ http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.enEs begab sich zu einer Zeit, als im Norden Ostdeutschlands noch nicht viele an den G8-Gipfel in Heiligendamm dachten.

Im Sommer 2006, ein Jahr vor dem Gipfel, fand in der Nähe von Rostock ein Sommercamp statt. 

Am 7. Dezember 2009 fand in Bad Doberan ein Prozess statt gegen zwei Männer, denen Nötigung der Polizei vorgeworfen wurde. Die soll stattgefunden haben, als Zivilpolizei die Auto-Kennzeichen der Camp-TeilnehmerInnen aufschreiben wollten und letztere die Polizei aufforderten, das Camp-Gelände zu verlassen.

Am zweiten Prozesstag fand der Prozess ein überraschendes Ende: der Zeuge der Polizei, dessen Aussage belegen sollte, was geschehen war, weil er es gesehen haben wollte, hatte ein selbst im Internet gefundenes Foto dabei, das "genau die Situation zeigt, die er beschrieben hat".

Der Richter guckte. Der Richter guckte nochmal, mit Brille. 

(Der Richter wird als nicht übermäßig kritisch der Polizei gegenüber beschrieben.)

Auf dem Foto ist eindeutig keiner der Angeklagten zu sehen, sondern ein dritter Mann.

Weiterlesen

Das Innenleben von Texten

Kathrin Ganz (I heart Digital Life) hat für die AG Queer Studies einen Podcast veröffentlicht, den ich vor allem all denen empfehlen möchte, die sich hier immer wieder engagiert darüber aufregen, dass ich meine Texte mit feministischem großem I schreibe.

Es dauert ein bisschen, aber es lohnt sich, und gerade jetzt haben ja viele auch die Zeit, sich einen längeren Vortrag anzuhören. Vortrag trifft es gar nicht so richtig – eher ein Erlebnisbericht. Was einem jungen linken, selbsterklärtermaßen sexistischen, Indie-Musikjournalisten auf seinem Weg zum überzeugten Vertreter der feministischen Sprache alles widerfuhr.

Der inzwischen feministische Musikjournalist ist Frank A. Schneider, besser bekannt als Mitglied von Monochrom. Der Titel der Veranstaltung

Die Diktatur des >>man<<. Von der
Schwierigkeit, in linken deutschen Medien geschlechtsneutral zu
sprechen. Bericht aus der weitgehend beschissenen Praxis.

 

http://noblogs.org/flash/mp3player/mp3player.swf
(mp3, 74mb) 1:17 Std.

Erzählt hat er all dies am 18. November im Rahmen der Ringvorlesung "Jenseits der Geschlechtergrenzen" an der Uni Hamburg.

Er selber zu seinem Vortrag:

“Formulierungen wie ‘man/frau’ und das Binnen-I lehnen wir aus
stilistischen und Ästhetischen Gründen ab”. Wer in linken deutschen
Medien in einer nicht-ausschließlich männlichen Form schreiben möchte,
kennt diesen Satz, der scheinbar keiner weiteren Erklärung bedarf.
Welche stilistischen und Ästhetischen Essentials ihm eigentlichen
zugrunde liegen, wird in der Regel nicht gesagt. Frank Apunkt Schneider
versteht sich als Feminist und publiziert regelmäßig in Deutschland und
Österreich. Er berichtet aus seinen eigenen diesbezüglichen
Erfahrungen, und stellt Vermutungen an, warum deutsche Medien mit
geschlechtsneutralen Formen ein Problem haben, Österreichische hingegen
nicht.

(via

Veröffentlicht unter O+