Inzwischen machen sich viele Menschen Gedanken über seltsames
Verhalten ihrer Telefone. Weil die z.B. lange brauchen, um Verbindungen
herzustellen, weil sie die falschen Nummern anrufen, weil seltsame
Geräusche in den Mailboxen gespeichert werden, weil wildfremde Menschen
eigentlich andere anrufen wollten.... Ich werde hingegen gefragt, ob
ich nicht unnötig Angst verbreite unter Menschen, die ja sicher gar
nicht überwacht werden. Wenn dem so sein sollte, tut mir das Leid. Die
Angst, überwacht zu werden, ist sicher nichts, was ich irgendwem
wünsche.
Letzte Woche rief mich eine Freundin an, die in meinem
Bekanntenkreis sicher zu denen Letzten gehört, die in den Verdacht
geraten, irgendwas Verbotenes zu tun. Möglicherweise wurde dieser
Eindruck kurzfristig getrübt, als sie am 31.7. letzten Jahres ihren Job
als Ärztin im Krankenhaus morgens spontan stehen und liegen ließ, um
mir bei der bei uns stattfindenen Hausdurchsuchung samt Festnahme
Händchen zu halten, wofür ich ihr unendlich dankbar bin. Auch ihr
Telefon macht jetzt komische Sachen - in ihrem Fall werden alle
Einstellungen gelegentlich gelöscht. Ich kann mir, wie gesagt, nicht
vorstellen, dass sie abgehört wird, andererseits trifft das
wahrscheinlich auch auf größten Teil der in Deutschland abgehörten ca.
40.000 Telefonanschlüsse zu (Statistik der Bundesnetzagentur, April '07)
Was
ist vernünftig? Keine Angst zu verbreiten, weil Angst ja letzten Endes
genau das Ziel der Überwachungsgesellschaft ist? Darüber reden, auch
wenn man's nicht ganz genau weiß, weil nicht drüber reden noch viel
schlimmer ist? Spekulieren über das, was gar nicht so spekulativ ist,
weil es in Akten (wie bei uns) oder in Statistiken steht (wie bei den
40.000)?
Bei der Transmediale habe ich die Tochter eines
ehemaligen Richters am Bundesgerichtshofs kennengelernt. Sie schockte
alle am Tisch damit, dass sie niemals irgendwas wichtiges oder
persönliches unverschlüsselt per Mail verschicken würde. Weil sie ja
als Kind und Jugendliche mit der Überwachung aufgewachsen ist und zu
ihrem Alltag gehörte, dass ihr Telefon abgehört wurde. Sie geht ganz
automatisch davon aus, dass mitgehört wird.
Die BGH-Richter werden
alle abgehört und wissen das auch. Es dient der gegenseitigen
Kontrolle. Wundert sich jetzt noch irgendwer, dass deutsche Richter so
leichtfertig Überwachungsmaßnahmen gegen andere unterschreiben?
Über Telefonüberwachung wurde ausführlich geredet und geschrieben in Bezug auf einen schwarzen Beutel,
der in unserem Leben die unrühmliche Rolle hatte, Auslöser einer
weiteren Hausdurchsuchung im letzten August zu sein. Weil Andrej darin
nach seiner Haftververschonung die ihm gerade ausgehändigten
Ermittlungsakten nachhause transportierte. Den Beutel hatte er von
seiner Mutter, einer dieser Drogeriemarkt-Schlüsselanhänger für einen
Euro. Und die Hausdurchsuchung gab's, weil die Bundesstaatsanwältin
glaubte, dass wenn seine Mutter am nächsten Tag am Telefon sagt, dass
sie beim nächsten gemeinsamen Kaffeetrinken Sonntags gern über den
Inhalt des schwarzen Beutels reden möchte, die einzige mögliche
Erklärung sein kann, dass a) Andrej weiter Terrorist ist, b) seine
Eltern irgendwie mit drin stecken, c) gefährliches Beweismaterial bei
sich zuhause in der Wohnung aufbewahren, d) ihm das jetzt zum Kaffee
mitbringen und diskutieren wollen und e) das alles am Telefon
ankündigen. Dieser Glaube resultierte aus dem mitgehörten Telefonat und
ist deutlicher Beweis für die sehr unterschiedlichen Lebenswelten
derjenigen, die Überwachung betreiben und anordnen und derjenigen, die
davon betroffen sind.
Auf jeden Fall beschäftigt auch uns das
Thema Überwachung weiter. Zuletzt in Form eines Schreibens der
Bundesanwältin an Andrejs Eltern bzw. deren Anwältin. Die hatte sich
nämlich darüber beschwert, dass die des schwarzen Beutels wegen eine
ganze Woche observiert werden sollten und sogar eine Hausdurchsuchung
erwogen worden war. Wegen des oben beschriebenen Telefonats! Aber die
Antwort ist eigentlich noch schöner. Eigentlich hätte ich gedacht, dass
die Reaktion vielleicht nicht direkt kleinlaut ausfällt, aber doch in
irgendeiner Form etwas signalisiert, das schon in den Gesichtern der
ausführenden Beamtinnen in unserer Wohnung zu erkennen war: dass die
ganze Aktion vielleicht doch ein bisschen am Ziel vorbei geschossen
ist, welches auch immer das ist. Über diese Geschichte haben sich
inzwischen unübertrieben tausende Menschen totgelacht. Aber weit
gefehlt: die BAW hat immer recht.
Ein wundervolles Terrorismus-Cartoon, dass ich gerade geschickt bekam:
Snuggly, der Sicherheitsbär über die Spione, die Euch lieben:
We love you and we listen to you!
We love you and want to protect you from terrorists
who want to undermine our system of laws and democracy
and so we have to undermine our system of laws and democracy
to protect you from terrorism!
And if you don't believe me: you're supporting terrorism!
Im Osten gab es ja auch kein System zum Kritisieren. Wir fanden ja die DDR gut, schon zu Ost-Zeiten. Wir konnten machen, was wir wollten, wir hatten keine Existenzängste. Ich fand alles gut. Auch die Mauer war für mich eine klare Sache: Da stand dran "Wer versucht rüberzugehen, wird erschossen." Und wenn man dann rübergeht, weiß man, dass man erschossen werden kann. Man hatte also immer eine Alternative.
Ich musste mich damals auch entscheiden: Ich wollte auf keinen Fall zur Armee, man musste aber hin, sonst konnte man sogar ins Gefängnis kommen. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Dafür durfte ich dann nicht studieren und konnte nicht Arzt werden. Das war für mich eine freie Entscheidung. Für mich bedeutet Freiheit, dass man die Wahl hat zu tun, was man will. Und das hat für mich im Osten sehr gut funktioniert. Und jetzt passiert durch den Kapitalismus so viel Dreck hier um mich herum. Weil so viele Menschen irgendwelchen Mist machen, nur um Geld zu verdienen. Das nervt mich.
Bis heute fehlt mir die DDR sehr. Mehr als die Bands von damals.
The international competition to define 'Terrorism' was officially just closed, but entries keep trickling in. One of my current favourites is a video made in Amsterdam in front of the Central Station last week by Eleonora Oreggia, aka xname. Seeing the latest entries I think the panel is going to have a difficult time chosing the best ones.
"What is terror?"
A collection of opinions on terror and its derivatives,
the real voice of random passengers.
Question to the viewers:
Can you identify the three key-words missing in the video?
Morgen ist die ultimative letzte Deadline für das Terror-Preisausschreiben.
Gesucht werden immer noch Beiträge, die ernst oder satirisch, als Text,
Bild, Video, Podcast oder Plakat Eure Definition des Begriffs
'Terrorismus' enthalten. (Ich könnte mir vorstellen, dass der Upload in
dringenden Fällen auch noch ein paar Tage länger offen bleibt..).
Darauf gibt es inzwischen ein wirklich beachtliche Zahl von Antworten, hier folgen drei von etwa 60 bisher:
Die Abgeordneten, die am 9.11.07 für die Neuregelung der
Telekommunikation und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie der
Richtlinie 2006/24/EG Drs.16/5846 und 16/6979 abgestimmt haben: http://www.youtube.com/watch?v=jnQt-qRU6I0
Es geschieht... nichts. Nichts besonders Auffälliges. Es wird weiter ermittelt, das Verfahren läuft weiter, ganz normal, als hätte sich nie jemand besonders darüber gewundert. Lediglich das 'a' fehlt hinter dem §129. Eine Weile war davon gar nichts zu merken und gerade fühlt es sich wieder ein bisschen seltsam an, aber ganz unauffällig. Kleinkram, sozusagen.
Wenn ich Leute anrufe, die ich nicht regelmäßig anrufe, dann behauptet mein Handy, dass es deren Nummer nicht gebe, oder sie gerade nicht erreichbar seien, ab und zu auch, dass gerade besetzt sei. Weil ich das schon kenne, rufe ich eine halbe Minute später nochmal an und siehe! Dann gibt's die Nummer wieder und telefoniert hat auch niemand.
Wirklich frappierend finde ich ein Phänomen, das schon richtig schrill klingt. Deswegen verbuche ich das jetzt mal nicht unter 'Überwachung', aber wüsste wirklich gern, wie das kommt: wenn das jemand erklären kann?!
Bei einem gerade genutzten Rechner fängt der Mauszeiger an zu wandern, gespenstisch ganz von allein, so als ob er gerade aus der Bildfläche rutscht, ganz langsam. Wenn ich die Maus anfasse und aktiv bewege, dann hört sie auf zu rutschen. Allerdings hüpfen die Fensterränder gelegentlich unkontrolliert herum. Das passiert nicht nur mir, sondern auch anderen Verwandten und Bekannten, und wir wüssten gern, was das ist, damit wir nicht weiter darüber nachdenken müssen.
Außerdem gehen wirklich viele Computer kaputt im Kreis der Beschuldigten und ihrer Bekannten, auch geladener ZeugInnen. Nebenbei auch unangenehm teuer..
Ich gebe zu, dass ich gelegentlich über Kameras in der Wohnung nachdenke. Es scheint zum Allgemeinwissen zu gehören, dass das BKA bestimmte Beschränkungen in den Ermittlungen hat und sich an einige davon auch tatsächlich zu halten scheint, was aber offenbar nicht für den Verfassungsschutz gilt. Es wird davon ausgegangen, dass mehr oder weniger alles eingesetzt wird, was technisch machbar ist. Ich hatte ja schon auf den Film "Aus Liebe zum Volk"hingewiesen, der letzte Woche im mdr lief. Kai Raven hat den auch gesehen und genauer beschrieben. Der Film zeigt gut, dass Kameras ("visuelle Wohnraumüberwachung") in der Wohnung schon vor Jahrzehnten regulär eingesetzt wurden, und damit ist sicher nicht übertrieben anzunehmen, dass diese Technik seitdem noch verfeinert wurde. Das BKA hat sie jedenfalls ganz oben auf der Wunschliste. Ja. Ich muss sagen, dass ich mich zuhause wohler fühlen würde, wenn ich hier etwas genauer Bescheid wüsste.
Relativ genau lässt sich sagen, dass verdeckte Ermittler gern öffentliche Veranstaltungen besuchen. Dass sie das bei Veranstaltungen tun, die sich mit dem Verfahren beschäftigen, wundert niemanden. Dass sie aber auch weiterhin was über Gentrifizierung lernen wollen? Na, es schadet sicher nicht. Und wie sagte Frau Harms so schön im August in der FAS: "Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof erlässt keine Haftbefehle nur aufgrund von wissenschaftlichen Veröffentlichungen, wie es in manchen Medien unterstellt wurde. Auch nicht für den freien Zugang zu Bibliotheken." Aber Gentrifizierung ist immer noch .. schwierig?
Es stellt sich schon auch die Frage, ob diese wahnsinnig auffälligen Herren wirklich versuchen, verdeckt zu sein, oder ob das Absicht ist. Und ich gehöre nicht zu den Leuten, die immer schon nach sowas Ausschau hielten, aber die hier sind wirklich auffällig.
Am Sonntag - schon wieder Fernsehen - gab es bei 'Planetopia' auf Sat1 einen Bericht darüber, was mit guten Kameras auch ganz legal über die Spiegelung z.B. in Kaffeelöffeln, Gläsern, Brillengläsern und teilweise sogar Pupillen aufgenommen werden kann. Genauer stand das vor einem Weilchen schon in der FAZ, die über einen Professor der Informationssicherheit und Kryptographie am Max-Planck-Instituts für Informatik berichtet, der das alles mal ausprobiert hat:
Als Spitzenreflektor erwies sich eine gläserne Teekanne. Aus einer Entfernung von zehn Metern konnten die Saarbrücker darauf noch eine 18-Punkt-Schrift auf dem gespiegelten Bildschirm entziffern - mit einer Ausrüstung, die gerade einmal 1200 Euro gekostet hat: einer Digitalkamera, zwei Teleskopen und ein wenig Software.
Dazu passt noch, dass vor einer Weile bei einem der Beschuldigten im mg-Verfahren nach einer Reise in einem Zimmer das Licht brannte, obwohl das ganz sicher bei der Abreise nicht gebrannt hatte. Das schockt uns schon kaum noch: die Vorstellung, dass in unserer Abwesenheit andere unsere Wohnung betreten - und auch hier sagen Menschen, die es besser wissen, dass das nicht außergewöhnlich sei. Man gewöhnt sich ja an fast alles. Sehr schön illustriert in diesem Film:
(via)
Zum Schluss noch Danke für die Folien zum Thema "Terror Detection Algorithms" bei der Transmediale, die gut illustrieren, warum wir uns weder vor Kameras in Wohnungen noch Teelöffeln wirklich fürchten müssen angesichts der "Conspiring communication structures", die zur Erkennung von Terroristen entworfen werden, sondern stattdessen besser dreimal laut sagen "Ich werde NIE Mitglied von Facebook werden.. ich werden NIE Mitglied von..".
Die rot-grüne Koalition hat 2003 den Paragraf 129a des Strafgesetzbuchs
verändert und ein Resultat davon war, das die Werbung für
terroristische Vereinigungen nicht mehr strafbar ist. Damit war ein
bleiernes Kapitel deutscher Geschichte beendet, jedenfalls schien es
so. Zwei Jahre nach dem 11. September und damit in einer Zeit, als sich
der Kampf gegen den Terror schon richtig schön warmgelaufen hatte, war
das nicht selbstverständlich. Es bedeutete, dass etwa das reine
Aufhängen von Plakaten, die Sympathie für politische Gefangene
bekundeten, nicht mehr ausreichte, um zu jahrelanger Haft verurteilt zu
werden - in den 70er und 80er Jahren kam das nicht selten vor.
Der Bundesgerichtshof hat im Oktober und November deutlich entschieden, was nach dem aktuellen Gesetz kein Terrorismus ist,
nämlich z.B. das Anzünden von leeren Bundeswehrfahrzeugen und auch
generell alles, was der 'militanten gruppe' vorgeworfen wird. Wenig
überraschend wurde direkt nach diesen Entscheidungen aus dem rechten
Lager gefordert, dass dann die Gesetze geändert werden müssten, wenn es
mit den geltenden nicht möglich ist, alle die als Terroristen
festnehmen und verurteilen zu lassen, die aus rechter Sicht welche
sind. Auf der Wunschliste stehen bspw. terroristische Vereinigungen,
die aus nur einer Person bestehen, und die alte 'Werbung für..'. Seit heute gibt es den Gesetzentwurf des Bundesrats, der sich zuerst dem Aufenthalt in terroristischen Ausbildungslagern widmet. Im Kleingedruckten steht dann noch folgendes:
"Zugleich solle die Sympathiewerbung für kriminelle und terroristische
Vereinigungen erneut unter Strafe stehen. Diese war im Jahre 2002
abgeschafft worden. Gerade in einer Zeit gegenwärtiger Bedrohung durch
terroristisch motivierte Anschläge könne es nicht hingenommen werden,
dass derjenige straffrei bleibe, der dazu aufrufe, sich mit den Zielen
solcher Vereinigungen zu solidarisieren."
Mindestens ratlos, wenn nicht sehr misstrauisch, macht mich diese Formulierung:
So sollen zu Beispiel bestimmte Vorbereitungshandlungen zu schweren
terroristischen Gewalttaten und Anleitungen zu solchen Taten generell -
auch ohne Bezug zu terroristischen Vereinigungen - unter Strafe
gestellt werden.
Montag wurde ich im Deutschlandfunk bei Corso - Kultur nach 3 dazu befragt, ob ich nicht ein bisschen übertreibe mit meinem Blog?
Das Leben unter Überwachung schildert die Journalistin Anne Roth in ihrem Blog "annalist.noblogs.org"
Hier zum Nachhören: dlf_annalist.ogg (Ogg-Dateien können mit dem VLC-Player abgespielt werden, umsonst und Open Source hier.)
Ich war insgesamt von der Transmediale beeindruckt. Sicher habe ich den größeren Teil der Konferenz nicht mitgekriegt, aber einige der Veranstaltungen am Freitag im Rahmen des 'Bilderberg-Salons' waren sehr interessant und vor allem sehr viel politischer, als ich dieser 'Kunstkonferenz' bisher zugetraut hatte.
Begeistert haben mich die Projekte 'Zone Interdite' and 'picidae' von Mathias Jud und Christoph Wachter - picidae hat auch eine lobende Erwähnung des transmediale Award bekommen.
Beide Projekte unterwandern Zensur. Picidae (Spechte, angelehnt an die Berliner Mauerspechte) überwindet Firewalls und andere Formen von Internetzensur, im Vortrag sehr beeindruckend vorgeführt am Beispiel China. Websites werden in Bilder umgewandelt und umgehen damit Zensurformen, die über Worterkennung funktionieren. Picidae funktioniert umso besser, je mehr Leute sich am Netz der Pici-Server beteiligen.
Zone Interdite (Verbotene Zone) sammelt kollaborativ Informationen über "geheime militärische, industrielle und politische Bereiche. Durch globale Vernetzung und lokale Partizipation wird mit der ‚Zone Interdite’ Plattform eine transparente Weltkarte erschaffen."
Schon mal von 'Terror Detection Algorithms' (Algorithmen zur Erkennung von Terrorismus) gehört? Wir haben uns ja bisher immer gefragt, wie eigentlich genau die Anfangsverdachtsmomente zusammenkamen, nach denen dann die Albernheiten 'Bibliotheken', 'Gentrification', 'konspiratives Verhalten' etc. dazu ausreichten, Leuten einen Terrorismusverdacht anzuhängen. Anscheinend gibt es Programme (gemeint: Software) im Rahmen der Social Network Analysis (also Analyse sozialer Netzwerke), die dazu dienen, 'terroristische Zellen' ausfindig zu machen. Dagegen scheint mir das, was wir uns unter Rasterfahndung vorstellen, ausgesprochene Kinderkacke. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann dient Social Network Analysis dazu, Kontakte, Interaktionen, Kommunikation zwischen Individuen darzustellen. Je größer und besser bekannt die zwischen Menschen bestehenden Netzwerke sind, desto besser ist es möglich, bestimmte Muster zu erkennen bzw. zu berechnen. Nach der Darstellung des Referenten Robert Hilbrich gibt es die Vorstellung, dass z.B. Terroristen bevorzugt in Zellen organisiert sind, die dem Lenin'schen Zellenmodell ähneln, also sehr zentralistisch (ein Kopf, der verschieden Personen um sich herum dirigiert). Wenn die sich zunächst wie Schläfer verhalten, also kaum kommunizieren und dann plötzlich ganz aktiv untereinander werden, dann muss das eine Terrorzelle sein, die kurz davor steht, einen Anschlag zu begehen!
Ganz so schlicht ist es hoffentlich nicht, aber plausibel ist auf jeden Fall, dass diese Muster berechenbar sind, wenn entsprechend große Mengen an Datensätzen vorhanden sind. Und offenbar (und wenig überraschend) wird das in der kleinen Schnittmenge zwischen Informatik und Sicherheitsbehörden vorangetrieben. Das erklärt dann auch die Datensammelwut unserer InnenpolitikerInnen noch ein bisschen besser.
Nichts mit der Transmediale zu tun haben diese Fundstücke; ich hoffe, dass sie an dieser Stelle nicht untergehen, denn hübsch sind auch sie:
Die Cebit wird 'feministisch' und lässt Frauen am 8. März umsonst rein. Die Kommentare in der Heise-Meldung dazu sind wieder ganz enorm bodenlos furchtbar.
Die Kulturzeit hat den Godfather des Medienaktivismus Geert Lovink zur Rolle der BloggerInnen befragt. Viel Interessantes sagt er leider nicht - es gibt viele BloggerInnen, mehr und weniger professionell und mit ganz unterschiedlichen Motiven. Hm.
Na, was ist das? Eine Roboterfliege. Die machen demnächst das, was bisher noch hässliche Kameras machen müssen - hier im Einsatz bei einer Antikriegsdemo im September '07. Washington Post: Dragonfly or Insect Spy? Scientists at Work on Robobugs. Der Artikel ist nicht mehr ganz frisch, aber/und/so oder so gibt's dazu noch ein paar sehr schöne Videos.
"Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit
notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder
weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen
aufzufallen. Wer damit rechnet, dass etwa die Teilnahme an einer
Versammlung oder einer Bürgerinitiative behördlich registriert
wird und dass ihm dadurch Risiken entstehen können, wird möglicherweise
auf eine Ausübung seiner entsprechenden Grundrechte (Artikel 8,
9 GG) verzichten."
Das Bundesverfassungsgericht wird Recht und Gerechtigkeit nicht
herstellen. Wir selbst müssen für Meinungsfreiheit kämpfen, indem
wir sie in Anspruch nehmen. Indem wir mit denen solidarisch sind,
die in die Fänge der Ermittlungsbehörden geraten sind.
Danke.
Daniel Leisegang in Blätter für deutsche und internationale Politik 2/08: Das Google-Imperium. Wer noch nicht weiß, warum nicht klug ist, Googlemail-Adressen zu benutzen (oder auch nur Mails an welche zu schicken), sollte hier nachlesen.
EU states show an increasing willingness to categorize as terrorism
actions only remotely connected to the planning and commission of
violent attacks, with damaging consequences for expression, privacy,
and in some cases liberty.
Germany
The arrest of two academics in July raised questions about academic
freedom and free speech in the context of counterterrorism. The federal
police arrested Andrej Holm, a professor from the University of
Humboldt, and another academic identified only as “Mattias B.,” citing
their academic writings and accusing them of being intellectual
supporters of a militant left-wing faction allegedly responsible for a
series of arson attacks since 2001. Neither of the men is a suspect in
the arson investigation, but Holm is accused of meeting with one of the
suspected arsonists earlier in 2007. Holm was detained and placed in
solitary confinement until bail was granted in August. Charges of
membership in a terrorist organization are pending against both men.
And elsewhere?
In Denmark an activist who unexpectedly returned home interrupted a secret house search by the police recently. Now who believes this is a singular event that would take place only in Denmark?
In the UK, if you're of muslim origin, admittely anarchist and e.g. have taken part in protests against the G8 summit in Germany, be ready to expect to regularly be questioned by the Special Branch at the airport. At least. Regular surveillance measures included.
Die EU-Mitgliedsstaaten bezeichnen zunehmend auch solche Handlungen als
Terrorismus, die nur indirekt mit der Planung und Durchführung von
Anschlägen verbunden sind. Dies hat verheerende Auswirkungen auf das
Recht auf freie Meinungsäußerung, den Schutz der Privatsphäre und die
Freiheit der Person.
Deutschland
Die Verhaftung zweier Wissenschaftler im Juli warf Fragen zur Freiheit
der Wissenschaft und zur Redefreiheit im Zusammenhang mit
Terrorismusbekämpfung auf. Die Bundespolizei verhaftete Andrej Holm,
einen Lehrbeauftragten an der Humboldt-Universität zu Berlin, und einen
Wissenschaftler, der als „Matthias B.“ bezeichnet wurde. Beide wurden
beschuldigt, die „militante gruppe“ durch ihre wissenschaftlichen
Veröffentlichungen und ihre Ideen zu unterstützen. Sie ist eine
linksextreme Gruppierung, die für eine Reihe von Brandanschlägen seit
2001 verantwortlich gemacht wird. Keiner der beiden gehört zu den
Tatverdächtigen in den Ermittlungen um die Brandanschläge. Holm wird
jedoch vorgeworfen, sich Anfang 2007 mit einem der Brandstifter
getroffen zu haben. Er wurde in Untersuchungshaft genommen, die er in
Einzelhaft verbringen musste. Im August kam er gegen Kaution frei.
Gegen beide Wissenschaftler ist ein Verfahren wegen Mitgliedschaft in
einer terroristischen Vereinigung anhängig.
Die Bilder sind die 1. Preisträger in den Bereichen Fotografie und Karikatur des Wettbewerbs für politische
Fotografie und Karikatur "Rückblende 2007".
Wir erinnern uns: die Clowns sind dieselben, denen auch vorgeworfen wurde, die Polizei mit Säure zu attackieren, in völlig seriösen deutschen Medien.
Anne Roth
Ich lebe in Berlin, bin Medienaktivistin, Journalistin, Übersetzerin, Mutter zweier Kinder und seit Juli '07 vor allem bekannt als Partnerin von Andrej Holm, der morgens um 7 Uhr in unserer Wohnung als Terrorist festgenommen wurde. Seitdem blogge ich über das Innenleben einer Terrorismus-Ermittlung.
Wir freuen uns über Einladungen, Aufträge, Anfragen, SponsorInnen und Spenden. annalist[at]riseup.net, gpg-Schlüssel Impressum & Datenschutz
Language
I don't (yet) manage to write as much in English as I'd like to. Find posts in English here, details about the casehere and a good summary with background to German terrorism law here.
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