Zwei Briefe

Das hätte ich nicht gedacht. Ich fand schon ziemlich .. naja.. überraschend, was in unserem Leben seit dem 31.7. los ist, vorsichtig formuliert. Dass dann aber die im Vergleich relativ milde Angelegenheit der beschlagnahmten zwei Briefe solchen Wirbel verursacht, ist auch überraschend. Ok, sicher geht allen immer das am nächsten, was sie selber betrifft und das die Medien nicht entzückt sind, dass ihre Post gelesen wird, ist nachvollziehbar. Dass das BKA sich sowas leistet, ist genauso erstaunlich, immerhin ‚hätten sie das ja wissen können‘. Also, so blöd hätten sie nicht sein müssen, es gibt ja genügend ähnlich unmögliche Fahndungsmethoden, die vollkommen legal sind. Briefe an die Presse lesen, Telefonate mit JournalistInnen mitschneiden, sogar Telefonate mit AnwältInnen, Abschriften davon in den Akten – hmm. Ob wohl öffentlich wird, wenn da irgendwann mal Köpfe rollen? Die Stimmung bei denen ist wahrscheinlich gerade eher herbstlich.

Ganz ausnahmsweise hat mir gerade beim Durchgucken der Berichterstattung ein Kommentar in der Morgenpost am besten gefallen, das kommt nicht oft vor:

Das BKA hat die Post von Berliner Zeitungen kontrolliert. Das ist
natürlich schlimm. Aber irgendwie tun mir die Beamten auch leid. Sie
mussten all diese mehrseitigen handgeschriebenen Leserbriefe entziffern,
die immer anfangen mit "Ich bin seit 60 Jahren Leser Ihrer Zeitung",
immer weitergehen mit "Wenn Sie recherchiert hätten, …" und immer
enden mit "Pisa lässt grüßen!".

Und wenn man die Schrift gar nicht lesen
kann, könnte es ein terroristischer Geheimcode sein. Wir möchten uns
darum bei allen treuen Lesern entschuldigen, die Besuch vom BKA bekommen haben.
Ich habe jetzt aber eine prima neue Ausrede. Wenn wieder mal die PR
Agentur "Uschi & Muschi" anruft und fragt, ob ich ihre superinteressante
Einladung zur Modenschau in einem Einkaufszentrum in Oldenburg auch
bekommen habe, sage ich: "Tut mir leid, die ist vom BKA beschlagnahmt
worden."

Sonst noch emfehlenswert ist ein ziemlich gehässiger Artikel in der Zeit über Gentrifizierung: "Bionade-Biedermeier". Weiterlesen