[de
, media
]
27 März, 2008 19:40
Gespiegelt
Unsere vier Wochen Urlaub sind noch nicht ganz vorbei, und just jetzt nimmt sich Spiegel Online unserem Erleben der Ueberwachung an. Schoen. Erstaunlich allerdings, dass der werte Autor von "Unterwegs in Digitalien. Selbstüberwachung schützt vor Fremdüberwachung" nicht noetig hatte, einmal nachzufragen, bevor er so schrieb, als ob er sich mit uns unterhalten haette.
Ironie, erzählt sie, verbitte sich am Telefon: "Das verstehen die Ermittler nicht."
Wenn sowas in den Leitmedien steht, gehe ich ja normalerweise davon aus, dass das auf direkte Nachfrage entstanden ist? So schwer sind wir ja gar nicht zu erreichen, und beantworten ja auch fast alle Anfragen. Aber sonst nett.
Naechste Woche sind wir wieder da, dann schreibe ich auch wieder mehr.
PS: Fuer alle Spiegel-LeserInnen, die die Berichte ueber unser Leben mit Ueberwachung suchen: Die meisten davon sind Ende letzten Jahres entstanden, einfach weil da am meisten davon spuerbar war. Das Verfahren laeuft immer noch und unsere Familie wird auch weiter ueberwacht, aber nicht mehr so offensichtlich. Die Geschichte zum 'Schwarzen Beutel' etwa fand schon im August statt.
[de
, Sicherheit
, media
]
20 Januar, 2008 01:21
Sami Al Hadj
Ich habe vor ein paar Tagen etwas über den Al-Dschasira Kameramann Sami Al Hadj geschrieben, der seit fast sechs Jahren in Guantanamo sitzt. Seit dem 7. Januar 2007 ist er im Hungerstreik gegen seine illegale Inhaftierung und wird zwangsernährt.
Er wurde im Dezember 2001 von der pakistanischen Polizei festgenommen, im Januar 2002 an das US-Militär übergeben. Seit Juni 2002 ist er in Guantanamo, ohne Anklage, und wird dort körperlich und psychisch misshandelt. (Amnesty Report, Reporter ohne Grenzen, http://www.prisoner345.net/ Website zur Unterstützung von Sami Al Hadj, seiner Familie und seinen FreundInnen)
Am 11. Januar vor sechs Jahren wurden die ersten Gefangenen nach Guantanamo gebracht. Aus diesem Grund fanden am 11. Januar 2008 - in Deutschland praktisch unbeachtet - weltweit Demonstrationen und Kundgebungen gegen das Gefangenenlager Guantanamo statt (Bilder).
Aufgerufen wurde zu den Aktionen u.a. von Amnesty International (englisch, deutsch) und der American Civil Liberty Union. In Washington beteiligten sich etwa 400 Menschen (82 Festnahmen), außerdem wurde vor den amerikanischen Botschaften in London, Rom, Sydney, Kopenhagen, Athen, Istanbul, Manila, Berlin und vielen anderen Städten demonstriert. (NZZ online "Weltweite Proteste für Schliessung von Guantánamo") Einen Überblick über Aktionen sammelt die Website Witness against Torture.
Der Bericht über die Demonstrationen von Indymedia Washington, DC enthält die Audio-Datei eines Telefon-Interviews mit Sami Al Hadj's Bruder Asim Al Hadj in Karthum, arabisch mit englischer Übersetzung (9 Min, wav). Er beschreibt, warum Sami Al Hadj für Al Dschasira an der afghanisch-pakistanischen Grenze war, wie er dort festgenommen und unter welchen Bedingungen er festgehalten wurde. Die Aufnahme bricht ab nach Schilderungen grausamer Foltermethoden in der Haft in Kandahar.
Ein weiteres Interview gab es bei Democracy Now! am 15.1. (diverse Videoformate, Transkript)
In den deutschen Medien findet sich fast nichts über die Demos (bizarrerweise ein Kommentar der deutschen Amnesty-Chefin Lochbihler in der Welt und Artikel in HAZ und ND) und gar nichts über Sami Al Hadj, aber der österreichische Standard berichtet über einen offenen Brief "Journalist protestiert gegen Haftbedingungen in Guantanamo", der schon am 27.12. geschrieben, aber erst jetzt von der Zensur freigegeben wurde.
(weiter)
[O+
, media
]
27 November, 2007 15:20
Baltic Women 2007
Heute gibt es ein ganz besonders geschmackvolles Arrangement im Spiegel. Links im Bild ein Artikel über den Prozess wegen der brutalen Vergewaltigung und Ermordung eines 14-jährigen Mädchens, rechs ein Video über die 'Baltic Women 2007'. Keine Beschreibung, du klickst und hörst eine freundliche weibliche Stimme:
Striptease ist die Kunst der erotischen Entkleidung und das meistens auf einer Bühne. In Litauen fand nun die Baltic Women 2007 statt, ein Wettbewerb im sog. Stangenstriptease.
Und so weiter, garniert mit rein dokumentarisches Aufnahmen.
Ganz sachlich. Warum soll nicht auch der Spiegel ein bisschen von Sex sells profitieren? Genau wie die Pardon damals.
[de
, media
]
13 November, 2007 12:34
Florian Opitz frei
Manche Nachrichten brauchen ein bisschen länger - eben bin ich bei Kulturzeit über einen Beitrag gestolpert, der berichtet, dass Florian Opitz wieder frei und in Berlin angekommen ist. Damit kann ich meinen Bericht über die Festnahme auch wieder freischalten. Solange er in Nigeria war, sollte nicht öffentlich berichtet werden, wurde ich gebeten, um die nervöse nigerianische Regierung nicht unter Druck zu setzen.
Bisher gibt es außer dem Kulturzeitbeitrag, einer Notiz in der Ruhrnachrichten und einer Erklärung der AG DOK kaum Informationen.
Hintergrund: der Dokumentarfilmer Florian Opitz, Kameramann Andy Lehmann (beide Berlin), Danjuma Saidu (Nigeria) und Judith Asuni (US/Nigeria) wurden im September bei Recherche-Arbeiten in Nigeria mit dem Vorwurf Spioniage festgenommen, weil sie Ölraffinerien gefilmt hatten. Ihnen drohten bis zu 14 Jahren Haft. Was aus den den beiden anderen geworden ist, lässt sich den Berichten nicht entnehmen. Laut Kulturzeit sind bisher 60.000 Euro Anwaltskosten zu zahlen.
Florian Opitz hat zuletzt "Der große Ausverkauf" gedreht, einen Film über Privatisierung.
[en
, media
, Terrorism
]
05 Oktober, 2007 12:28
Florian Opitz facing 14 years of prison in Nigeria
Florian Opitz was arrested in Nigeria by the Nigerian State Security Service (SSS) and has to appear in court today. He is accused of 'endangering national security' and faces up to 14 years in prison.
Florian Opitz is a freelance documentary filmmaker, author and journalist. His last very successful documentary
"The Big Sell-Out"
"is a political film. In various episodes the abstract phenomenon of privatisation is depicted in stories about very concrete human destinies around the globe. The documentary tells tragic, tragicomic but also encouraging stories of the everyday life of people, who day by day have to deal with the effects of privatisation politics, dictated by anonymous international financial institutions in Washington D.C. and Geneva, such as the International Monetary Fund (IMF), the World Bank and the World Trade Organisation (WTO)."
Arrested with him were filmmaker Andy Lehmann (Berlin), Danjuma Saidu (Nigeria) and Judith Asuni (US/Nigeria), doing research in the Niger delta for their next film. They were alledgedly taking pictures of oil refineries, pipelines and ships. The Niger Delta has seen many bloody conflicts about resources, oil revenue and distribution of wealth, often depicted as 'ethic conflicts' by neighbouring tribes.
Judith Asuni has lived in the region for 36 years and works with the peace work NGO Academic Associates/PeaceWorks.
Update: According to Reuters, Florian Opitz and Andy Lehmann were released on bail today. Judith Asuni and Danjuma Saidu are still in prison in solitary confinement. All four pleaded non-guilty. (weiter)